„Tatort“ Bopfingen: Der Funke springt über

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Mechthild Großmann

Wie Schauspielerin Mechthild Großmann - die Frau mit der markanten Stimme - ihr Publikum unterhält.

Bopfingen. Ein lange Menschenreihe hatte sich vor dem katholischen Gemeindehaus in Bopfingen aufgebaut. Alle wollten die Grande Dame des Tatorts aus Münster, Mechthild Großmann, erleben. Obwohl sie gar nicht so sehr an ihre Tatort-Rolle erinnert werden möchte. „Im Jahr bin ich nur wenige Tage für den Tatort unterwegs,“ sagt sie im Gespräch nach ihrer Lesung. Viel lieber spielt sie Theater, vor allem in Frankfurt.

Während ihrer Lesung in Bopfingen wird dies deutlich. Zwar liest sie aus Alan Bennetts „Ein Kräcker unterm Kanapee“, doch gleichzeitig spielt sie die Figuren. Ein kurzes „Guten Abend“ in den Zuschauerraum, und schon kommt Mechthild Großmann zur Sache. Liest die erste der zwei Geschichten an diesem Abend. Eigentlich sind es acht Geschichten von Frauen im Buch, doch bei der Fernsehstaatsanwältin reichen die beiden Rollen, um zu zeigen, welch prachtvolle Charakterdarstellerin sie ist. Die erste Geschichte von der neugierigen Nachbarin, die als Mörderin im Gefängnis landet, die zweite von der ständig betrunkenen Pfarrersfrau – vorgetragen im Bopfinger katholischen Gemeindehaus.

Deftiger, britischer Humor

Deftiger, britischer Humor vom Feinsten, was Mechthild Großmann vorträgt. Dabei spielt sie mit ihrer markanten Stimme wie ein Trompeter im klassischen Orchester. Gekleidet in Schwarz mit rotem Schal und roten Schuhen, sitzt sie am Tisch, neben einem künstlichen, flackernden Kaminfeuer. „Ich liebe Alan Bennett,“ gesteht sie zu Beginn des zweiten Teils. „Er ist Kult, aber nicht bekannt.“ Seit langem liest sie Alan Bennett, „…und es ist jedesmal ein Genuss“.

Gerade diese acht Frauengeschichten findet sie hervorragend, „sie sind von einem Kerl geschrieben“. Außerdem wunderbar übersetzt von Ingo Herzke. Jeder im Saal spürt, sie ist mit Herzblut dabei. Der Funke springt über. Das Publikum hat Spaß, lacht und freut sich über diesen gelungenen Vorleseabend.

Beinahe wäre die Lesung nicht zustande gekommen, da der Zug, mit dem sie unterwegs war, auf offener Strecke einen Tierunfall hatte. Doch Bopfingens Kulturreferentin Victoria Schrödersecker setzte alle Hebel in Bewegung, um Mechthild Großmann doch noch nach Bopfingen zu bringen.mj

Mechthild Großmann
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