Wort zum Sonntag

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Steffen Schmid, evangelischer Pfarrer in Bopfingen

Der Stollen und das Jesuskind

Bopfingen. Keine andere Zeit im Jahr ist so mit Gerüchen und Düften verbunden wie der Advent. Auf den Weihnachtsmärkten riecht es nach einer Mischung aus gebrannten Mandeln, Glühwein und Bratwurst. In normalen Jahren zumindest – wenn keine Corona-Pandemie regiert. Zuhause riecht es nach Plätzchen, frisch geschnittenen Tannenzweigen und Kaminfeuer. Der Advent – das ist eine Geruchs- und Geschmacksexplosion. Eine besondere Zeit, die mit besonderen Bräuchen verbunden ist.Einer dieser Bräuche sind die Christstollen. In den Bäckereien gibt es sie jetzt wieder zu kaufen. Die äußere Erscheinung dieses Gebäcks ist eher schlicht gehalten. Es kommt ohne bunte Verzierungen aus. Der Stollen ist allein mit viel Puderzucker überstreut. Wussten Sie dabei schon, dass der weiße Puderzucker an die Windel Jesu erinnern soll? „Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ (Lukas 2,12) Der mit Puderzucker überzogene Stollen erinnert an das unscheinbare Kind in der Krippe, dass in weiße Windeln gewickelt war. Von außen also eher unscheinbar, so offenbart sich beim Stollen doch beim Aufschneiden sein ganzer Reichtum: Gewürze, Rosinen, Zitronat, Mandeln. Manchmal auch Marzipan und vieles mehr. Man könnte also sagen: Auf das Innere kommt es an. Da zeigt sich, was oder wer man wirklich ist. Dieser Reichtum, der sich im Inneren versteckt, kann wiederum auf das Jesuskind gedeutet werden. Dem Kind, in Windeln gewickelt, ist von außen auch erst einmal nicht anzusehen, wer oder was es ist. Was es so besonders macht. Es ist sein Inneres, sein Wesen, das es auszeichnet. Mit ihm kommt Gott zu uns Menschen. Gott selbst wird Mensch. Er kommt uns allen nahe. Von außen lässt sich das auf den ersten Blick nicht erkennen. Der Christstollen weist uns aber darauf hin: Man muss genauer hinschauen. Man muss das Innere wahrnehmen. Wie beim Stollen, so auch beim Jesuskind. Im Inneren wartet das Besondere. In diesem Sinne: Frohen Advent!

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