Wohnformen, die sich gut anfühlen

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Fredi Orazem und Miriam Kaiml. Ein solches Stück Land wäre für ihr Vorhaben, den Aufbau eines alternativen, ressourcenschonenden und generationenübergreifenden Wohnkonzepts ideal.
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Welches Modell sich Projektentwickler und Heilpraktiker Fredi Orazem für inklusives Wohnen auf der Ostalb wünscht.

Adelmannsfelden

Fredi Orazem ist rührig. Neben seinem Hintergrund aus der Pflege erarbeitet der anerkannte Heilpraktiker alternative Wohnkonzepte, die Antworten auf die Fragen geben, wie wir gemeinsam in Zukunft leben können. Ressourcenschonend, inklusiv und mit mehreren Generationen gemeinschaftlich. "Caring Community" nennt Orazem dieses Konzept, das der gebürtige Mutlanger in Bolsterlang im Allgäu von 2009 bis 2014 mit entwickelte und aufbaute. "Ich habe es mir nie vorstellen können, wieder auf die Ostalb zurückzukehren, aber hier bin ich. Und es fühlt sich gut an."

Ruhe, Ursprünglichkeit und die Natur, das suchen er und seine Partnerin Miriam Kaiml, Musiklehrerin und Musiktherapeutin. Derzeit finden sie es am Grafenhof in der Nähe von Adelmannsfelden. Viele kleine Projekte setzen sie nebenbei um, so etwa einen Sinnepfad mit Klangelementen für den Kindergarten Schrezheim. Doch eines lässt sie nicht los: der Traum von einem "Tiny House Village" – ein Dorf mit einfachen Minihäuschen – auf der Ostalb, das sich weitgehend selbst mit Energie und Wasser versorgt und in dem zudem pflegebedürftige und junge Menschen gleichermaßen Platz finden. Derzeit sind sie auf der Suche nach einem geeigneten Stück Land und Gleichgesinnten, die gemeinsam das Projekt angehen wollen. "Das Land zu finden und darauf die Häuser errichten zu dürfen, ist eigentlich das größte Problem. Oftmals können sich die Behörden wenig darunter vorstellen. Da die Tiny Houses voll autark geplant sind, kommen sie im Grunde ohne Anbindung an die Kanalisation oder das öffentliche Stromnetz aus", erklärt er. "Das macht aber nicht jede Gemeinde mit, es gibt beispielsweise Bedenken wegen der Abwässer."

Die Pläne für eine solche Siedlung und einen Hersteller hat Orazem bereits in der Hinterhand. "Ideal sind Module mit 18 Quadratmetern Grundfläche auf zwei Ebenen, also 36 Quadratmetern Wohnfläche. Die Gebäude sind optimiert, jeder Zentimeter ideal durchdacht." Man könne auch zwei Module kombinieren, die 72 Quadratmeter reichen dann für eine kleine Familie aus, versichert Orazem, der selbst in der Nähe von Dinkelsbühl über ein Jahr in so einem Häuschen gelebt und ihn im Sommer wie Winter erlebt hat. "Selbst Barrierefreiheit ist möglich. Und das wollen wir auch", sagt er.

Wir haben uns gefragt, wie wir künftig leben wollen.

Fredi Orazem Projektentwickler und Heilpraktiker

So könnten auch flexible Arbeitsplatzmodelle in der Siedlung entstehen, unterstützt durch gegenseitige Hilfe und Betreuung am Ort, in der Gemeinschaft. Aufeinander acht geben und Ressourcen teilen, das sei der Schlüssel, so Orazem.

Besonders wichtig dabei: ein gemeinschaftlich nutzbares Gebäude, wenn man doch mal kurzfristig mehr Platz braucht. Solche Konzepte erfordern Überzeugungsarbeit. Doch Orazem und seine Partnerin sind zuversichtlich: "Wir haben ein paar Grundstücke im Blick." Gespräche laufen, auch mit Behörden. Noch im August möchte Orazem das Konzept auf einem Vortrag in Ellwangen präsentieren.

Wer mehr über das Konzept wissen möchte, findet Informationen unter https://ownworld.org oder kann sich direkt wenden an: fredi.orazem@gmx.de

Entwurf einer Tiny House Siedlung, wie sie sich Orazem und Kaiml vorstellen. Derzeit sind sie auf der Suche nach einem Stück Land.

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