36-jähriger Gmünder: Eine Gefahr für die Allgemeinheit

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Der 36-jährige Landwirt aus Schwäbisch Gmünd, der sich in dieser Woche vor dem Landgericht Ellwangen unter anderem wegen des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte verantworten musste, wird bis auf Weiteres in der Klinik für forensische Psychiatrie in Bad Schussenried. Das Gericht schätzte den Mann in seinem momentanen Zustand als eine Gefahr für die Allgemeinheit ein.
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Nach Angriff auf Nachbarn und Polizei - 36-Jähriger muss in der geschlossenen Psychiatrie bleiben.

Ellwangen. Der 36-jährige Landwirt aus Schwäbisch Gmünd, der sich vor dem Landgericht Ellwangen unter anderem wegen des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte verantworten musste, bleibt bis auf Weiteres in der Klinik für forensische Psychiatrie in Bad Schussenried. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jochen Fleischer folgte damit der Empfehlung der psychiatrischen Sachverständigen.

Die Fachärztin aus Winnenden, Heidi Gromann, hatte dem Gericht am Mittwoch ihr Gutachten vorgelegt. Darin zeigte sich Gromann überzeugt, dass von dem Angeklagten, der unter einer schubweise auftretenden paranoiden Schizophrenie leidet, derzeit noch  immer eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe. Die Wahrscheinlichkeit für Wiederholungstaten sei aktuell hoch.

Der 36-Jährige hatte im Mai 2021 zunächst einen Nachbarn mit einem Hammer bedroht und sich danach einen heftigen Kampf mit der zu Hilfe gerufenen Polizei geliefert. Die Ärztin stellte hierzu fest, dass der 36-Jährige diese Taten in einem Zustand der Schuldunfähigkeit begangen habe. Er sei „schwer krank“ und habe an diesem Tag - getrieben von Halluzinationen - aus einer „akuten psychotischen Notlage“ heraus gehandelt. Den Nachbarn habe er ganz offenbar jenen bösen Mächten zugeordnet, die ihn seit Monaten mit Stimmen aus der Dusche, dem Abfluss oder der Wand verfolgten; und die angerückte Polizei sei ihm vermutlich wie ein „Rollkommando“ vorgekommen, gegen das er sich bis zum Schluss verteidigen musste. „Er war - aus seiner Sicht - in dieser Situation der Gute, der um sein Leben kämpfen musste.“

Gromann betonte, dass sie vor der Hauptverhandlung davor ausgegangen war, dass man 36-Jährigen  von der geschlossenen Psychiatrie in eine betreute, offene Wohngruppe verlegen könnte,  vorausgesetzt, er wird weiter fachärztlich betreut. Von dieser Einschätzung rückte sie jetzt ab. Denn: Der 36-Jährige habe im Verfahren keine Krankheitseinsicht gezeigt und sei offenkundig auch noch nicht symptomfrei. So könne er sich derzeit auch noch nicht selbst gegenüber eingestehen, in welchem desolaten Zustand er sich im Mai 2021 befunden hatte. Dieser Zustand sei durch ein beginnendes Nierenversagen noch verschlimmert worden, was der 36-Jährige selbst  ausgelöst hatte, weil er - vermutlich über einen langen Zeitraum - seinen eigenen Urin getrunken hatte. Auch seinen Kot hatte er gesammelt und gegessen. „Es ist für Patienten ein ganz schwieriger, fast schon traumatischer Schritt, sich darüber klar zu werden, was da eigentlich mit einem passiert ist.“ Die Sachverständige führte auch aus, dass der 36-Jährige unter ärztlicher Aufsicht und Medikation sein Leben durchaus in den Griff bekommen könne. Das habe die Vergangenheit gezeigt. Nach einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags im Jahr 2011 - eine Tat, die ebenfalls im Wahn passiert war - musste der Gmünder vier Jahre lang in den Maßregelvollzug. Danach folgte unter Bewährung und engmaschiger Betreuung eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Landwirt. Bis 2019 sei alles gut gelaufen. Bis der 36-Jährige auf eigene Faust und gegen ärztlichen Rat seine Medikamente absetze. Es kam ein neuer Schub, der Job ging verloren. „Das Ganze war ab da nicht mehr zu halten“, so die Ärztin.

Da der 36-Jährige kein enges familiäres Netz habe, dass ihn auffängt und kontrolliert, empfahl die Expertin eine weitere stationäre Unterbringung in Bad Schussenried. Dem schloss sich im Plädoyer dann auch die Staatsanwältin an, während der 36-Jährige dem Gericht versicherte, dass er sehr wohl eine Krankheitseinsicht habe und offen für eine Medikation sei. „Ich habe den Willen, stabil zu bleiben“, sagte der Angeklagte sichtlich verzweifelt.  Das unterstrich danach auch der Verteidiger, der auf die insgesamt „positive Entwicklung“ seines Mandanten verwies. „Einen Zustand der vollkommenen Genesung“ zum Tag der Hauptverhandlung hätte niemand ernsthaft erwarten dürfen, befand der Anwalt. 

Das Gericht schloss sich am Ende der Gutachterin und der Staatsanwältin an. Vom Angeklagten gehe eine Gefahr aus. Zumindest im Moment lägen nicht die Voraussetzungen vor, um die Unterbringung in einer Klinik zur Bewährung auszusetzen. 

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