Kommentar: Martin Simon sieht mehr Verantwortliche als einen.

Wegsehen schützt Täter

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Martin Simon

Ein kleines Kind ist tot. Entsetzlich. Nick wurde zu Tode gequält. Keine Strafe der Welt macht ihn wieder lebendig. Auch kein lebenslänglich. 14 Jahre Haftstrafe hat die Schwurgerichtskammer verhängt - ein Jahr weniger, als maximal möglich. Trotzdem, 14 Jahre im Gefängnis, wo Häftlinge, die Kinder gequält haben, ganz unten in der Hierarchie stehen, sind eine lange Zeit.

Mord oder Totschlag in besonders schwerem Fall ließen sich eben nicht nachweisen. Und auch wenn die innere Wut, angesichts der grausamen Tat, nach 'lebenslänglich' schreit, es ist gut, dass die Justiz nicht emotional, sondern entlang eines klar definierten Regelwerks agiert und urteilt. Das müssen wir aushalten. Anderenfalls herrscht Willkür. Entscheidend ist, dass Nicks Martyrium nicht als Körperverletzung mit entsprechend geringem Strafmaß bewertet wurde.

Der tödliche Stampftritt war der finale Gipfel im Leiden des wehrlosen Kindes. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, daran tragen viele Verantwortung. Der Verurteilte zuvorderst. Doch die Mutter, das Jugendamt, das Umfeld der Familie – sie alle sahen nichts, wollten vielleicht nichts sehen, taten nichts. Mit fatalen Folgen. Mit plumpen Ausreden kam der Täter zu lange durch.

Daher, schauen wir hin! Ganz genau! Trauen wir uns, nachzufragen, auch einzuschreiten. Wegsehen kann tödlich enden. Das schulden wir Nick und allen misshandelten Kindern.

Das Urteil: 14 Jahre Haft für Nicks Peiniger

Martin Simon

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