Angeklagter im Mordprozess: „Ich wollte die Oma nicht töten“

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Vor dem Landgericht Ellwangen muss sich ein 27-Jähriger (Zweiter von rechts) wegen Mordes verantworten. Er soll die 87-jährige Nachbarin seiner Eltern in ihrer eigenen Wohnung erschlagen haben.
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Vor dem Landgericht muss sich ein 27-Jähriger verantworten. Er soll eine Seniorin in ihrer Wohnung brutal totgeprügelt haben.

Ellwangen. Vor dem Ellwanger Landgericht ist am Mittwoch der Prozess gegen einen 27-jährigen Griechen fortgesetzt worden. Der junge Mann steht im dringenden Verdacht, im März dieses Jahres eine 87-jährige Seniorin in ihrer Wohnung in Giengen an der Brenz brutal erschlagen zu haben. Der zweite Verhandlungstag begann mit einer holprig verlesenen Erklärung des Angeklagten.

In seinem Statement räumte der Angeklagte den Einbruch bei der Frau zwar ein, bestritt aber jede Tötungsabsicht. Der junge Mann begründete die Tat mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes. Danach habe er angeblich die Kontrolle über sein Leben „komplett verloren“. In dieser Phase hätten für ihn nur noch Drogen und seine Spielsucht gezählt. Am Tattag habe er – nach dem Konsum seiner letzten „zwei Nasen Amphetamin“ - wieder einmal dringend Geld gebraucht. Ihm sei da die Idee gekommen, bei der hochbetagten Nachbarin seiner Eltern einzubrechen. Dazu habe er die alte Dame mit einem Anruf aus der Wohnung gelockt. Am Telefon tischte er ihr die Lüge auf, dass aus ihrer Garage Rauch aufsteigen würde. Nachdem die Frau daraufhin das Haus verlassen hatte, sei er in die Wohnung der 87-Jährigen gegangen, um deren Geldbörse an sich zu nehmen. Doch das Vorhaben scheiterte, weil die alte Dame schneller zurückkam als erwartet. Als sie den vermummten Eindringling in ihrer Küche entdeckte und zur Rede stellen wollte, sei es zu einem „Gerangel“ gekommen, in dessen Folge die Frau angeblich unglücklich gestürzt und mit dem Kopf gegen eine Kommode gefallen sei. Sie habe danach noch versucht, den 27-Jährigen am Bein festzuhalten. Er habe sich „in Panik“ losreißen können und sei geflüchtet. Allerdings musste er kurz danach wieder zurückkehren, um einen verloren gegangenen Schuh aus der Wohnung zu holen. Dazu habe er die nun wieder verschlossene Wohnungstür eintreten müssen. Die alte Frau habe er in der Situation überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Er sei aber fest davon ausgegangen, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht in Lebensgefahr schwebte. „Ich wollte die Oma nicht töten“, betonte der Angeklagte mit gesenktem Haupt. Ihm tue „das Ganze“ sehr leid und er wolle sich bei den Angehörigen seines Opfers entschuldigen.

„Nicht ganz normal“

Ausführungen, die am Mittwoch von der Tochter der 87-Jährigen, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, regungslos zur Kenntnis genommen wurden.

Die nachfolgenden Zeugen zeichneten anschließend ein etwas anderes Bild vom Tatgeschehen. Zuvorderst ein 57-jähriger Nachbar, der die schwer verletzte Frau in ihrer Wohnung entdeckt und erstversorgt hatte. Aufgeschreckt durch einen „dumpfen Schlag“ habe er die Wohnung der 87-Jährigen aufgesucht und die Frau unmittelbar hinter der aufgebrochenen Wohnungstür, in einer großen Blutlache liegend, schwer röchelnd vorgefunden. Es sei ein furchtbarer Anblick gewesen, erklärte der Pferdeosteopath dem Gericht. „Man konnte sie gar nicht mehr erkennen. Das Gesicht war eine einzige Matsche. Sie hatte im Prinzip keine Nase und keine Zähne mehr.“ Wie der 57-Jährige erklärte, soll die Seniorin Angst vor dem 27-Jährigen gehabt haben. „Sie hat ihn für nicht ganz normal gehalten“, so der Zeuge. Ihm gegenüber habe die recht vitale Seniorin unter anderem davon berichtet, dass der junge Grieche bei ihr schon einmal einbrechen wollte – der Vorfall soll sich etwa zwei Wochen vor dem Tötungsdelikt ereignet haben. „Ich habe das damals leider nicht ernst genommen“, so der 57-Jährige, der den mutmaßlichen Täter an der Tür sogar selbst kurz gesehen hatte – allerdings nur von hinten. Aufgrund der kräftigen Statur habe ihn die Person an den Sohn seiner griechischen Nachbarn erinnert. Außerdem habe der Mann mit „griechischem Akzent“ gesprochen.

Eindeutige Spurenlage.

Dass es sich bei der Tat mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Kapitalverbrechen und kein „normales Sturzgeschehen“ handelt, betonten danach verschiedene Polizeibeamte im Zeugenstand. Die Kampfspuren und auch die vielen Blutspritzer an der Wand würden eine eindeutige Sprache sprechen. Eine Beamtin erklärte, dass das Opfer schlimm zugerichtet gewesen sei. Sie habe nicht einmal mehr erkennen können, ob es sich dabei um eine Frau oder einen Mann handelte. „Es war wirklich kein schöner Anblick.“

Am zweiten Verhandlungstag klang auch noch an, dass der Angeklagte wegen verschiedener Diebstahl- und Raubdelikte bereits im Fokus der Polizei gewesen ist. Unter anderem soll eine alte Frau auf offener Straße ausgeraubt haben. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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