70 000 Euro für Schlossbrücke

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Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert mit "Lotto-Geld" die Sanierung des Stolch'schen Schlosses in Trochtelfingen.

Bopfingen-Trochtelfingen

Kinder haben Träume – so wie Friedbert Vogelgsang. Immer wenn der Nördlinger in jungen Jahren bei seiner Oma in Trochtelfingen weilte, träumte er davon, einst im Stolch'schen Schloss zu wohnen. Inzwischen ist der Erlanger Architekt seinem Traum einen großen Schritt näher: Er hat die marode Anlage gekauft und restauriert diese.

Vogelgsang sprüht vor Tatendrang. Seit 2017 ist er "Schlossherr", inzwischen sind die Räume leer geräumt, wo nötig wurde das Gemäuer mit neuen Stützbalken unterfangen. Historiker waren zu Werke, das Landesdenkmalamt ist involviert. "Ein Statiker errechnet, was weiter nötig ist", sagt Vogelgsang. Stahlträger einziehen, das will er nicht. "Ich will alles in den ursprünglichen Zustand bringen." Schwierig, denn hier ist viel mehr Ruine als Schloss sichtbar.

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Schloss Ende des 14. Jahrhunderts. Es gebe aber Zeichen, die auf einen Vorgängerbau hindeuten, der bis in römische Zeit reicht. Um das Jahr 1553 erhielt die Anlage ihre heutige Gestalt: Palas, Nebenhaus, eine hohe Ringmauer und ein Torhaus zählen dazu. Die Wassergräben sind nur noch zu erahnen. "Das wurde Ackerland", sagt Vogelgsang.

Ab 1640 sei das Schloss von der Familie Stolch übernommen worden. Als ihr Lehen hätten die Oettinger in der Fluchtburg vor Strauchdieben Schutz gefunden, erklärt Vogelgsang. Das Anwesen sei stets landwirtschaftlich genutzt worden, der Herr der Felder habe das Schloss bewohnt. 1950 habe es den letzten Umbau gegeben und seit 1970 sei das Gemäuer unbewohnt, weiß er. Entsprechend massiv sind die Schäden. Feuchtigkeit in Fachwerk- und Dachkonstruktion, statische Schäden in Dach und Decken, Teileinstürze – Vogelgsang hat viele Baustellen. "Das wird schon. Stück für Stück", ist er aber zuversichtlich.

Unterstützung erfährt er nun von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Er erhält einen Fördervertrag über 70 000 Euro. Viel Geld, sicher, aber längst nicht genug für alles. Mit der Summe soll die Eingangsbrücke ertüchtigt werden. Den Fördervertrag brachte Kuratorin Gisela Lasartzyk von der Stiftung am Dienstag persönlich vorbei. Und auch Lotto-Baden-Württemberg ist im Boot: "Die 70 000 Euro stammen aus der Glücks-Spirale. Geld aus dieser Quelle macht es der Stiftung Denkmalschutz möglich, wertvolle Kulturdenkmale zu erhalten", erklärt Lotto-Regionaldirektor Frank Ackermann. "Wir helfen hier in Trochtelfingen mit, eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft zu schlagen", freuen sich Lasartzyk und Ackermann.

Vergangenes sicht- und erlebbar machen, das will auch Friedbert Vogelgsang. "Ich ziehe nicht hier ein", lacht er. "Ich will, dass diese Anlage zugänglich wird für die Allgemeinheit. Ein Ort für Kunst und Kultur für die gesamte Region soll entstehen", hofft er und auch auf weitere Unterstützer und Förderer.

Tag des Denkmals Am Sonntag, 9. September, werden um 12, 14, 15 und 16 Uhr Führungen angeboten. Geöffnet ist das Schloss von 11.30 bis 17 Uhr. Eine Übersicht über geöffnete Denkmale an diesem Tag finden Sie auf Seite 24.

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