800 Euro Strafe für gefälschte Impfunfähigkeitsbescheinigungen

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Eine Mutter aus Ellwangen wollte ihre Kinder nicht gegen Masern impfen lassen - jetzt wird's teuer

Ellwangen. Eine 35-jährige Mutter aus Ellwangen wurde jetzt wegen der Anstiftung zur Ausstellung von unrichtigen Gesundheitszeugnissen zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt. Die Frau, die wegen einer Corona-Erkrankung, am Dienstag nicht persönlich vor dem Amtsgericht erscheinen konnte und sich durch ihren Verteidiger Felix Vögele vertreten ließ, hatte sich bei dem umstrittenen Kinderarzt Dr. Wolfgang Scheel aus Steinheim an der Murr gefälschte Impfunfähigkeitsbescheinigungen besorgt. 50 Euro zahlte die Frau vor zwei Jahren an den Mediziner. Der attestierte dafür im Gegenzug, dass die fünf Kinder der Angeklagten im Alter zwischen vier und elf Jahren keine Masernimpfung vertragen - ohne die Kinder aus Ellwangen jemals gesehen, geschweige denn untersucht zu haben. Der impfkritische Scheel soll in der Vergangenheit öfter so vorgegangen sein. Gegen den Alternativmediziner, der auf homöopathische Methoden schwört und seinen Patienten „Lichtnahrung“ empfiehlt, ermittelt deshalb auch die Staatsanwaltschaft Heilbronn. In dem Verfahren vor dem Ellwanger Amtsgericht ging es indes nur um die gefälschten Bescheinigungen für die fünf Kinder aus Ellwangen. Die Tat räumte die Frau über ihren Anwalt vollumfänglich ein. Nicht einverstanden zeigte sich die Frau allerdings mit der verhängten Strafe der Staatsanwaltschaft. Die wollte in einem ersten Strafbefehl 2400 Euro von ihr haben. 

Diese Summe wurde in der Verhandlung am Dienstag deutlich reduziert. Wie Anwalt Vögele ausführte, habe seine Mandantin vor zwei Jahren aus einer „Notsituation“ heraus gehandelt. Eines der Kinder habe seinerzeit auf die empfohlene Fünffach-Impfung mutmaßlich Diabetes bekommen. Danach sei die Mutter in Bezug auf Impfungen „vorsichtig“ geworden. Eine große kriminelle Energie sei bei seiner bis dato nicht vorbestraften Mandantin aber nicht zu erkennen. Da die alleinerziehende Frau nur über ein kleines Einkommen verfügt, bat er um eine Reduzierung der Geldstrafe auf maximal 600 Euro. Die Staatsanwaltschaft plädierte für 1200 Euro. Richter Norbert Strecker entschied am Ende salomonisch und verhängte eine Strafe von 800 Euro.rim

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