Abschied vom Schuhhaus Neubert

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Elisabeth Neubert mit ihren Mitarbeiterinnen Renate Schneider (l.), die seit 33 Jahren angestellt war, und Tuqba Acar, die zwei Jahre bei Neubert arbeitete. Sie müssen sich eine neue Aufgabe suchen, ebenso wie Daniela Schips, die 33 Jahre beim Schuhhaus Neubert war.
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Vinzenz und Elisabeth Neubert haben für das Schuhgeschäft keine Nachfolger gefunden. Jetzt wird es geschlossen. Der Abverkauf läuft im ehemaligen Sport Schwab im Industriegebiet.

Ellwangen. Jetzt hat sie endlich die Fläche zur Verfügung, die sie schon immer gerne gehabt hätte: auf 400 Quadratmeter Ladenfläche hat Elisabeth Neubert im ehemaligen Sport Schwab im Industriegebiet Neunheim die gesamte Ware ihres Schuhgeschäfts ausgebreitet. Das Schuhhaus Neubert in der Marienstraße hatte gerade mal 80 Quadratmeter zum Verkauf. „Aber Lager vom Keller bis unters Dach“, sagt die Geschäftsführerin, die jetzt mit 72 Jahren das Geschäft ihres Mannes zu Ende bringt.

Sie hatten sich die Arbeit klar aufgeteilt: Vinzenz war für das Schuhgeschäft zuständig, das er 1979 vom Vater übernommen hat, sie arbeitete als Lehrerin   in der Eugen-Bolz-Realschule. Das klappte lange Zeit sehr gut, doch die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gestaltete sich schwierig.

Vinzenz Neubert, den man auch als Bürgergardist und in seinem schönen Mercedes-Oldtimer kennt, ist jetzt 82 Jahre alt und musste in den letzten Jahren gesundheitshalber kürzer treten. „Das Geschäft ist für moderne Ansprüche zu klein, der Platz fehlt, um die Ware auch zu präsentieren. Wir mussten ständig nach unten oder nach oben, um den Schuh in der gewünschten Größe zu holen. Das tut sich ein Einzelhändler heute nicht mehr an“, sagt die Geschäftsführerin.

Beim Umräumen nach Neunheim haben die Kunden erstaunt festgestellt, wie groß der Lagerbestand bei Schuh Neubert tatsächlich war. 

Das Geschäft war für moderne Ansprüche zu klein. Es fehlte der Platz, um die Ware auch gut zu präsentieren.“

Elisabeth Neubert, Geschäftsführerin Schuh Neubert

Der Abverkauf im ehemaligen Sport Schwab ist gut angelaufen

Obwohl der Abverkauf sehr gut angelaufen ist, sind immer noch mehrere Tausend Paar Schuhe da. „Wir haben noch viele Kinderschuhe, Sommerschuhe, Winterschuhe und auch viele elegante Modelle für Damen und Herren. Die verkauften sich während der Pandemie nicht, weil kaum Hochzeiten und Festtage gefeiert wurden“, erzählt Elisabeth Neubert.

Die Schuhe gehen jetzt stark reduziert, um 40 Prozent und mehr,  über den Ladentisch. Solange bis alles weg ist, längstens bis Ende des Monats.

„Eigentlich wollten wir schon seit drei Jahren aufhören, doch dann kam die Pandemie dazwischen. Mit den Coronabeschränkungen war an einen Abverkauf nicht zu denken“, sagt Elisabeth Neubert. Doch jetzt ist der Zeitpunkt günstig.

Was mit dem alten Laden und dem Gebäude wird, ist noch unklar.

Neubert hat Tradition in Sachen Schuhe seit 1932

Mit dem Schuhhaus Neubert verschwindet ein weiteres Einzelhandelsgeschäft mit langer Tradition. Die begann 1932 in Rosenberg, als der Schuhmacher Vinzenz Neubert Senior eine Schuhmacherwerkstatt eröffnete.

Ein paar Jahre später zog er nach Ellwangen um und eröffnete mit seiner Frau in der Amtsgasse das Schuhgeschäft Neubert.

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft bot sich dem Schuhmacher die Chance in die Marienstraße umzuziehen.  Direkt beim Marienbrunnen war eine deutlich bessere Lage für den Einzelhandel und das Schuhgeschäft florierte. Der Sohn, Vinzenz Neubert übernahm das Schuhfachgeschäft 1979 von den Eltern. Immer wieder stand im Raum, die Fläche des Schuhhauses zu vergrößern. Als das Nebengebäude Stelzer frei wurde, versuchte man zu erweitern. Doch die baulichen und feuerpolizeilichen Auflagen machten einen Umbau unrentabel.

Das Schuhhaus Neubert, wie es bis zuletzt noch ausgesehen hat.
Das Schuhgeschäft in den 1960er Jahren.
Das Schuhhaus Neubert in den 1960er Jahren.

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