Von Oberdorf nach Auschwitz

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Der Filmemacher Josef Pröll am Bopfinger Bildungszentrum.

Der Filmemacher Josef Pröll zeigt seinen Dokumentarfilm „Die Stille schreit“. Wie er sich mit Schülerinnen und Schülern gegen das Vergessen austauscht.

Bopfingen

Der Filmemacher Josef Pröll war zu Gast am Bildungszentrum Bopfingen. Anlass seines Besuches: Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit - dieser traurige Jahrestag jährt sich also an diesem Donnerstag.

Weil die Gräueltaten, die im Dritten Reich unter Adolf Hitler verübt wurden, nie vergessen werden sollen, haben es sich die weiterführenden Schulen Bopfingens, die Werkrealschule, die Realschule und das Ostalb-Gymnasium, zur Aufgabe gemacht, dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einen Platz im Schulalltag einzuräumen.

Bewegende Familiengeschichte

In diesem Jahr bot sich zusätzlich die Gelegenheit, den Filmemacher Josef Pröll mit seinem Dokumentarfilm „Die Stille schreit“ an das Bildungszentrum einzuladen. Dieser entstand unter Mitarbeit von Miriam Friedmann und erzählt die Geschichte zweier jüdischer Familien.

Miriam Friedmann ist in den USA geboren und lebt seit 2001 in Augsburg, wo ihre Großeltern angesehene Geschäftsleute waren. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde ihnen alles genommen: Ihre Immobilien und Firmen mussten zwangsverkauft werden; einen Tag vor ihrer Deportation nahmen sich die Großeltern Friedmann das Leben.

Die Großeltern Oberdorfer wurden in Auschwitz ermordet. Die Eltern von Miriam Friedmann jedoch kamen nach einer langen Flucht von Italien, wo sie zeitweise gelebt hatten, nach England und in die USA. Sie bauten sich ein neues Leben auf.

Da die Eltern Miriams die Kinder schonen wollten, erfuhr Miriam Friedmann nicht sofort, welches Schicksal ihre Familie mit sich trug. Erst beim Spielen mit ihrem Bruder fielen ihr Dokumente in die Hände, die schließlich die Vergangenheit ans Licht brachten.

Anschließender Austausch

Der Film zeigt, wie brutal und perfide das Nazi-Regime vorging. Die Schülerinnen und Schüler in der Aula des Bildungszentrums bewegte das sichtlich.

Im Anschluss kam Josef Pröll mit den Zehntklässlerinnen und Zehntklässlern der Realschule ins Gespräch. „Es ist doch völlig egal, welchen Glauben, welche Kultur, welche Hautfarbe man hat. Letztendlich sind wir doch einfach alle Menschen“, meinte eine Schülerin. Ein Fazit, das zeigt, dass es Josef Pröll mit seinem Film gelang, an einen Samen auszustreuen, aus dem Wurzeln ausschlagen könnten. Wurzeln des Respekts und des Zusammenhalts, für den Frieden.

Die jungen Menschen, die in Gegenwart und Zukunft die Gesellschaft mitgestalten und prägen, haben meist keine persönlichen Berührungspunkte mit dem, was vor über 77 Jahren in Deutschland geschah. „Und das ist auch gut so. Kein Mensch soll die Ängste, Bedrohungen, Qualen und Erniedrigungen ertragen müssen, die so viele Menschen, die nicht in Hitlers Schema passten, Andersdenkende, Menschen mit Behinderung, Juden, Sinti und Roma ertragen mussten“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Realschule Bopfingen. Durch das Gedenken an die Vergangenheit sollen die Jungen und Mädchen erkennen, dass kaum etwas wichtiger ist als Frieden, Einheit und Toleranz.

Gedenken an Oberdorfer Juden

Bevor an diesem Donnerstag eine Gedenkstunde mit den Schulklassen abgehalten wird, besuchen die älteren Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums die Synagoge Oberdorf, um mehr über die Geschichte der Oberdorfer Juden zu erfahren.

Emma und Eugen Oberdorfer vor ihrer Deportation. Aus dem Dokumentarfilm von Josef Pröll.

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