Zunft-Stempel erinnert an die Gerber

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Der Zunft-Stempel
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Viele Gerber gab es einst in Bopfingen ein Stempel erinnert an die Tradition.

Bopfingen. Die Stadtverwaltung konnte einen Zunft-Stempel der Rotgerber erwerben. Dieser Handstempel aus Messing zeigt das Zunftzeichen dieses Handwerks. Dieses zeigt sich überlagernden Schabeisen, die von zwei stehenden Löwen flankiert werden. Die Inschrift, die teilweise aus Abkürzungen besteht, bedeutet: „Siegel des ehrsamen Handwerks der Rotgerber in der Stadt Bopfingen“.

Woher kommt der Stempel? Stadtarchivarin Johanna Fuchs wurde von dem ehemaligen Lauchheimer Bürgermeister Werner Kowarsch auf die Online-Auktion eines Auktionshauses aufmerksam gemacht. Woher der Stempel stammt, ist unbekannt. „Wahrscheinlich aus einer privaten Sammlung“, vermutet Johanna Fuchs.

Stundenlang saß sie vor dem Rechner und wartet, bis das Los mit dem Stempel aufgerufen wurde. Dann begann sie mitzubieten und es gelang der Stadtarchivarin, den Stempel zu erwerben. Der Stempel wurde auf seinen ordnungsgemäßen Zustand untersucht und auf das 18. Jahrhundert datiert. Der Handstempel ist aus Messing gefertigt und wurde von Hand beschriftet. Die Schabeisen zeigen das Handwerkzeug der Gerber und die Löwen Verkörpern die Stärke der Zunft.

Wer sind die Rotgerber? Die Rotgerber waren im Mittelalter in ganz Europa vertreten, waren jedoch in städtischen Zünften vereint. Die Lohgerberei war eine spezielle Form der Gerberei. Vor allem für Sättel oder Schuhe wurde das Leder der Rotgerber verwendet. Lohgerber arbeiteten hauptsächlich mit Rinds- und Kalbshäuten. Sie stellten das eher grobe Leder her. Die Häute wurden dazu teilweise über Jahre in großen Fässern gegerbt.

Gerber in Bopfingen: Noch heute gibt es in Bopfingen eine Gerbergasse, in der sich diese Zunft sammelte. Es wird vermutet, dass sich unter der Asphaltdecke einige dieser Fässer befinden. In Bopfingen hatte das Gerberhandwerk eine lange Tradition. Im Gegensatz zum Weißgerber war das Leder der Rotgerber widerstandsfähiger. Der Begriff Rotgerber ist zurückzuführen auf die Farbe des Leders, das mit der Rinde von Eichen gegerbt wurde.

Ab 1820 erlebte Bopfingen die Industrialisierung auch bei den Gerbern. Die Gerberei Moellen & Co. wurde gegründet. Später übernahm die Firma Hieber die Gerberhäuser. Heute ist dort der Galaterweg.

Für was wurde der Stempel benutzt? Mit dem Zunftstempel wurden Briefe und Aufträge versiegelt. Bopfingens Archivarin Johanna Fuchs ist überzeugt, dass es sich dabei um einen Wachsstempel handelt.

Michael Scheidle

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