ÖPNV: Bopfingen fühlt sich abgehängt

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Westhausen und Lauchheim sollen künftig noch besser an den Stadtverkehr Aalen angebunden werden. Zweimal in der Stunde sollen Busse von dort nach Aalen fahren. In Bopfingen dagegen ist bislang nur ein Stundentakt geplant.
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Bürgermeister und Gemeinderat kritisieren die Teilfortschreibung des Kreis-Nahverkehrsplans. Einhelliges Fazit: Die Stadt wird im Vergleich zu Lauchheim schlechter behandelt.

Bopfingen

Starker Gegenwind schlug Ingo-Benedikt Gehlhaus in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates entgegen. Der Leiter des Kreisgeschäftsbereiches Nachhaltige Mobilität war gekommen, um die Teilfortschreibung des Nahverkehrsplans für den Ostalbkreis zu präsentieren. Was darin geplant ist, frustriert jedoch Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und Stadträtinnen und Stadträte gleichermaßen.

Der Stein des Anstoßes: Westhausen und Lauchheim sollen künftig noch besser an den Stadtverkehr Aalen angebunden werden. Zweimal in der Stunde sollen Busse von dort nach Aalen fahren. In Bopfingen dagegen ist bislang nur ein Stundentakt geplant. Unmöglich, meint Bühler.

Er sieht Bopfingen hier klar benachteiligt. Die Stadt hat mehr Einwohner als Westhausen und Lauchheim zusammen und dementsprechend mehr potenzielle ÖPNV-Kunden. Kein Ort an der Strecke nach Aalen habe mehr Einwohner, bekräftigte Bühler. „Wenn man die Attraktivität an einer Stelle anhebt, kann man sie nicht an anderer Stelle senken. Wir wollen auf gar keinen Fall schlechter gestellt werden als Lauchheim oder Westhausen, oder sind wir etwa weniger wert als die Menschen dort?“, fragte Bühler.

Mehrmals forderte der Bürgermeister Gehlhaus dazu auf, Argumente darzulegen, wie es zu dieser Planung gekommen ist und welche Argumente dafür sprächen, Bopfingen nur im Stundentakt an den ÖPNV nach Aalen anzubinden, „während man in Lauchheim manchmal sogar drei Mal die Stunde dorthin kommt“. Die Antwort darauf blieb Gehlhaus schuldig.

Das Argument der Schiene, die ja entlaste, lassen Gemeinderat und Bürgermeister nicht gelten, schließlich gibt es auch in Lauchheim und Westhausen Bahnhöfe. Und dass in Bopfingen der Bus fast zum gleichen Zeitpunkt in Richtung Aalen losfahren soll, wie der Zug, versteht ohnehin keiner im Gremium.

„Wir brauchen nicht unbedingt einen Halbstundentakt, aber wir wollen nicht benachteiligt werden“, machte Bühler deutlich. Dass dies der Fall sei, beweise auch der Umstand, dass in Lauchheim jeder Wohnplatz per Bus erreicht werde, während in Bopfingen Oberdorf und Kerkingen zwar gut angebunden, Baldern und das Röhrbachtal dagegen aber komplett abgehängt seien.

Lenkungsfunktion für Schulen

Der ÖPNV hat auch Lenkungsfunktion für die Schulen, wies CDU-Fraktionschef Thomas Trautwein auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin. Bopfingen habe 17 Millionen in das Bildungszentrum investiert, da müsse der Weg dorthin auch attraktiver sein, als der Weg an Schulen in Richtung Aalen. Bühler ergänzte hier, dass die Fortschreibung des Plans ein Rückschritt sei, und nannte ein Beispiel. Zehn Kilometer Luftlinie seien es von Unterschneidheim bis zum Bildungszentrum, früher habe der Bus für die Strecke fast eine Stunde gebraucht. Dies sei optimiert worden, doch nun wiederhole die neue Planung offenbar hier wieder die alten Fehler. „Das nehmen wir so nicht hin“, machte Bühler klar.

Industriegebiete anschließen

Weiter fordern Bürgermeister und Gemeinderat eine bessere ÖPNV-Anbindung an die Industriegebiete. Hier seien die meisten Menschen, vor allem viele Auszubildende, unterwegs, eine gute Anbindung sei auch ein Stück Wirtschaftsförderung.

SPD-Fraktionschefin Dr. Carola Merk-Rudolph hält die aktuelle Planung in Bezug auf Bopfingen für nicht durchdacht. So werde mit dem ÖPNV Schulpolitik gemacht. Genau so wie Bühler will die SPD-Kreistagsfraktionschefin das Thema im Kreistag diskutiert wissen.

Stefan Spang, der Fraktionschef der Freien brachte es so auf den Punkt: „Nach ihrem Vorschlag hier, werden wir noch weiter abgehängt“. Spangs Fraktionskollege Martin Schmid empfahl Gehlhaus, Bürgermeister Bühler in sein Planungsteam zu holen, dann kämen gute Ideen heraus. Es sei frustrierend, dass Bopfingen für viel Geld, das nach Aalen gehe, so wenig erhalte.

Ipf-Express und Nachtbus gelobt

Doch es gab auch Lob für den ÖPNV. Der Ipf-Express beispielsweise, der nach einer Zeit der völligen Vakanz eines Bopfinger Stadtverkehrs diese Lücke seit Mai 2018 geschlossen hat, sei sehr gut unterwegs und werde stark nachgefragt. Bühler hält hier gar einen „Ipf-Express 2.0“ für denkbar, der als Pendelbus Fahrgäste von der Stadt zum Ipfpavillon auf Bopfingens Hausberg bringen könnte. Dies könnte die schwierige Parkplatzsituation am Ipf entzerren.

Lob gab es auch für das Angebot StadtLandBus von OK.go, das - on demand- junge Leute aus Bopfingen abends zum Ausgehen nach Aalen und danach wieder sicher heimbringt.

Wenn man die Attraktivität an einer Stelle anhebt, kann man sie nicht an anderer Stelle senken.“

Dr. Gunter Bühler, Bürgermeister

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