Ausgangssperre am Tag: So ist die Stimmung in Schwäbisch Hall

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Seit Samstag gilt im Landkreis Schwäbisch Hall eine Ausgangssperre auch am Tag. Die Straßen, Gassen und Plätze sind ungewöhnlich leer. Hier ein Bild vom Kocherquartier.

Seit diesem Samstag dürfen Bürgerinnen und Bürger im Kreis Schwäbisch Hall nur noch aus triftigem Grund vor die Türe. Ein Stimmungsbild.

Schwäbisch Hall

Das Läuten der Kirchturmuhr schallt durch die Gassen: Es ist 12 Uhr mittags. Die Sonne schaut hinter den Wolken hervor. Die Innenstadt nahe des Kochers ist normalerweise ein Ort, an dem das Leben pulsiert. Doch am Samstag bietet sich ein ganz anderes Bild. An der Einkaufsmeile, wo sonst unzählige Menschen durch die Ladengeschäfte bummeln, huschen einige Passanten, die es vor allem zum Wochenmarkt zieht, vorbei.

Es ist ein historisch trauriger Tag in der Region: Zum ersten Mal mussten alle Bürgerinnen und Bürger eines Landkreises im Süden auch am Tag zu Hause sein. Wegen der hohen Anzahl von Neuinfektionen in der Gemeinde Schrozberg und im ganzen Landkreis ist in der Nacht auf Samstag um Mitternacht eine nochmals verschärfte Allgemeinverfügung in Kraft getreten.

"Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität. Von daher müssen wir die Kontaktbeschränkungen noch einmal verschärfen und die Ausgangssperre tagsüber erlassen", sagt Gerhard Bauer, Landrat im Kreis Schwäbisch Hall

Der Aufenthalt außerhalb der Wohnung ist nur noch aus triftigen Gründen gestattet. Der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen und Bewegung an der frischen Luft sind laut Landratsamt aber weiterhin möglich. "Die Pandemie verlangt uns viel ab, es kommt jetzt noch einmal besonders darauf an, Rücksicht zu nehmen, verantwortungsbewusst zu handeln und diszipliniert zu sein, um sich und andere nicht zu gefährden", betont Gerhard Bauer.

Im Feinkostladen Buongiorno an der Schwatzbühlgasse wartet Antoniette Bererdi auf Kundschaft. "Normalerweise ist um diese Zeit der Laden voll", sagt sie. Bererdi hat einige Mitarbeiter bereits entlassen müssen. Nun ein erneuter Rückschlag. Ausgangssperre und Notbremse erwischten sie auf dem falschen Fuß. Vor der erweiterten Ausgangssperre seien viel mehr Menschen gekommen. Jetzt kämpfe sie. Hilfsgelder hätte sie im Dezember beantragt, vom Staat habe sie noch keinen Cent an Unterstützung bekommen.

Normalerweise ist um diese Zeit der Laden voll.

Antoniette Bererdi Inhaberin Feinkostladen

Vergangene Woche, hätten sie ihm gerade mittags die Imbissbude eingerannt. Doch mit den verschärften Verordnungen sei dies nun anders. Hotelbesitzer Volker Dürr hat zwei Imbisswagen vor seinem Hotel Hohenlohe aufgebaut. Als beim ersten Lockdown das Hotelgeschäft zusammenbrach, suchte der Inhaber nach neuen Wegen seine 120 Mitarbeiter zu beschäftigen. Die fixe Neuausrichtung rettet Bürrs Geschäft, seinen Mitarbeitern den Arbeitsplatz und den Kunden die gute Laune: "Einer meiner Mitarbeiter hatte so einen Imbisswagen. Ich habe ihn gefragt, ob er ihn mitbringt". Nun verkauft das Hotelteam Suppen, Burger, Hotdogs, Currywurst, Sandwiches und bereits abgepackte Gerichte aus der Restaurantküche. Dürr und Bererdi hoffen, dass bald wieder mehr Kundschaft kommt.

Inzidenz steigt weiter

Das Infektionsgeschehen im Landkreis ist diffus. In Schrozberg hatten sich zunächst reihenweise Erzieher und Erzieherinnen in einer Kindertagesstätte mit der britischen Mutation des Corona-Virus infiziert. Danach legte die Inzidenz von Tag zu Tag zu und erreichte einen Höchststand von über 1200. Der Landkreis Schwäbisch Hall hat mit 306 die höchste 7-Tage-Inzidenz aller Landkreise in Baden-Württemberg. Bisher war vor allem die Stadt Crailsheim, knapp 30 Kilometer von Schrozberg entfernt, ein Hotspot mit einer Inzidenz von – Stand Freitag – 491.

Die Allgemeinverfügung im Landkreis Schwäbisch Hall ist befristet bis zum 29. März. Sollte der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter 200 fallen, tritt die Allgemeinverfügung wieder außer Kraft.

Marius Bulling

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