Am BAG-Gelände tut sich was – Bürgerinfo zur Ellwanger Landesgartenschau

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Oberbürgermeister Michael Dambacher (l.) und Stadtplaner Klaus Ehrmann (r.) stellten Begleitprojekte von Investoren außerhalb des LGS_Geländes vor.
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Die Bürgerinformation in neuem Format bringt gute Gespräche und schafft Aufbruchsstimmung unter den Besucherinnen und Besuchern.

Ellwangen. Es waren nach Schätzungen der Landesgartenschau GmbH rund 150 bis 200 Interessierte, die sich am Mittwochabend in der Stadthalle an zahlreichen Stehtischen mit den Fachleuten über Details und Hintergründe der Planungen austauschten. Das "Messeformat" erwies sich als sehr gut geeignet, um auf Fragen der Bürgerinnen und Bürger möglichst umfassende Antworten zu liefern. In der ganzen Halle waren Modelle ausgestellt, die Ellwanger Kinder und Jugendliche gefertigt haben.

Oberbürgermeister Michael Dambacher machte eingangs deutlich, dass die LGS nur als Gemeinschaftsprojekt gelingen könne und eine begeisterte Bürgerschaft brauche, die sich interessiert und in verschiedenster Weise einbringt. Tobias de Haen, der zweite Geschäftsführer der LGS GmbH und Vertreter des Landes erklärte die Unterscheidung von Daueranlagen, Ausstellung und Betrieb der Landesgartenschau mit einem Zeitstrahl. Aktuell sei man dabei die Entwurfsplanung für die Daueranlagen abzuschließen. Lars Reineke vom Büro relais Landschaftsarchitekten stellte danach die Planung vor und Stefan Powolny, Geschäftsführer der LGS GmbH, forderte dann die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, an den Stehtischen das Gespräch mit Fachplanern und Verantwortlichen für ganz konkrete Bereiche zu suchen.

Der Oberbürgermeister und Stadtplaner Klaus Ehrmann berichteten beispielsweise über den Stand der Begleitprojekte außerhalb des eigentlichen LGS-Geländes. Die Landesgartenschau werde ein Vielfaches an privaten Investitionen auslösen, war bereits im Vorfeld angekündigt worden. Dass DM einen Drogeriemarkt auf der Jagstinsel bauen will und ein anderer Investor interessiert ist, ein Tagungshotel beim Wellenbad zu bauen, ist bereits bekannt. Dambacher teilte mit, dass auch auf dem BAG-Gelände die Verhandlungen mit den Immobilienbesitzern über eine großflächige Neubebauung weit gediehen seien. Das Stadtplanungsamt arbeite aktuell an einem Bebauungsplan, der Wohnen und Dienstleistungen, aber keinen Einzelhandel auf dem Gelände zulässt. Das Projekt habe höchste Priorität, weil man sich Synergien mit der LGS verspricht. Ob eine Neubebauung zeitlich bis 2026 noch gelingen kann, soll nicht an der Stadtverwaltung scheitern. "Im Moment sind zahlreiche Planungen im Stadtgebiet in der Zielgeraden", sagt Klaus Ehrmann. Dazu zähle auch die Fläche an der Jagstbrücke, wo das alte Eichamt abgerissen wurde.

Viel gefragt als Gesprächspartner waren auch Stefan Powolny und Stadtkämmerer Sebastian Thomer. Das Risiko von Kostensteigerungen im Bausektor schwebt derzeit über allen Vorhaben, allerdings sei die Landesgartenschau in erster Linie ein Projekt mit Erdbau und Oberflächen. "Da sind die Risiken nicht so enorm wie im Hochbau", stellt Powolny fest. Mit Ausnahme des neuen Jugendzentrums und der drei neuen Brücken über die Jagst und die Bahnquerung Bachgasse hat die Stadt keine größeren Hochbauten zu verantworten. Dass die Inflation zum Risiko für die städtischen Finanzen wird, glaubt Powolny nicht. Parallel zu den Kosten würden sich dann ja auch die Steuereinnahmen entwickeln. Nach dem Beschluss des Gemeinderates sind die Kostenrahmen für die Daueranlagen der Landesgartenschau ohne JuZe festgestellt mit 46 Millionen Euro, stand März 2022.

Zum Umbau der Jagst gab Melchior Rettenmeier vom Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium Stuttgart, detaillierte Informationen weiter, etwa zum Thema Biber. Der Nager ist in der Jagstaue heimisch und soll während der Umbauten ein Kunstquartier angeboten bekommen. "Das nehmen die Tiere erfahrungsgemäß sehr gut an, wenn der Wasserspiegel abgesenkt wird. Diese künstlichen Burgen, die in Sichtweite des späteren Steges angelegt werden, könnten zu dauerhaften Anlagen werden. Wie die Bepflanzungen vor dem Biber geschützt werden, insgesamt sind mehr als 1000 neue Bäume auf dem LGS-Gelände vorgesehen, dazu gebe es Erfahrungswerte von anderen neu angelegten Flächen. Man komme nicht umhin, die Anlagen zunächst vor dem Großnager zu schützen. Das könne durch Einzäunungen, Drahthosen und auch andere Biberverbissmittel geschehen. Der Schutz müsse so lange aufrecht erhalten werden, bis der natürliche Aufwuchs so hoch ist, dass er den Fraß ersetzt oder übertrifft. Das sei eine Sache von wenigen Jahren, weil nicht nur Bäume gepflanzt, sondern im Uferbereich auch Sämlinge ausgebracht werden, die zu einem starken Bewuchs führen.

Zur eigentlichen Durchführung der Landesgartenschau sammelten der LGS-Botschafter, Landrat a.D. Klaus Pavel und Citymanagerin Verena Kiedaisch zahlreiche Ideen, die von Parkierung über Radverkehr bis zu konkreten Aktionen auf dem Gelände reichten. Im Stadthallencafé stellten Studenten der Hochschule Aalen um Julian Fuchs VR-Animationen der Bahnbrücke und Ideen für die LGS-App vor. Beispielsweise könnte man mit Sensoren auf dem Ausstellungsgelände die Besucherdichte erfassen und über die App in Echtzeit Routen zu weniger stark frequentierten Stellen anbieten.

"Wer bei dieser Veranstaltung mitmacht, wird über Jahre davon profitieren", warb Klaus Pavel am Ende dafür, sich in die Landesgartenschau mit Programmpunkten oder als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer einzubringen. In Schwäbisch Gmünd habe man erlebt, wie die Begeisterung der Bürgerschaft auch die Gäste ergreift. Das müsse auch das Ziel für Ellwangen sein. Mit dem Messeformat werde man künftig immer wieder Informationen in die Breite streuen. Dazu sollen LGS-Führungen und auch Baustellenführungen stattfinden, sagte OB Dambacher.

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An den verschiedenen Thementischen wurden Ideen aus der Bürgerschaft gesammelt.
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