Pandemie: schwere Zeiten für die Wachkoma-Station

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Stationsleiter Tobias Rosengard (links) und Patient Thomas Baur in der Wachkoma-Station in Bopfingen.

Auch für die Einrichtung in Bopfingen bringt Corona besondere Herausforderungen mit sich. Nicht nur für das Pflegepersonal.

Bopfingen

Thomas Baur ist ein großer FC Bayern-Fan. An der Wand in seinem Zimmer hängen Schals, Fahnen und T-Shirts seines Lieblingsvereins. Über seinem Bett Autogramme von Thomas Müller und Giovane Elber, dazwischen ein Brief unterschrieben von Uli Hoeneß. "Der FC Bayern München hält zu Dir", steht dort zu lesen. Thomas Baur ist Bewohner der Wachkoma AktivPflege in Bopfingen, die von den Kliniken Ostalb getragen wird. Gerade prüft Stationsleiter Tobias Rosengard seine Infusion. "Die schlimmste Zeit während Corona war der erste Lockdown", erzählt Knut Frank, der Leiter der Pflegekräfte. Es durften keine Angehörigen in die Einrichtung kommen.

Jetzt, nach einem Jahr, dürfen je Bewohner zwei Angehörige aus einem Haushalt zu Besuch kommen. Zuvor sind der Schnelltest und Desinfektion obligatorisch.

"Ein Besuch kann nicht ersetzt werden", sagt Knut Frank. Im ersten Lockdown versuchten die Pflegekräfte mit Telefonkontakten zu helfen, indem sie das Telefon ins Bett legten, damit der Bewohner zumindest die Stimme hört. Aber eine wirkliche Alternative war das für die Wachkoma-Patienten nicht. "Es ist wichtig, auch mal nur die Hand zu halten oder im Haus spazieren zu gehen", beschreibt Frank die Situation. Im ersten Lockdown übernahm das Pflegepersonal einiges davon, soweit möglich.

Sicherheit ist nach wie vor das höchste Gebot der Station unterm Ipf. Dreimal pro Woche werden die Mitarbeiter getestet, der Hygieneaufwand ist um ein Vielfaches hochgefahren worden.

Der Großteil der Mitarbeiter ist bereits geimpft, wie auch alle Bewohner. "Wir hatten hier keinen Corona-Fall", bestätigt der Leiter der Pflegekräfte. Das Maskentragen erschwere die Arbeit erheblich. "Sieben Stunden unter der Maske und dabei schwere körperliche Arbeit verrichten, das schlaucht", sagt Knut Frank. "Aber man gewöhnt sich daran." Es hat auch positive Seiten: Seit Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss, sind Grippe und Erkältungen auch bei den Mitarbeitern minimiert. Dafür ist der tägliche Papierkram angewachsen.

Viel Vertrautes fällt weg

Die schlimmste Zeit während Corona war der erste Lockdown.

Knut Frank Leiter der Pflegekräfte

Kein Tag ohne neue Vorschriften. Die Gottesdienste, Feste und Ausstellungen, für die die Wachkomastation ebenfalls bekannt war, fallen weg. Vor allem für die Angehörigen ist dies ein großes Defizit. Dort konnten sie sich treffen und austauschen.

Mit der Realschule Bopfingen hat die Wachkoma AktivPflege seit vielen Jahren einen engen Austausch. Dies soll auch während der Pandemie bleiben. So wurde das Programm "Nähe und Distanz" ins Leben gerufen.

Der Rektor der Bopfinger Realschule, Karl-Heinz Abele, Oliver Sauter und Patrizia Kuhn sind zusammen mit den Schülern die maßgeblichen Personen bei diesem Programm. Unterstützung erhalten sie vom pädagogischen Team der Ostalb-Kliniken mit Cindy Seuferling.

So entsteht eine win-win-Situation, da die Schüler Einblicke in den Beruf der Krankenpflegekraft erhalten.

Patrizia Kuhn nimmt mit ihren Musikschülern verschiedene Lieder auf. Zusammen mit Musikpädagoge Jonathan Pfaff geht Knut Frank zu den Bewohnern und spielt ihnen die Lieder vor. Die Schüler sind virtuell dabei und können die Reaktionen live miterleben. So bleibt auch diese Partnerschaft in diesen Zeiten erhalten.

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