Was Genesene beachten sollten

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Die Hilfsorganisation lädt am Samstag, 11. Dezember, ab 6 Uhr morgens in die Stadthalle Aalen. Impfwillige können einfach vorbeikommen oder sich vorher anmelden.
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Genesen und kein Zertifikat: So steht es um die Impfung und Antikörper.

Bopfingen. Unser Bericht „3G: genesen, gefrustet, gelackmeiert“ über unseren freien Mitarbeiter Michael Scheidle sorgte für viele Nachfragen in unserer Leserschaft. Scheidle hat sich nun schlaugemacht beim ehemaligen Schulleiter des Kreisberufschulzentrums und Apotheker Peter Lehle aus Ellwangen.

Lehle beont, dass bei einer Impfung keine Antikörper gespritzt werden, sondern ein „Bauplan“ für einige Eiweiße, die auch auf der Oberfläche der SARS-CoV 2-Erreger zu finden sind. Der Körper könne so Antikörper gegen diese Eiweiße bilden – und sobald bei einer Infektion die entsprechenden Viren eindringen, würden sie dort angegriffen und unschädlich gemacht.

Zwar lasse sich noch keine Grenze für die Anzahl von Antikörpern definieren, die notwendig ist, um eine Infektion mit Covid-19 sicher abzuwehren. Nun habe AstraZeneca aber für den eigenen Impfstoff inzwischen Testergebnisse vorgelegt, die besagen, dass 264 BAU/ml Minimum nötig sind (BAU = binding antibody unit; wie viele Einheiten an das Corona-Spike bindende Antikörper in einem Milliliter Blut). Dies war auf die erste Variante des Corona-Virus berechnet. Für die Delta-Variante benötigt man circa 1,5-mal mehr und für die neue Omikron-Variante vermutlich wenigstens weitere 2,5-mal, im Raum stehen derzeit bis das 40-fache mehr an Antikörper. So ergibt sich eine BAU/ml zwischen 990 und von bis zu 10.000.

Wer nur über dem unteren Wert liegt, sollte ebenfalls an eine Impfung denken, so Lehle.

Der menschliche Körper erzeuge bei der Impfung nicht nur einen Antikörper, sondern ein ganzes Potpourri. Kämen dann andere Mutanten des Virus, dann würden viele Antikörper auch da noch wirken. Lasse man sich nach einer gewissen Zeit - vier Monate scheinen da inzwischen als Wartezeit zu genügen - als Genesener oder Geimpfter impfen („Boostern“), so nehme die Antikörperbildung noch einmal richtig an Fahrt auf, der BAU-Wert im Blut werde um ein Mehrfaches höher, erklärt Lehle.

Wer, wie Scheidle, im Dezember 2020 die Krankheit hatte, ist zunächst mit Antikörpern ausgerüstet, zunächst nur, weil auch bei Infizierten die Antikörpermenge mit der Zeit abnehme (allerdings nicht bei jedem gleich stark) und weil er wahrscheinlich einen guten Antikörpermix für diese erste Virus-Version, aber nicht mehr unbedingt für neuere Mutanten hat.

So laufen Antikörpertests

„Es gibt unterschiedliche Verfahren, um die Antikörper zu bestimmen. Daher können einzelne Testergebnisse nur schwer verglichen werden,“ erklärt Peter Lehle. Diese Tests würden natürlich auch immer weiter verbessert. Wichtig sei, dass der Test Antikörper gegen Teile des „Spike-Proteins“ nachweist. Dieses Protein ist ein Eiweiß auf der Außenhülle des Virus. Die Antikörper sind eine sehr wirksame Immunantwort bei Kontakt mit dem Virus.

Bei Surrogat-Neutralisationstests zur BAU-Bestimmung werde das Blutserum des Patienten im Labor mit einem ungefährlichen Pseudovirus in Kontakt gebracht. Dabei werde die Reaktion des Blutserums auf den Pseudovirus beobachtet. So könne geprüft werden, ob die vorhandenen Antikörper tatsächlich gegen das SARS-CoV-2 wirksam und wie viele davon vorhanden sind – der BAU-Wert.

Vorsicht bleibt geboten

Selbst, wenn, wie in Scheidles Fall, dies alles zutrifft, ist natürlich weiterhin Vorsicht geboten. Denn es kann ein verändertes Corona-Virus in den Körper kommen, vermehrt und weitergegeben werden. Der Verlauf sei dann beim Genesenen wie beim Geimpften meistens nicht stark, jedoch könne dadurch jemand angesteckt werden, der keinen milden Verlauf hat, was bei Nicht-Geimpften oft der Fall sei.

Da der Anteil der Antikörper mit der Zeit absinkt, sei es ratsam, sich impfen zu lassen, um dem Körper einen neuen Impuls zu geben, um die nötigen Antikörper wieder verstärkt aufzubauen. Und wenn im Frühjahr vielleicht ein ergänzter Impfstoff bereitsteht, der auch sehr gut gegen Omikron wirkt, dann bringe dieser „neue Bauplan“ für spezifisch wirkende Antikörper erst recht einen zusätzlichen Vorteil für so Geboosterte.

In Scheidles Falle sind die Behörden gefordert, Menschen wie ihn, mit einer im Test nachgewiesenen sehr hohen Antikörperzahl die Bescheinigung als Genesener zu verlängern. Da noch unklar ist, wie schnell und wann beim Einzelnen der als BAU/ml gemessene Antikörper-Titer abfällt, ist eine (Nach-)Impfung nach vier, spätestens sechs Monaten die sichere Variante – egal, ob geimpft oder genesen.

„Spätestens wenn meine Antikörperanzahl auf einen zu niedrigen Wert fällt, steht natürlich eine Impfung an“ betont Michael Scheidle. Das kann schon bald der Fall sein.

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