Reißt das Band der Partnerstädte?

+
Probleme bei Bopfingens Städtepartnerschaften
  • schließen

Es herrscht Funkstille zwischen Bopfingen, Beaumont und Russi. Sigrid Göggelmann will den Vereinsvorsitz abgeben, Bürgermeister Bühler „den Zug auf neue Gleise setzen“.

Bopfingen

Die Zukunft von Bopfingens Städtepartnerschaften ist ungewiss. Wegen Corona ist der Austausch zwischen Bopfingen und Beaumont in Frankreich und Russi in Italien fast völlig eingeschlafen. In den Rathäusern dort gab es Amtswechsel und die neuen Bürgermeister zeigen bislang wenig Interesse an der Städtepartnerschaft mit Bopfingen.

Hinzu kommt, die Vorsitzende des Bopfinger Städtepartnerschaftsvereins, Sigrid Göggelmann, inzwischen 82 Jahre alt, will ihr Amt im Februar abgeben. Die Nachfolgefrage ist ungelöst. Auch in Beaumont hört die langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsvereins auf, in Italien ist der Wechsel bereitvollzogen. In Russi kümmert sich nun das Rathaus um den Bereich.

Das letzte Treffen mit den Partnerstädten gab es 2019, berichtet Sigrid Göggelmann auf Anfrage der SchwäPo. „Damals liefen noch alle Aktivitäten, von der Fete de Cornards in Beaumont, dem Kindertreffen Anfang August in Bopfingen, dem Bierfest im September in Russi, dem Adventswochenende in Beaumont oder dem Nikolausmarkt in Bopfingen“, listet sie auf.

„Seit 2020 gab es leider gar keine Aktivitäten mehr“, bedauert Sigrid Göggelmann. Nur noch telefonisch oder per Mail sei Kontakt zu den Freunden in Frankreich und Italien gehalten worden. Seither habe sich in den Partnerstädten viel verändert. Die Bürgermeisterwahlen brachten in Beaumont einen neuen Chef ins Rathaus: Jean-Paul Cuzin. In Russi wurde Valentina Palli zur Bürgermeisterin gewählt. „Merkwürdigerweise zeigen beide kein besonderes Interesse an der Städtepartnerschaft“, hat Göggelmann festgestellt. Weder auf die Gratulationen von Bürgermeister Dr. Gunter Bühler, noch auf die des Bopfinger Städtepartnerschaftsvereins habe es eine Reaktion gegeben, nicht aus Italien, nicht aus Frankreich. „Auch auf Anfragen zu unseren Partnerschaftsaktionen gab es keine Antworten“, bedauert Göggelmann. Persönliche Treffen könnten helfen, aber Corona lasse dies nicht zu, so Göggelmann. Sie fürchtet, die Pandemie wirke sich dauerhaft negativ auf die Partnerschaften aus.

Erschwerend hinzu kommt: Sigrid Göggelmann und ihre Amtskollegin in Beaumont stehen kurz davor, ihre Ämter aufzugeben. „Ich bin jetzt 82 Jahre alt und führe den Verein seit 2005. Ich fühle mich nicht mehr in der Lage, das sehr beliebte, aber körperlich doch anstrengende Kindertreffen mit Bergtouren und ähnlichen Aktivitäten durchzuführen.“ Zudem brauchten Jugendliche „Ansprechpartner, die jünger sind und mehr Verständnis für ihre Welt haben“. Vom Schreibtisch aus organisieren, das könne sie noch und gerne ihre Erfahrung einbringen, so das gewünscht sei, sagt sie.

Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, wird schwierig und dies nicht, weil die Hauptversammlung bereits seit zwei Jahren wegen Corona jeweils verschoben werden musste. Im Verein seien viele bereit, mitzuwirken, auch im Vorstand, die Vereinsführung aber wolle keiner übernehmen, sagt Göggelmann. Im Rathaus sei versucht worden, Eltern von Kindern, die selbst am Kindertreffen teilnahmen, durch persönliche Anschreiben für diese Aufgabe zu motivieren. Ohne Erfolg.

„Es wäre sehr schade, würde die Städtepartnerschaft scheitern, weil man keine Verantwortlichen mehr für diese Arbeit findet“, sagt Göggelmann. „Vor allem das Kindertreffen hat viele europäische Freundschaften gestiftet.“ Sie hofft nun, dass Bürgermeister Dr. Gunter Bühler über die Osterferien 2022 in die Partnerstädte reist, um dort über die weitere Zukunft der Städtepartnerschaften zu sprechen.

  • Der Bürgermeister wirbt für Städtepartnerschaften
  • Bopfingen. Für Bürgermeister Dr. Gunter Bühler ist klar, dass es mit den Städtepartnerschaften weitergehen soll. „Wir müssen diesen Zug nun auf neue Gleise stellen, dazu müssen wir hier in Bopfingen aber auch unsere Hausaufgaben erledigen“, sagt er. Es gelte, „jüngere und junge Menschen, für den Gedanken europäische Städtepartnerschaft zu gewinnen“, sagt Bühler.
  • Die gegenwärtige Funkstille unter den Städten sei auch Corona geschuldet. Seine für August 2021 geplante Reise in die Partnerstädte habe er wegen der Pandemie verschoben. Falls es möglich sei, werde er in den Osterferien nach Beaumont reisen, denn die französische Partnerschaft rückt Bühler zunächst in den Fokus.
  • Das Motiv für Städtepartnerschaften mit Frankreich sei einst gewesen, die Erbfeindschaft zu überwinden. Dies sei gelungen, „aber heute gibt es ganz andere Erwartungshaltungen an eine solche Partnerschaft. Es geht darum, Land und Leute, die Küche, die Kultur kennenzulernen“, sagt er.
  • Eine Verjüngung im Bopfinger Verein für Städtepartnerschaft sei anzustreben, „frisches Blut muss her“. Das sichere dessen Fortbestand und trage dem Umstand Rechnung, dass junge und jüngere Leute altersgleiche Ansprechpartner hätten, meint Bühler.
  • Es gebe Personen, die bereit seien, das Amt nach Sigrid Göggelmann fortzuführen, sei es auch nur als Interimslösung, meint Bühler. Es werde sich eine Lösung finden, ist er sicher.
  • Alle in der Stadt, „die Interesse an den Städtepartnerschaften mit Beaumont und Russi haben, die Lust haben, hier mitzuarbeiten, ganz gleich in welchem Umfang, in welcher Rolle oder Funktion“ ermuntert er: „Melden Sie sich bei mir, kommen Sie gerne auf mich zu.“ ⋌mas

Zurück zur Übersicht: Stadt Bopfingen

Mehr zum Thema

Kommentare