Südtrasse verheißt mehr Entlastung

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Ein Blick auf die B 29 entlang des Industriegebietes Bopfingen-Flochberg. Bei einer Nullplusvariante für die B 29n würde sich an deren Verlauf nichts ändern, weil hier keine Umfahrung von Bopfingen vorgesehen ist. Die Entlastung für das Umland brächte Bopfingen aber bis zu 1500 Fahrzeuge mehr am Tag.
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Im Linienfindungsverfahren für die neue Verkehrsachse hat der Landkreis dem Kreistag die ersten Daten der Verkehrsuntersuchung und einige Schlüsse daraus präsentiert.

Bopfingen

Bayern an die A 7 bringen und dabei die Ortsdurchfahrten Aufhausen, Bopfingen, Trochtelfingen und Pflaumloch vom Verkehr entlasten - das soll die neue B 29 von der Röttinger Höhe bis Nördlingen schaffen. Auf welcher Trasse diese verlaufen soll, ob über das Härtsfeld im Süden, oder am Ipf vorbei, das wird das Linienfindungsverfahren ergeben. Der Prozess dazu läuft. Drei Planvarianten stehen im Raum:

Südvariante: Diese Variante über das Härtsfeld sieht die südliche Umfahrung von Aufhausen, Bopfingen, Trochtelfingen und Pflaumloch vor, die an der Röttinger Höhe beginnt, in weitem Bogen Bopfingen umfährt und an der Landesgrenze endet. Sie ist an sieben Stellen mit dem bestehenden Netz verknüpft.

Nordvariante: Diese Trasse beginnt westlich von Aufhausen, verläuft südlich von Kerkingen und umfährt Dirgenheim und Benzenzimmern jeweils nördlich. Sie ist an vier Punkten mit dem Netz verknüpft.

Nullplusvariante: Diese Variante sieht Ortsumfahrungen für Aufhausen, Trochtelfingen und Pflaumloch vor und hat sechs Anschlussstellen an das bestehende Netz. Für Bopfingen ist keine Umfahrung geplant.

Als Grundlage für die Entscheidungen, welche der Trassen am besten geeignet ist, dienen auch Daten aus Verkehrsuntersuchungen. Im Kreistag wurden dazu am Dienstagabend erste Zahlen präsentiert.

Ziele: Vier Ziele haben die Experten für ihre Untersuchung formuliert: Eine Erhebung mit Verkehrszahlen für 2020 zu liefern; eine Prognose der Verkehrsentwicklung bis 2035 zu entwickeln; einen Vergleich der Wirksamkeit der verschiedenen Trassen vorzunehmen und zu untersuchen, ob eine B 29n Auswirkungen auf Straßenbauprojekte auf L 1060 und der B 466 hat.

Methoden: Die Verkehrserhebung begann im März 2020. Zum ersten Lockdown wurde die Aktion gestoppt. Im Mai 2020 wurden die Messungen fortgesetzt. Die Werte in der „Corona-Delle“ wurden anhand von Daten aus den Jahren 2016 bis 2019 hochgerechnet. Die Verkehrserhebung lief videogestützt und mit Mobilfunkdaten. Es gab zehn Mal 24-Stunden-Knotenstromzählungen, drei Querschnitts-Wochenzählungen und acht 24-Stunden-Querschnittszählungen, zudem wurden Routenverfolgung und Reisezeitberichte über Mac Adressen benutzt.

Ausgewählte Zahlen: Laut Erhebung zeigt die Verkehrsbelastung für Aufhausen 11 500 Fahrzeuge am Tag, davon 1930 Schwerverkehr. 2035 könnten es 13 900 Fahrzeuge täglich sein, davon 2200 Schwerverkehr. In Bopfingen sind es aktuell 17 700 Fahrzeuge, davon 2300 Schwerverkehr. Für 2035 sind 21 100 Fahrzeuge täglich prognostiziert, davon 2640 Schwerverkehr. Für Trochtelfingen wurden 10 300 Fahrzeuge täglich gezählt, davon 1430 Schwerverkehr. 2035 könnten es 11 800 Fahrzeuge täglich sein, davon 1580 Schwerverkehr. Für Pflaumloch sind es aktuell 10 100 Fahrzeuge täglich, davon 1220 Schwerverkehr. 2035 könnten es 11 200 Fahrzeuge täglich sein, davon 1350 Schwerverkehr. Für Unterriffingen wurden nun 2300 Fahrzeuge täglich gezählt, davon 60 Schwerverkehr. 2035 werden 2800 Fahrzeuge täglich prognostiziert, davon unverändert 60 Schwerlastverkehr.

Ergebnisse: Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die geplanten Ortsumfahrung Eggenrot, Röhlingen und Zöbingen im Zuge der L 1060 unabhängig von der B 29n zu betrachten sind. Deren Dringlichkeit und Notwendigkeit wird durch den Bau der B 29n nicht infrage gestellt.

Weiter heißt es, dass die Südvariante für die B 466 in Neresheim und Ohmenheim gewisse Entlastungen bringt. Diese seien mit rund 1000 bis 1200 Kfz/Tag jedoch nicht so groß, dass die Durchgangsverkehrsproblematiken dort gelöst würden.

In der Frage, welche Variante insgesamt betrachtet am meisten Entlastung bringt, kommen die Verkehrsexperten zu diesem Schluss: „Von den untersuchten Planfällen zeigen die südlichen Varianten insgesamt eine höhere Entlastungswirkung als die nördliche.“ Bei der Südvariante würden Aufhausen um 60 Prozent, Trochtelfingen und Pflaumloch um 80 Prozent entlastet. Bei der Nordvariante läge die Entlastung für Aufhausen bei 45 Prozent, für Trochtelfingen bei 53 und für Pflaumloch bei 55 Prozent. Die Nullplusvariante würde Aufhausen 79 Prozent Verkehr nehmen, Trochtelfingen 71 Prozent und Pflaumloch 80 Prozent. Bopfingen dagegen hätte bis zu 1500 Fahrzeuge mehr am Tag zu verkraften.

Stimmen: Im Kreistag dankte CDU-Fraktionschef und Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler der Landkreisverwaltung dafür, dass sie die Planung im Auftrag des Landes übernimmt. Das Zahlenwerk belege die Notwendigkeit der Maßnahme, helfe dabei, in die Linienfindung zu gehen und das Thema zu versachlichen.

„Doch es ist noch nicht an der Zeit, über Linien zu diskutieren“. Es sei gut und richtig, drei Varianten zu untersuchen, sie alle hätten eine faire Betrachtung verdient, meint Bühler. Die Topographie in Trochtelfingen bleibe ein Knackpunkt und sollte es die Nullplusvariante werden, dann müsse auch Bopfingen entlastet werden, beispielsweise durch Rampen oder Tierlegungen der Straße.

Für die SPD begrüßte Dr. Carola Merk-Rudolph die Untersuchung, forderte jedoch mehr Details. Weiter seien Quell- und Zielverkehre zu berücksichtigen, ebenso wie die Chancen eines gut vertakteten ÖPNV. Beides mahnte auch Gabriele Ceferino (Grüne) an. Sie kann sich gar eine Tunnellösung vorstellen. Insgesamt aber stehen für sie Bundesverkehrswegeplan und Klimaschutzziele in einem direkten Widerspruch zueinander.

Umweltaspekte: Zur Bearbeitung der wichtigen umweltfachlichen Belange wurde die langjährige Naturschutzbeauftragte des Ostalbkreises, Beate Jakob, als Umweltprojektleiterin gewonnen. Sie hat im Februar 2021 ihre Tätigkeit beim Landratsamt Ostalbkreis aufgenommen. Eine faunistische Kartierung zur Erhebung relevanter Arten und Strukturen für den Entwicklungszyklus 2021 hat begonnen.

Bürgerbeteiligung im Linienfindungsverfahren

Bopfingen. Der Landkreis weiß, wie wichtig es ist, die Bürgerschaft beim Prozess der Linienfindung mitzunehmen. Daher sollen alle abgestimmten und fertiggestellten Planungsunterlagen im Internet auf einer Projekthomepage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Für Bürgeranregungen wird zunächst die Adresse „B29n@ostalbkreis.de“ freigeschaltet. Anregungen, die hier eingehen, sollen systematisch erfasst und im weiteren Prozess berücksichtigt werden.

Der Landkreis lässt sich beim Kommunikationsprozess von einem externen Büro begleiten, das demnächst seine Arbeit aufnimmt. mas

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