Ukraine-Kinder gehen zur Schule

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Die Werkrealschule nimmt alle älteren Kinder auf.
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Ältere Kinder aus der Ukraine werden zunächst zentral an der Werkrealschule Bopfingen unterrichtet. Dort wurden in Windeseile Konzepte entwickelt und Personal beschafft.

Bopfingen

Die ersten Kinder aus der Ukraine drücken in Bopfingen die Schulbank. Ein Blick auf die Werkrealschule. Hier haben Schulleiter Lars Wolf, Konrektorin Carmen Fasser, Lehrerkräfte, die Schulsozialarbeiterin und die Pädagogische Assistentin bereits am vergangenen Mittwoch ein Konzept erarbeitet, wie es gelingen kann, die neuen Schülerinnen und Schüler aufzunehmen. Mit Erfolg, und so war es möglich, dass Kinder, die dem Kriegsgebiet mit nahen weiblichen Verwandten entkommen konnten, bereits am vergangenen Donnerstagvormittag in der Schule empfangen wurden.

Ukrainische Lehrerin aufgetan

Ratzfatz hat die Schule eine ukrainische Lehrerin organisiert, die schon länger in der Umgebung Bopfingens lebt und als Dolmetscherin und Lehrbeauftragte fungieren kann. „Drei ukrainische Mädchen und zwei Jungen werden ab sofort in die Klassenstufen 6, 7, 8 und 9 integriert, die älteren erst in zwei Wochen, da die beiden achten Klassen derzeit zweiwöchige Betriebspraktika absolvieren und in beiden neunten Klassen Kommunikationsprüfungen zur Fremdsprache laufen“, informiert Wolf.

Für Kateryna, Khrystyna, Viktoria, Vadym und Kirill - so heißen die „Neuen“ - startet der Schulbeginn in Deutschland also in Klasse 7. In dieser Klassenstufe machen die Werkrealschüler momentan die „Kompetenzanalyse“. Dabei werden in Kleingruppen, deren Zusammensetzung sich immer wieder ändert, unterschiedliche Aufgaben gestellt, die größtenteils im Team gelöst werden müssen. Schnell können Fähigkeiten und Fertigkeiten erkannt, gefördert und mit Hilfe verschiedener Beobachtungsinstrumente bewertet werden, erklärt Wolf. „Für die neuen Kinder der perfekte Start an der Schule“, findet Wolf, denn: „In Kleingruppenarbeiten kann jeder seine individuellen Fähigkeiten einbringen. Sprache braucht man da nicht unbedingt“.

Voller Personaleinsatz

Keine Sekunde habe man gezögert, als die telefonische Anfrage die Schule erreicht hat. „Wir waren uns einig: Wir machen das jetzt, schnell, sofort und mit aller Kraft, die die Schule aufbringen kann“, sagt Wolf. Und da könne die Schule einiges aufbieten. Mit im Klassenzimmer helfen Klassenlehrerin Vera Seidel, Schulsozialarbeiterin Nicola Scheer und die Pädagogische Assistentin Inge Lygo, die viel Erfahrung im Umgang mit Migranten hat und nebenbei an der Volkshochschule Kurse für diese anbietet. „Sollten 20 oder gar 30 ukrainische Kinder kommen, schreckt uns das überhaupt nicht“, sagt Wolf und verweist auf „gute, große Räume und die pädagogische Kompetenz an der Schule“.

Täglich wachse die Hilfsbereitschaft und ein weiteres Plus sei, dass die Geflüchteten „sich so schnell wie möglich mit ihren eigenen Fähigkeiten einbringen wollen“, freut sich Wolf. Seit Mittwoch helfe beispielsweise die 33-jährige Irina dabei, den ukrainischen Kindern Englischunterricht anzubieten. Sie sei privat in Bopfingen untergekommen und besitze ein entsprechendes Sprachdiplom, informiert Lars Wolf.

Oft sind die Begleitpersonen ältere Schwestern, Mütter, Tanten oder sogar die Großmütter. Volljährige Brüder oder den Vätern ist die Ausreise aus der Ukraine derzeit untersagt. Sie müssen für ihr Land kämpfen. Eine der volljährigen Schwestern musste auch zurückbleiben, da sie als Krankenschwester arbeitet und kriegsrelevant ist.

Die Kinder, die jetzt da sind, seien noch vergleichsweise gut rausgekommen aus der Ukraine, meint Wolf. Dennoch, seien sie erschrocken, als die Schulglocke laut läutete. Schwieriger werde es wohl, wenn traumatisierte Kinder, „die Schreckliches erlebt haben, zu uns kommen“.

Bopfinger Schulen kooperieren

Die Stadtverwaltung hat die Schulleitungen am Mittwochnachmittag zu einem Koordinationsgespräch ins Rathaus gebeten. Ein Resultat dabei: Die Grundschulen arbeiten eng zusammen, alle älteren Kinder werden zunächst an der Werkrealschule unterrichtet. Nach einer gewissen Zeit können sie, entsprechend ihrem Leistungsstand, die Schulart wechseln.

„Der Zusammenhalt der Bopfinger Schulen ist stark, die Zusammenarbeit funktioniert. Wir werden gemeinsam die Aufgabe angehen“, versichert Wolf. Das sei wichtig, denn „es werden mehr kommen, und es wird lange dauern, bis diese Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren können“, sagt Wolf.

Schulleiter Lars Wolf

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