Die Verwaltung zieht die Notbremse

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Im Bereich des Wohnplatzes Wendenhof hat sich die Darmstadter Firma „Erdkraft“ um die Tiefbauarbeiten beim Breitbandausbau gekümmert. Es gab Schwierigkeiten. Die Mängel wurden beseitigt. Die weiteren Tiefbauarbeiten übernimmt nun die Ellwanger
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Was Adelmannsfelden über ein halbes Jahr zurückwirft, rund 250.000 Euro Mehrkosten verursacht und warum die Gemeinde „auf die Nase fiel“.

Adelmannsfelden

Ein Stück weit ist es so, als müsste Adelmannsfeldens Gemeinderat die Zeit zurückspulen. Im Frühjahr 2021 hatte die Verwaltung Tiefbauarbeiten für den Breitbandausbau im Bereich der weißen Flecken ausgeschrieben. Acht Firmen hatten Angebote abgegeben. Jetzt mussten dieselben Arbeiten sieben Monate später erneut vergeben werden.

Ende Juni 2021 hatte die Gemeinde Tiefbauarbeiten für den Breitbandausbau im Bereich weiße Flecken in Höhe von 1,64 Millionen Euro vergeben. Den Zuschlag erhielt die Darmstadter Firma Erdkraft. Die lag mit ihrem Angebot rund ein Drittel unter den geplanten Kosten. In Zahlen: gut 800.000 Euro, allerdings nur vier Prozent günstiger als die zweitplatzierte Bieterin. 

„Erdkraft“ hat im September mit den Arbeiten in den Wohnplätzen Kuderberg, Wendenhof sowie zwischen Wendenhof und Eichhornhof begonnen. Doch schon bald war klar: „Die Firma konnte den geforderten Standard bei der Ausführung der Arbeiten nicht erbringen“, sagt Stefan Peller, Geschäftsführer des betreuenden Büros kp engineering aus Schwäbisch Hall. Auch nicht nach Aufforderung und mehrmaligen Mahnungen.

Wo lagen die Probleme? „Es gab ganz viele Dinge. Wie die Gräben gezogen waren, die Rohrverbindungen waren nicht sauber, die Hausanschlüsse waren falsch und nicht wie besprochen...“, erläutert Peller. Die Qualifikation habe nicht zu den geforderten Standards gepasst. Das Personal sei nicht imstande gewesen, die Arbeiten korrekt und sauber auszuführen. 

Wie konnte es passieren, dass die Gemeinde so „auf die Nase fiel“? Beim Angebot hätte der Darmstädter Betrieb alles richtig gemacht, sagt Stefan Peller. Dieser habe Referenzbaustellen nachweisen können. „Wir hatten mit diesen ehemaligen Auftraggebern Kontakt aufgenommen. Von dort kamen die Aussagen, dass es schon geklappt hat, aber mit mehr Überwachungsaufwand durch die Bauleitung, als normal verbunden war.“ Kp enineering hatte den Adelmannsfelder Räten zugesichert, das Risiko zu übernehmen. Sollte mehr Aufwand anfallen mit der „Erdkraft“, dann übernehme das Büro als Bauleitung diese Mehrarbeit, ohne weitere Kosten in Rechnung zu stellen.

„So gab es keinen Grund, die Firma Erdkraft von der öffentlichen Ausschreibung auszuschließen“, erklärt Bürgermeister Edwin Hahn. Aufgrund der Vergaberichtlinien habe der Gemeinderat den Auftrag an den Tiefbaubetrieb als günstigsten Bieter vergeben müssen.

Schnell nach Baubeginn war klar: Das hat so keinen Sinn. Nach sechs Wochen zog die Gemeindeverwaltung die Notbremse und vereinbarte eine einvernehmliche Auflösung des Werkvertrags. Das ging erstaunlich glatt. Hahns Erklärung: „So wie derzeit Firmen für Baustellen im Breitbandausbau gesucht werden, bekommen die ruckzuck einen neuen Auftrag.“ 

Peller erklärt: „Wir haben da schon ganz genau auf die Finger geguckt, alle zwei Tage dargelegt, was alles nicht passt. Wenn was nicht in Ordnung war, musste die Firma das immer gleich neu machen, die Mängel beseitigen.“ Da sei dem Chef wohl schnell klargeworden, dass nichts mehr verdient ist, wenn die Arbeit stets mindestens doppelt gemacht werden muss, aber nur ein Mal bezahlt wird.

„Bei uns auf der Baustelle muss wohl anderes, noch weniger qualifiziertes Personal gewesen sein, als bei den Referenzbaustellen,“ erklärt sich Peller das Pech der Gemeinde. Zum 17. Januar wurde der Auflösungsvertrag rechtskräftig. „Wir dokumentieren, welche Bereiche von der Firma erledigt wurden. Dazu gibt es eine extra Abnahme. Wenn dort Probleme auftauchen, ist die „Erdkraft“ für die Gewährleistung verantwortlich“, erklärt Peller.  

Bürgermeister Edwin Hahn hätte das Verfahren gerne abgekürzt. Es sei schon genug Zeit verlorengegangen. Sein Vorschlag: den Auftrag zügig an die bei der Ausschreibung zweitplatzierte Bieterin, die fast genauso deutlich unter den veranschlagten Kosten lag, direkt zu vergeben. Die vom Bund für die Betreuung des Förderprogramms „Weiße Flecken“ beauftragte Firma atene kom lehnte Hahns Vorschlag aber ab. Auf eine beschränkte Ausschreibung im Kreis der Bieter des vergangenen Jahres ließ sie sich ein. 

In dieser hat die Ellwanger Firma Roth mit knapp 1,75 Millionen Euro das günstigste Angebot abgegeben (rund 100.000 Euro mehr als das Angebot der Firma Erdkraft für den kompletten Auftrag im Juni 2021). Damit belaufen sich die Gesamtkosten für die Tiefbauarbeiten zur Beseitigung der weißen Flecken auf gut 1,9 Millionen Euro. 

„Die Mehrkosten durch die beschränkte Ausschreibung hätten nicht sein müssen“, so Bürgermeister Hahn. Aufgrund der Vorgabe von atene kom seien sie aber nicht zu vermeiden gewesen. Auch die Gemeinderäte kritisierten das, erteilten jedoch einstimmig den Zuschlag an die Firma Roth. Mit der Hoffnung, dass diesmal - mit der regionalen Firma - alles problemlos läuft.

„Wir dokumentieren, welche Bereiche von der Firma erledigt wurden. Dazu gibt es eine extra Abnahme. Wenn dort Probleme auftauchen, ist die „Erdkraft“ für die Gewährleistung verantwortlich.“

Stefan Peller, Geschäftsführer Büro kp

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