Auf den Spuren der barocken Residenzstadt

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Archivar Christoph Remmele (l.) zeigt Stützmauern, die Häuser gegen den einst sumpfigen Grund nahe der Jagst absicherten. Foto: sab
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Wie sich im 18. Jahrhundert der Wandel im mittelalterlichen Stadtbild vollzog.

Ellwangen. Zum Thema des diesjährigen Tag des offenen Denkmals „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ machten sich die Ellwanger auf die Spuren des Landbaumeisters Arnold Friedrich Prahl. Im kleinen Sitzungssaal stellte Stadtarchivar Christoph Remmele den sogenannten Prahl'schen Stadtplan vor. Ein Einzelstück aus dem Jahre 1747, auf dem die Kernstadt mit seinen Gebäuden abgebildet ist. Die Besonderheit dieses Plans liegt in seiner Exaktheit.

Ein aktueller Häusergrundriss darübergelegt zeigt, dass die Grundrisse 1:1 übereinander liegen. Entstanden ist dieser Plan vermutlich, so Remmele, auf Anordnung von Fürstpropst Franz Georg von Schönborn. Er hatte den Ehrgeiz, aus dem bis dahin eher ländlich anmutenden Ellwangen eine barocke Residenzstadt zu formen. Zur Zeit des Prahl'schen Plans hatte Ellwangen nicht einmal 6.000 Einwohner.

Auf diesem Plan ist eine umlaufende Stadtmauer zu erkennen und auch der Verlauf von Wassertrassen, die zur Löschwasserentnahme dienten. Einen Feuersee gab es entlang des heutigen Schönen Grabens. Der See und auch der Wasserkanal entlang des Schönen Grabens wurde vom Wasser der Schlossweiher gespeist.

Der ehemalige Stadtbaumeister Siegfried Leidenberger führte anschließend die über fünfzig Gäste durch das Rathaus und Gebäude der Altstadt, die auf Prahl zurückgehen. Prahl, der nur 49 Jahre alt wurde, war Geometer, Baumeister und Unternehmer. Das ehemalige Spital hat er damals aus fünf Häusern zu einem Spitalkomplex zusammengeführt.

Ihm gelang es, den mittelalterlichen Grundriss barock zu überplanen. Weitere Spuren von Prahl sieht man an der Marienapotheke und an Gebäuden in der Schlossvorstadt.

Auf dem Prahl'schen Stadtplan eingezeichnet war die Ellwanger Stadtbefestigung. Auf deren Spuren machten sich sechzig Interessierte mit dem Stadtarchivar, der hier das erste Mal zum Stadtführer wurde. Viel sei nicht übrig geblieben, so Remmele. Die Ellwanger Stadtmauer galt auch nicht der Verteidigung, sondern eher dazu, die Stadt einzufrieden und den Verkehr zu kanalisieren, um die Zölle besser eintreiben zu können.

Am Ortsausgang neben dem Methodiusplatz an der Mauer des Schwurgerichts stand das Jagsttor. Ein weder ansehnliches noch großes Tor, durch das gerade mal ein Pferdewagen passte. Wollte man nach Torschluss in die Stadt, so wurde dies Mensch, Tier und Wagen richtig teuer.

Ein weiteres Tor gab es an der Ecke des heutigen Müller-Marktes. Es wurde in einer Nacht- und Nebelaktion 1937 abgerissen, damit Pferdefuhrwerke besser wenden konnten. Ganz deutlich konnte man den Verlauf der Stadtmauer an der Rückseite der Häuser in der Hirtengasse erkennen. Sie wurden allesamt direkt auf oder an die Stadtmauer gebaut. So kam es, dass die ehemalige Stadtbefestigung um 1840 ausgesehen haben muss wie ein Schweizer Käse.

Ein weiteres Stadttor dann an der Einmündung zur Straße „An der Mauer“. Auch dieses Tor wurde abgerissen, weil der Durchgang wie bei allen Ellwanger Stadttürmen nur einspurig war und dem wachsendem Verkehr nicht mehr standhielt.

⋌Sabine Freimuth

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