Verkehrsinfarkt als Dauerzustand

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Das Verkehrschaos in Pflaumlochs Ortsdurchfahrt wird noch lange bleiben. Eine Umfahrung ist derzeit nicht in Sicht. Archivfoto: opo
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Die Planungsarbeiten an einer B29neu von der Röttinger Höhe nach Nördlingen gehen offenbar nur schleppend voran. Nun wartet der Landkreis auf einen „Scoping Termin“.

Bopfingen

Umfahrungen für Pflaumloch und Trochtelfingen zu schaffen, das ist das Minimalziel, auf das sich Kritiker wie Befürworter einer neuen B 29 zwischen der Röttinger Höhe und Nördlingen einigen können. Ob und wann die Straße aber gebaut wird, das ist weiterhin genau so offen wie die Trasse, über die sie führen wird.

Klar ist nur, es muss eine Gesamttrasse Röttingen-Nördlingen her, denn einzelne Ortsumfahrungen, die nur punktuelle Lösungen schaffen, aber keine Netzfunktion zwischen Oberzentren lückenlos nachweisen, finanziert der Bund nicht.

Mit der Machbarkeitsstudie hat der Landkreis 2015 bewiesen, dass eine Verbindung Röttingen-Nördlingen machbar ist und Netzfunktion erfüllt. Die B 29neu hat es 2016 so in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrsplans 2030 geschafft.

Wie ist die Lage aktuell? Wir haben nachgefragt: Das „Linienfindungsverfahren, bei dem alle möglichen Varianten genauer untersucht werden, die der Ostalbkreis in seiner Machbarkeitsstudie aufgezeigt hat“, laufe, heißt es bei der Landkreisverwaltung. Derzeit stehe die „Durchführung eines Scoping-Termins an“, heißt es weiter.

Warten auf „Scoping-Termin“

Bei dem „Scoping Termin“ werde der Untersuchungsumfang detailliert mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt. Nach einer zwischenzeitlichen Gesetzesänderung ist für die Durchführung dieses Termins nun das Fernstraßenbundesamt (FBA) zuständig. Das Regierungspräsidium (RP) habe die Durchführung des Termins über das Landesverkehrsministerium und das Bundesverkehrsministerium beim FBA beantragt. Eine „Rückäußerung“ des FBA liege aber weder dem Regierungspräsidium noch dem Landratsamt aktuell vor, wird im Landratsamt weiter berichtet.

Mögliche Varianten

In seiner Machbarkeitsstudie hat der Landkreis fünf Varianten präsentiert, wie die Verbindung zwischen der Röttinger Höhe und Nördlingen aussehen könnte. Drei Hauptvarianten und zwei ergänzende Unter-Varianten zu den Hauptstrecken. Aktuell stehen drei Varianten im Blick:

Südvariante: Diese Variante über das Härtsfeld sieht die südliche Umfahrung von Aufhausen, Bopfingen, Trochtelfingen und Pflaumloch vor, die an der Röttinger Höhe beginnt, in weitem Bogen Bopfingen umfährt und an der Landesgrenze endet. Sie ist an sieben Stellen mit dem bestehenden Netz verknüpft.

Nordvariante: Diese Trasse beginnt westlich von Aufhausen, verläuft südlich von Kerkingen und umfährt Dirgenheim und Benzenzimmern jeweils nördlich. Sie ist an vier Punkten mit dem Netz verknüpft.

Nullplusvariante: Diese Variante sieht Ortsumfahrungen für Aufhausen, Trochtelfingen und Pflaumloch vor und hat sechs Anschlussstellen an das bestehende Netz. Für Bopfingen ist keine Umfahrung geplant.

Variantenvergleich

Einen Vergleich der drei Varianten hat der Landkreis vor Zeiten präsentiert. Demnach könne die Süd-Variante die höchsten Verkehrsmengen bündeln. Dies gelte speziell auf der alten B 29 in den hoch belasteten Ortsdurchfahrten Aufhausen, Bopfingen, Trochtelfingen und Pflaumloch.

Mit der Nord-Variante ergebe sich ebenfalls deutliche Entlastungen in den Ortsdurchfahrten der B 29 alt. Diese fielen jedoch etwas geringer aus als bei der Süd-Variante.

Bei der Nullplus-Variante würden Trochtelfingen und Pflaumloch ähnlich stark wie mit der Süd-Variante entlastet. Auch Aufhausen profitiere stark. Bopfingen aber drohe eine Zunahme der Verkehrsmengen von rund 1.500 Kfz/Tag.

Alle Trassen werden untersucht

Der Kreistag hat mit klarer Mehrheit eine Südvariante über das Härtsfeld favorisiert. Beim Linienfindungsverfahren werden nun aber dennoch alle möglichen Streckenvarianten detaillierter untersucht. „Grundsätzlich sollen alle Varianten, inklusive einer Nullplus-Variante, die in der Machbarkeitsstudie des Ostalbkreises von 2014/2015 aufgezeigt worden sind, untersucht werden“. So lautet die Antwort aus der Landkreisverwaltung hierzu. Und weiter heißt es: „Bevor einzelne Trassen geprüft werden können, müssen diese straßenbauplanerisch detaillierter ausgearbeitet werden. Der Auftrag dazu ist erteilt, mit den Ingenieurleistungen soll im Herbst begonnen werden.“

Wie lange dies alles noch dauert, sei unklar, meint die Landkreisverwaltung und schreibt: „Angesichts der noch offenen Anfragen ist die Einschätzung einer Zeitschiene derzeit nicht belastbar möglich.“

Das rechtliche Prozedere auf dem Weg zum ersten Spatenstich für eine B29neu

Bopfingen. Aktuell läuft noch das Linienfindungsverfahren. Dies ist eine behördenverbindliche und vorbereitende Grundsatzentscheidung über die Linienführung. Es definiert die ungefähre, aber noch nicht parzellenscharfe Lage der Trasse, die dann Vorrang vor Landes- und Ortsplanungen hat. Die Linienbestimmung kann von Dritten rechtlich nicht angefochten werden.

Die Entscheidung über die Linienführung trifft das Bundesverkehrsministerium auf Basis der ihm vorgelegten Unterlagen. Wesentliche Ergebnisse sind dabei unter anderem: Anfangs- und Endpunkte der Strecke, Trassenverlauf, Straßencharakteristik (Brücken, Dämme oder Tunnel), Verknüpfung mit dem Straßennetz, Lage und Ausgestaltung der Knotenpunkte, Schnittstellen mit ÖPNV, Schiene, P+R-Anlagen, die Lage zu tangierten Ortschaften und schutzbedürftigen Bereiche.

Die Linienbestimmung selbst ist ein formaler Akt, der auf den Ergebnissen des vorgeschalteten Raumordnungsverfahrens fußt und nach der Zustimmung durch die oberste Landesplanungsbehörde (Ministerium für Wirtschaft) erfolgt. Diese bestätigt, dass das Vorhaben den Erfordernissen der Raumordnung und Landesplanung, und mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung, übereinstimmt.

Bei einem „Scoping-Termin“ mit allen Behörden wird vorab geklärt, welche Untersuchungen für das Raumordnungsverfahren auf Basis der Machbarkeitsstudie 2015 nötig sind. Hier wird herausgearbeitet, was noch alles berücksichtigt werden muss.

Im Raumordnungsverfahren werden Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange unterrichtet und angehört. Auch eine Unterrichtung der Öffentlichkeit über die raumordnerische Beurteilung ist vorgesehen. Rechtsmittel Einzelner dagegen sind nicht möglich. Herr des Verfahrens ist das Regierungspräsidium. ⋌mas

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