Vom Stadtkirchen-Turm blasen sie Corona den Marsch

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Martin Tuffentsammer (links) und Michael Nährich: Immer sonntags um 17 Uhr erklimmen sie den Turm der Bopfinger Stadtkirche und spielen Tenorhorn. Für gewöhnlich ist dann auch noch Peter Kleebauer dabei.

Hobbymusiker unterhalten in Bopfingen jeden Sonntag mit Blasmusik aus luftiger Höhe. Wie die Idee entstand.

Bopfingen

Sonntag, kurz vor 17 Uhr, im Turm der Bopfinger Stadtkirche. Auf 30 Metern Höhe spielen sich Martin Tuffentsammer und Michael Nährich mit ihren Tenorhörnern ein. Draußen regnet es ein wenig, das stört die beiden Vollblutmusiker wenig. Punkt 17 Uhr gehen sie auf den Balkon des Turms und beginnen zu spielen.

„Freude, schöner Götterfunken“ ist der traditionelle Anfang des Sets, das sie vom Turm blasen.

Jeden Sonntag um 17 Uhr sind die „Turmbläser“ in Bopfingen zu hören. Begonnen hat alles mit Corona. „Der Blasmusikverband Deutschland hat am 22. März 2020 alle Blasmusiker aufgefordert, auf dem Balkon oder irgendwo draußen zu spielen“, erzählt Michael Nährich. Die Aktion sollte Freude für die Bevölkerung bringen. Viele Blasmusiker machten an diesem Tag mit. Auch Peter Kleebauer, Martin Tuffentsammer und Michael Nährich. Da entstand die Idee, vom Turm aus für die Menschen in Bopfingen zu spielen. So gingen die drei am 29. März des vergangenen Jahres erstmals auf den Kirchturm und spielten. Seither sind sie an jedem Sonntag um 17 Uhr zu hören.

An diesem Sonntag spielen sie noch „Sorgenbrecher“ und „Böhmische Liebe“, bevor sie sich wieder an den Abstieg machen. „Wir dachten, wir gewöhnen uns an die Treppen, doch der Aufstieg strengt immer noch an“, lacht Michael Nährich.

Eine Fangruppe hat sich in dieser Zeit gebildet. Diese steht am Bopfinger Marktplatz, corona-konform, und lauscht den Klängen. „Unser größter Fan ist der Turmfalke“, lacht Martin Tuffentsammer. „Der versucht immer mitzusingen.“

Die Musiker sind aus verschiedenen Musikvereinen. Peter Kleebauer, der an diesem Sonntag nicht dabei ist, und Michael Nährich spielen bei der Stadtkapelle Bopfingen. Martin Tuffentsammer vertritt die Original Egerländer aus Aufhausen. Manchmal bekommen sie auch Zuwachs. Im Sommer kam auch ein Dudelsackspieler mit auf den Balkon. Der Klang ist fantastisch und die Töne breiten sich über die gesamte Stadt aus.

„Wir haben auch schon von einem Zuhörer ein Trinkgeld bekommen“, erzählt Martin Tuffentsammer. Aber in erster Linie geht es den Turmbläsern darum, die Menschen während der schwierigen Corona-Zeit zu unterhalten und ein wenig Freude zu bringen. „Wir wollen auch die traditionelle Blasmusik erhalten“, sagt Tuffentsammer.

So werden sie weiterhin bei Wind und Wetter sonntags dort oben stehen und Musik machen. Apropos Wind: Einmal kam eine Böe und wirbelte die Noten nach unten. „Bis wir unten waren, hatten bereits fleißige Helfer die Blätter eingesammelt und übergaben sie wieder an uns“, erzählt Michael Nährich.

Das ist auch ein Zeichen, dass den Menschen in Bopfingen diese Aktion gefällt.

Unser größter Fan ist der Turmfalke.“

Martin Tuffentsammer, Musiker

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