Mut, Adrenalin und Hilfsbereitschaft: Nach 47 Jahren hört Stadtbrandmeister Klaus Kurz auf 

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Nach Jahrzehnten verabschiedet sich Bopfingens Stadtbrandmeister Klaus Kurz.
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Klaus Kurz war 47 Jahre bei der Feuerwehr, lange Zeit in führenden Ämtern. Zum 1. April 2022 hört er auf. Unter seiner Ägide hat sich vieles verändert, nicht aber der Geist, der über allem steht.

Bopfingen

Wenn's wo brennt, ist er da. Klaus Kurz. Ein Feuerwehrmann durch und durch. Geschätzt und gefragt. Einer, der mit Wissen, Umsicht und Verantwortungsbewusstsein vorangeht. Ruhig, sachlich, bescheiden. Menschen vertrauen ihm. Das hat er sich erarbeitet - seit dem 1. Juni 1975, als er als 17-Jähriger zur Feuerwehr kam. Nun ist Schluss. Zum 1. April 2022 hört Bopfingens Stadtbrandmeister auf.

Die Abschiedstour bei allen Abteilungen liegt hinter ihm. Überall viel Lob und überall sehr deutlich: Große Fußstapfen hinterlässt Kurz. Andreas Mailänder, Kommandant der Bopfinger Abteilung, wird sein Nachfolger. „Er packt das“, ist Kurz sicher.

Der Jungspund springt ein

Schon in der Kindheit hat der Bopfinger Klaus Kurz, Jahrgang 1958, seine Liebe zur Feuerwehr entdeckt. „Mein Vater war dabei und er hat mich immer wieder mitgenommen. Die Fahrzeuge, die Aufgaben, das alles hat mich fasziniert“, sagt Kurz. Weil bei der Abnahme des Leistungsabzeichens einer fehlte, sprang der 17-Jährige damals ein. „Sonst hätte keiner das Abzeichen machen können“, lacht er. Nach diesem Einstand nahm Bopfingens Wehr den Jungspund gerne auf, obwohl der noch keine 18 war.

Fortan hat sich Klaus Kurz immer stärker eingebracht. Dutzende Lehrgänge hat er absolviert, sich auf allen Feldern des Feuerwehrwesens Wissen angeeignet. In nackten Daten liest sich seine „Feuerwehrvita“ so: 1. Juni 1975 Eintritt in die Abteilung Bopfingen; 21. Januar 1982 Abteilungsleiter dort; 1987 bis 2022 Gesamtkommandant der Bopfinger Wehren; 1997 bis 2005 in Personalunion Abteilungskommandant Bopfingen; 1994 bis 2022 Stadtbrandmeister; ab 1999 stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes und von 2004 bis 2019 dessen Vorsitzender. Stellvertretender Kreisbrandmeister seit 2014. In diesem Amt will er so lange bleiben, bis sich der neue Chef, Andreas Straub, eingearbeitet hat.

Auszeichnungen hat Kurz haufenweise gesammelt. Zu viele, um alle zu nennen. Die wichtigsten sind 2012 das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold, 2016 das Feuerwehr-Ehrenzeichen Baden-Württemberg in Gold und 2019 die Ehrenmedaille Baden-Württemberg in Silber.

„Der Gedanke, anderen helfen zu können, die Technik zielführend einzusetzen, sich ein Stück weit verwirklichen zu können und die Kameradschaft“ nennt Kurz als Beweggründe für sein Leben für die Feuerwehr. Geändert habe sich daran bis heute nichts. „Ich würde alles noch einmal genau so machen“, sagt er.

Chancen genutzt

Erlernt hat Kurz einen kaufmännischen Beruf. Er war Chef für Werks- und Feuerschutz im NATO-Tanklager auf der Röttinger Höhe, später Betriebsleiter dort. 1987 ergab sich die Chance, Bopfingens Feuerwehr und den städtischen Bauhof dort in Personalunion zu leiten. „Erst hatte der Gemeinderat das abgelehnt, vier Wochen später aber doch zugestimmt“, erinnert sich Kurz. „Das war was Politisches“, lacht er.

Stichwort Politisches: „Feuerwehrchef zu sein, ist auch eine politische Aufgabe“, weiß Kurz. „Wo gibt es Konflikte, wo kann ich Spannungen rausnehmen, wie können Mittel beschafft werden, wie knüpfe ich Netzwerke, wie läuft die Kooperation mit den Verwaltungen“, listet er auf.

In Bopfingen hat Kurz drei Bürgermeister erlebt: Erich Göttlicher, Bernhard Rapp und nun Dr. Gunter Bühler. „Die Kooperation mit allen war stets positiv. Als ich anfing, war die Feuerwehr schwach aufgestellt, 1975 standen zwei Autos in der Garage am Rathaus. Die Alarmierung lief über Sirene. Heute haben wir 76 Funkmeldeempfänger, einen großen Fuhrpark mit Spezialfahrzeugen und sind für alle Einsatzlagen gerüstet“, sagt Kurz.

Auch Rivalität zwischen den Abteilungen sei kein Thema mehr. „Früher kam es schon mal vor, dass eine Abteilung die Schläuche der Bopfinger Wehr wieder abgeschraubt hat, weil das IHR Brand war“, lacht Kurz.

Drei Kreisbrandmeister hat Kurz erlebt - Rolf Englerth, Werner Prokop und Otto Feil. Gut ausgekommen sei er mit allen. Englerth, aber, der sei sein großes Vorbild gewesen, sagt Kurz.

Freude und Schrecken

47 Jahre bei der Feuerwehr, Kurz hat viel erlebt, Erfreuliches aber auch Schreckliches. Zufrieden und glücklich ist er, dass unter seiner Ägide kein Feuerwehrmann ums Leben kam. „Als Kommandant ist die Verantwortung riesig. Brände in Wohnhäusern sind mit am gefährlichsten für Feuerwehrleute. Hier kann jede falsche Entscheidung fatale Folgen haben“, sagt er.

Zig Einsätze hat er geleitet, Großbrände, Unfälle - die ganze Palette eben. Groß seien die Freude und Erleichterung, wenn Menschen gerettet, wenn geholfen werden konnte, „wenn alles glattging“, sagt er. „Deshalb ist es wichtig, danach zusammenzusitzen, bei einem Bier vielleicht, um über den Einsatz zu reden. Vom Löschen ins Bett, das funktioniert nicht“, weiß er.

Corona war eine besondere Herausforderungen. Ein Dutzend Verordnungen habe er formuliert. „Alle machten mit, alle hielten sich daran. Vielen Dank dafür. Wir waren jederzeit einsatzfähig“, sagt er. Digital sei manches erledigt worden. „Das wird teilweise so bleiben und ergibt auch Sinn“, meint Kurz.

Manches geht an die Nieren

Schrecklich sei es, wenn trotz aller Mühe, Menschen doch zu Schaden kommen. „Ich erinnere mich an einen Unfall, bei dem wir eine Frau aus ihrem Auto befreiten. Sie wurde in den Hubschrauber gebracht, aber der schaltete gleich den Rotor wieder aus. Sie war gestorben. Das macht einen fertig.“ Ein anderer Einsatz ging Kurz ebenso an die Nieren. Ein Jugendlicher kam im Steinbruch auf dem Breitwang zu Tode. „Mein Sohn war genau so alt, ging in dieselbe Schule. Ich muste immer denken, wenn das mein Bub gewesen wäre“, sagt Kurz. Wie geht man damit um? „Wir werden für solche Fälle geschult, lernen auch, wann man sich Hilfe suchen muss. Am Erlernten muss man sich festhalten und irgendwann geht es dann auch wieder“, hat er erfahren.

Doch zum Glück überwiege die Freude. Die meisten Einsätze heute seien fehlausgelöste Brandmeldeanlagen. „Aber auch da darf man nicht nachlässig werden. Neulich wurden wir gerufen, und dachten, dort sei eh nur wieder Fehlalarm. Vor Ort entdeckten wir aber einen Schwelbrand, denn wir rasch löschen konnten“, berichtet er.

Kein Aprilscherz - Kurz geht

Zum 1. April ist Schluss mit Adrenalin, nächtlichen Alarmierungen, mit Organisieren - drei Kreisfeuerwehrtage hat er mitgeplant - und Einsätze leiten. Besonders freuen wird sich seine Frau Petra über mehr Zeit mit ihren Mann und den drei erwachsenen Kindern. Noch mehr Zeit hat Klaus Kurz, wenn er Ende 2022 die Leitung des Bauhofs abgibt und vollends in Ruhestand geht. Dann will er „eine Maß auf der Mess mal so richtig genießen, ohne den Hintergedanken, dass irgendwo eine Trafostation brennen könnte“, lacht er.

Wehmut? Nein, Dankbarkeit für die Zeit und die vielen Kameraden überwiege. „In meinem Alter braucht man Nervenkitzel nicht mehr dringend und schläft nachts gerne durch“, lacht er. Er hinterlasse seinem Nachfolger eine insgesamt gut aufgestellte Feuerwehr. Stolz ist Kurz auch darauf, dass die Jugendfeuerwehren, die er einst anstieß, so gut laufen. „Das alles beruhigt und macht mich zufrieden“, sagt Kurz. Mailänders Aufgaben gingen aber nicht aus. Digitalisierung, Nachwuchsarbeit und vieles, vieles mehr, nennt er.

Und Kurz selbst? „Es gibt die ein oder andere Anfrage. Vielleicht werde ich ja Obmann der Altersfeuerwehr“, schmunzelt er. Wie er künftig seine Tage verbringt, sei noch offen, aber nur am Eigenheim in Trochtelfingen werkeln, das füllt einen Mann wie ihn nicht aus, oder? „Schau'n wir mal“, zitiert Kurz vielsagend Kaiser Franz Beckenbauer.

Ich würde alles noch einmal genau so machen.“

Klaus Kurz, Feuerwehrchef

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