Sigrid Fried: Chefin im Modehaus Linse seit über 50 Jahren

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Sigrid Fried neben ihrer historischen Kasse. Das Sammlerstück hat einen Ehrenplatz und ist ein Unikat - so wie die Besitzerin.
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Sigrid Fried betreibt seit fünf Jahrzehnten das Modehaus Linse in Bopfingen - und sprüht noch immer vor Energie. Die Begegnung mit Menschen, die Familie und gute Freunde sind ihre Kraftquellen.

Bopfingen

Sigrid Fried ist eine Institution in Bopfingen. Seit über 50 Jahren ist sie die Chefin in ihrem Modehaus Linse. Auch mit über 80 Jahren steht sie täglich in ihrem Geschäft und hat Spaß daran. Weniger gefällt es ihr, in der Öffentlichkeit zu stehen. „Ach, das muss doch nicht sein“, sagt sie mehrmals, bevor sie sich dann doch zu einer Geschichte in der SchwäPo überreden lässt.

Beim Termin dann läuft der Reporter erst mal nebenher. Kein Problem, dann warten wir eben eine Lücke im Geschäftsbetrieb ab. „Guten Tag Frau ….“ Namentlich wird die Kundschaft jeweils begrüßt. Die Gesichter wechseln, die Freundlichkeit bleibt. Es wird nachgefragt, es werden Neuigkeiten ausgetauscht und dann geht es um Textilien.

Ein sicheres Händchen hat Sigrid Fried, wenn es darum geht, zu erkennen, was ihre Kundinnen wollen, was sie perfekt für welchen Anlass kleidet. „Schauen Sie doch mal, da noch dieses langärmelige Blüschen drunter und dann ist das doch perfekt“, sagt’s und erntet Zustimmung.

Und noch etwas zählt: „Die Nähe zu den Menschen. Manche kommen nur auf einen Kaffee vorbei, auf ein Schwätzchen. Bei uns geht das, denn wir sind das Gegenteil des Internethandels“, lacht sie und ist überzeugt, dass der letztlich dem Handel, wie wir ihn kennen, das Genick bricht, dass irgendwann US-amerikanische Verhältnisse herrschen. „Dann gibt es nur noch ganz Teures oder Ramsch in Geschäften“, warnt sie.

„Sie müssen einfach lieben, was sie tun, und sie müssen reell sein, ehrlich, das merken die Leute und dann kommen sie immer wieder“, sagt sie später. Immer wieder kommen sie tatsächlich, die Kundinnen. Nicht nur aus Bopfingen, auch aus Nördlingen, Aalen, Gmünd, gar aus Stuttgart begrüßt Sigrid Fried Stammkundschaft.

Reell und ehrlich, das passt zu Sigrid Fried, die in jungen Jahren ja eigentlich etwas ganz anderes vorhatte mit ihrem Leben. In die weite Welt hinaus wollte sie, am besten beruflich etwas machen, das mit Reisen zu tun hat, das nach Asien führt, mindestens aber nach München. „Ich liebe Asien“, lächelt sie.

Wie alles anders kam

Gekommen ist dann aber alles ganz anders. Ihre Mutter, die Seele des Betriebs, „eine mutige, ganz außergewöhnliche Frau“, wie sie sagt, starb früh. Der Vater war allein mit dem Geschäft. „Früher waren wir ein Vollsortimenter. Wir hatten alles: Damenmode, Brautmode, Herrenmode und Kinderkleidung. Ich wurde gebraucht und musste einspringen“, sagt Sigrid Fried.

Und Asien? Hat sie privat nachgeholt, so wie Spanien und Frankreich. „Die französische Sprache, die Art zu leben, die Küche, ach, das ist herrlich“, sagt sie. Ein bisschen Französisch hat sie noch in der Schule gelernt, „aber das meiste habe ich vergessen“, meint sie bescheiden.

Urlaube, das waren immer der Süden und die Sonne für sie. Zumindest so lange, bis sich ihr Mann Horst Fried tatsächlich einmal unnachgiebig zeigte. „Er wollte nach Sylt. Ich habe gemeckert bis Hamburg und genau so lange hat es auch geregnet. Aber als wir den Kirchturm von Keitum sahen, schien die Sonne und ich war begeistert.“ Die Liebe blieb, bis heute verbringt Sigrid Fried im November Tage auf Sylt, um sich zu entspannen.

Zurück zu den Anfängen. Die Höhere Handelsschule in Calw, danach die Textilfachschule in Nagold hat sie absolviert, bevor sie ins kalte Wasser sprang. Bereut hat sie dies am Ende nicht.

Ein Schicksalsschlag

Immer wieder dazulernen musste sie. Am meisten als ihr Mann Horst Fried im Alter von nur 49 Jahren starb. Ein emotional harter Schlag für Sigrid Fried. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder, junge Erwachsene damals zwar, aber eben Kinder. Hinzu kam die berufliche Lücke. „Er hat ja alles Kaufmännische gemacht, davon und von Technik allgemein hatte ich keine Ahnung. Ich habe verkauft. Das konnte ich. Aber zum Glück gab es wirklich gute Freunde, die mir halfen. Ohne sie hätte ich das alles nicht gemeistert“, sagt sie.

Gute Freunde, die Familie und der Glaube, daran hat sich Sigrid Fried ihr Leben lang festgehalten. Es sind die Quellen für ihren Elan, ihre positive Haltung dem Leben gegenüber und für ihre Freundlichkeit, in der Begegnung mit Menschen.

„Wissen Sie, eigentlich stamme ich ja aus einer erz-evangelischen Familie, aber am liebsten bin ich in der Wallfahrtskirche in Flochberg. Und ich schätze besonders Pfarrer Hubert Klimek. Mir hat mal ein Pfarrer gesagt, der Herrgott sei weder evangelisch noch katholisch, das sei nur Verpackung, der Inhalt immer derselbe. Aber schreiben Sie das ja nicht“, sagt sie wieder. So oft hat sie das schon gesagt, dass gar nichts mehr übrig bliebe, das geschrieben werden dürfte.

Körperlich fit wirkt sie und geistig agil, genauso wie ihre Mitarbeiterin Elsbeth Häfele. „Sie ist von Anfang an dabei, sogar noch länger als ich“, lacht Sigrid Fried. Das Geheimnis ihrer Gesundheit? „Ach, Glück und ich wohne im dritten Stück. Achtmal am Tag die Treppen rauf und runter, das hält in Schwung“, lacht sie.

Lebenselixier Modemesse

In Schwung halten sie auch die Messebesuche. Längst geht es nicht mehr zu den großen nach Düsseldorf und weiter, inzwischen ist Sindelfingen das Ziel. Mit Elsbeth Häfele und ihrer Schwiegertochter fährt sie dort hin und dann wird ausgesucht und eingekauft.

„Wir teilen uns auf, das muss alles Zackzack gehen, sonst schafft man das gar nicht“, meint sie. Das letzte Wort hat dabei die Chefin, aber das Gespür für Ware, die geht, hätten längst alle, meint Sigrid Fried. Was immer zählt, ist die Qualität der Produkte. „Da gibt es keine Kompromisse“, sagt sie.

Wie es weitergeht mit dem Modehaus Linse, das mindestens seit 1855 besteht, wenn Sigrid Fried tatsächlich einmal aufhört? „Ich hoffe ja, dass ich eine Nachfolgerin finde, aber noch sind wir ja da, gell“, wirft sie Elsbeth Häfele den Ball zu. „Genau“, lacht diese - und dann kommt schon wieder Kundschaft.

Sie müssen lieben, was Sie tun, und Sie müssen reell sein, ehrlich sein. Das spüren die Menschen.

Sigrid Fried, Modehändlerin

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