Trochtelfingen im Mittelpunkt der Welt

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Robert Jakob, Präsident des Landesamtes für Geoinformationen, seine Kollegin Jenny Uskow und Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler an der Messstelle bei Trochtelfingen.
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Derzeit wird die Erde neu vermessen. Was der Punkt 2960 in Trochtelfingen damit zu tun hat. Und warum diese Messungen wichtig sind.

Trochtelfingen

Wer in den nächsten Tagen von Trochtelfingen nach Heerhof fährt, wird sich wundern. Am Straßenrand sieht es aus, als sei ein kleines UFO mit langen Füßen gelandet. Aber der goldfarbene, runde Gegenstand mit der kleinen weißen Kuppel ist nichts Außerirdisches. Die dort aufgebaute GNSS-Antenne (Global Navigation Satellite System) hilft, die Erde zu vermessen.

Dies ist ein Teil einer außergewöhnlichen Aktion des amtlichen deutschen Vermessungswesens. Millimeter genau werden die vermessungstechnischen Grundlagen überprüft. An insgesamt 250 Vermessungspunkten, sogenannten Geodätischen Grundnetzpunkte, wird mit Hilfe von Satelliten die Koordinaten ermittelt.

Bereits 2008 wurde dazu ein Punkt in Trochtelfingen eingerichtet. Der Punkt 2960 soll helfen, Bewegungen der Erdoberfläche zu ermitteln. Diese Erkenntnisse dienen dazu, topographische Karten zu erstellen, die wichtig sind, um Grundstücke genau zu ermitteln. Sie fließen ebenso in Navigationssysteme ein, die dadurch neu kalibriert werden können und nicht zuletzt wird auf die Daten beim autonomen Fahren zurückgegriffen. Vertikale und horizontale Bewegungen der vergangenen zwölf Jahre werden durch dieses Projekt ermittelt.

Jenny Uskow vom Landesamt für Geoinformationen und Landentwicklung erklärte dazu, dass 80 Prozent aller Entscheidungen einen Raumbezug haben. Deshalb seien diese Messungen wichtig.

Angela Uhl, die für die technischen und organisatorischen Abläufe zuständig ist, erklärte den Ablauf dieser Messung: In einem Schacht am Straßenrand befinden sich zwei Markierungen. Diese werden von dem vierköpfigen Messtrupp jeweils 24 Stunden beobachtet und die Daten mit insgesamt 27 Satelliten abgeglichen. Dies erfolgt dreimal an zehn Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Alle sechs Stunden muss die Kalibrierung der Antenne mit den Markierungen überprüft werden. Es finden mehrere Messungen zeitgleich statt.

In Baden-Württemberg gibt es 22 dieser GGPs, die im Abstand von 60 Kilometer auseinander liegen.

Bei der Vorstellung des Projektes mit dem Präsidenten des LGL, Robert Jakob, erinnerte dieser an die 200-jährige Geschichte der Vermessung in Baden-Württemberg. „Unser Arbeitsplatz ist die Erde“, erklärte er.

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler, selbst Geograf, freute sich: „So steht Bopfingen im Mittelpunkt der Welt“, sagte er und berichtete vom Vermessungskampf um den Ipf zwischen Bopfingen und Oberdorf. Zu dem es bald auch ein Buch geben wird.

So steht Bopfingen im Mittelpunkt der Welt.“

Dr. Gunter Bühler, Bürgermeister

Wie lange die Messungen dauern

Die Messungen finden in der Zeit vom 7. Juni bis 14. Juli statt. Insgesamt sind 35 hochmodern ausgerüstete Vermessungsteams in Deutschland dazu unterwegs. Mehr über die Messungen und die Möglichkeit als Techniker oder Ingenieur dabei zu sein unter: www.lgl-bw.de.

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