Messerscharf bis ins Schwabenalter

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Die Holzsäger Gruppe.
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Holzsägen als Freizeitsport. Zelebriert wird dies bei der Holzsägergruppe in Trochtelfingen. Bei der Feier zum 40. Geburtstag blickte Vorsitzender Karl-Heinz Böhm auf die Anfänge des Vereins.

Bopfingen-Trochtelfingen

Holzsägen ist schweißtreibend – und sogar ein Sport. Zumindest in Trochtelfingen. Dort gibt es die rührige Holzsäger-Gruppe. Wettkampfmäßig gesägt wird dort bereits seit den 1970er Jahren, als Verein haben sich die Trochtelfinger dann aber erst 1981 offiziell gegründet. Den längst überfälligen Eintritt ins Schwabenalter hat die Holzsägergruppe Trochtelfingen wegen Corona nun nachträglich groß gefeiert - mit dem traditionellen Vatertags-Wettsägen, an dem 18 Teams teilnahmen, und später dann mit einem Unterhaltungsabend mit dem Comedy-Duo „Hillus Herzdropfa“.

Grußworte an diesem Festabend sprachen der Erste Beigeordnete der Stadt Andreas Rief, Ortsvorsteher Johan Schüle und Karl-Heinz Mailänder von den Sägern aus Alerheim, für die die Trochtelfinger seit Jahren die Patenschaft übernommen haben.

Eine spaßige Laudatio

Die Laudatio hielt der Vorsitzende Karl-Heinz Böhm. Für seinen sehr spaßigen Vortrag, in dem er die Trochtelfinger dank ihrer überragenden Sägekünste augenzwinkernd in den Rang einer Hochkultur neben Römern, Inka oder Ägyptern hob, ernte Böhm viel Applaus.

Besonders freute sich Böhm, aber dass er am Abend, bevor „Hillus Herzdropfa“ für fröhliche Unterhaltung sorgten, viele Mitglieder, teils der ersten Stunde, ehren konnte. Es waren dies Karl Sohnle, Michael Schmidt, Friedrich Schnell, Fritz Schnell, Fritz Rauter, Joachim Schüle, Dieter Buser, Karl Schüle, Hans Georg Hauk, Ernst Stelzenmöller und Mina Schabert.

Böhm dankte allen, die mithelfen, dass der Verein am Leben bleibt, denn Wettsägen sind selten geworden. Böhm erinnerte auch an seine Amtsvorgänger Michael Schmid (1989 – 1994), Paul Schnell (1994 – 2003) und Günther Ruopp (2003 – 2014) und lobte deren Wirken. Seit 2015 führen er und Stellvertreterin Cornelia Melber den Verein.

Böhm erinnerte auch an die Entstehung des Vereins: Handzettel, die beim Fest zum 50. Geburtstag des TSV Trochtelfingen im Jahre 1981 im Festzelt ausgelegt waren, warben für einen großen Holzsägewettbewerb in Utzmemmingen. „Da sind wir dabei. Was Utzmemmingen kann, können wir auch“, beschrieb Böhm die Stimmung in dem Moment, der zur eigentlichen Geburtsstunde der Holzsägergruppe wurde. Gesagt, getan. Doch die Trochtelfinger mussten Lehrgeld zahlen. „Es folgten Jahre der Erkenntnis, dass ohne Fleiß kein Preis zu gewinnen ist. Wir übten fleißig und suchten nach besseren Sägen, was dann auch zu guten Platzierungen führte“, berichtete Böhm.

Vereinsheiligtum Hobelzahnsäge

Stichwort gute Sägen. Vereinsheiligtum ist bis heute die alte Hobelzahnwaldsäge. Ein Sammlerstück, denn gefertigt werden solche längst nicht mehr. Einst waren diese Sägen das tägliche Werkzeug für Waldarbeiter. Nach dem Krieg aber landeten die meisten aber im Schrott.

Die Besonderheit des Prachtstücks: Damit eine Säge nicht im Schnitt festklemmt, sondern sich Zug für Zug freischneidet, muss der Sägeschnitt breiter sein als das Blatt. Die Sägezähne werden hierzu auf einem Drittel bis zur Hälfte ihrer Höhe abwechselnd nach links und rechts gebogen, gegeneinander verschränkt, wie der Fachmann sagt. Und der Überstand muss auf beiden Seiten gleich sein, sonst trägt die Säge ungleich ab. All dies erfüllt die Trochtelfinger Wettkampfsäge.

Blütezeit in den 90er Jahren

Böhm erinnerte an die Blütezeit des Vereins. Viele Jahre haben die Trochtelfinger Holzsäger ihrem Freizeitspaß gefrönt, ohne Vereinsstatus. Nötig war der nicht, weil es in diesem Sport keinen Verband gab.

Vor allem in Bayern gab es viele Holzsägerclubs, in fast jedem Ries-Dorf wurde sportlich gesägt. „60 Herrenmannschaften und 20 Damen-Teams bei einem Wettbewerb waren keine Seltenheit“, erinnerte Böhm. „Wir Säger kannten uns persönlich. Vor dem Wettkampf warfen wir uns oft giftige Blicke zu, danach beruhigten wir uns alle miteinander in der Bar bei Baldrian-Cola oder wir feierten in der Kaffee-Bar mit Mohnkuchen“, blickte er zurück.

Haufenweise Wettkämpfe in Bayern gab es, nur sehr wenige in Württemberg, wo das Holzsägen nie so recht Fuß fassen konnte, wie Böhm bemerkte. Zahlreiche eigene Wettbewerbe und Gastspiele bei großen Festen, wie der Ipfmess im Zelt oder im Umland bis Ellwangen, beispielsweise beim Maibaumwettbewerb, absolvierten die Trochtelfinger dennoch in den 1990er Jahren, den Glanzzeiten, als der Verein über 90 Mitglieder zählte. Heute sind es stolze 98 Mitglieder. Und Tradition hat das eigene Holzsägerfest am Vatertag.

Geselligkeit, neben dem Sägen

Trainiert wurde fleißig, doch neben dem Holzsägen stand seit je her die Geselligkeit ebenso im Mittelpunkt. In einer Whatsapp-Gruppe hält man sich heute auf dem Laufenden. Und alle zwei Jahre am Vatertag gibt's das Holzsägerfest mit Wettsägen in Trochtelfingen.

Ausflüge, Faschingsfeiern, Grillfeste, die Waldweihnacht oder die Pilzsuche im Herbst gehören zu den Vereinsaktivitäten. Und weil die Holzsäger ein Herz für jene haben, denen es nicht so gut geht, überweist der Verein immer wieder beachtliche Spenden an verschiedene Organisationen.

Viele Gründungsmitglieder hat der Vorsitzende der Trochtelfinger Holzsägergruppe Karl-Heinz Böhm (links) geehrt. Fotos: privat
„Hillus Herzdropfa“ hatten die Lacher auf ihrer Seite.

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