Axthieb gegen Nachbar: War es versuchter Mord?

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Der Angeklagte r. Müller wird in Hand- und Fußfesseln vorgeführt
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Am Landgericht begann der Prozess gegen einen 58-jährigen Russlanddeutschen aus Bopfingen.

Ellwangen. Am Landgericht begann am Donnerstagfrüh der Prozess gegen einen 58-jährigen Russlanddeutschen, der am 15. April dieses Jahres in Bopfingen einen Mitbewohner mit der Axt schwer verletzt haben soll. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Der Angeklagte wird in Hand- und Fußfesseln aus der Haftanstalt in den Schwurgerichtssaal vorgeführt. Im Jogginganzug und Strickmütze sitzt er auf der Anklagebank, neben ihm sein Verteidiger, Rechtsanwalt Christoph Reichart. Der Angeklagte ist Deutscher, in Kasachstan geboren und aufgewachsen, wohnt in Bopfingen und ist von Beruf Schweißer.

Erster Staatsanwalt Dr. Klaus Schwichtenberg trägt die Anklageschrift vor: Demnach ging der Angeklagte am 15. April in der Bopfinger Wohnung auf seinen Mitbewohner, man teilt sich Küche und Bad, mit der Axt los und schrie dabei: „Ich bring dich um!“

Mehrere Schläge seien gezielt gegen den Kopf des Opfers ausgeführt worden, der Mann habe sich jedoch mit dem Unterarm schützen können. Mit einer schweren, drei Zentimeter langen Kopfverletzung habe sich der Mitbewohner in sein Zimmer retten können, wo er sich sofort einschloss.

Der Angeklagte wurde kurz darauf von der Polizei festgenommen. Er leistete dabei keinen Widerstand. Bereits am Vortag hatte ein Zeuge beobachtet, wie der Angeklagte das Beil aus einem Kellerraum geholt hatte.

Die Anklage lautet „versuchter Mord“, die Tat sei heimtückisch ausgeführt worden. Die Beobachtung vom Vortag deutet auf Vorsatz hin. Dem Angeklagten droht damit eine langjährige Haftstrafe. Er sitzt bereits seit 16. April in Untersuchungshaft.

Den Prozess der Schwurgerichtskammer leitet der Vorsitzende Richter am Landgericht, Bernhard Fritsch. Der stellte zunächst die Personalien des Angeklagten fest, klärte ihn über sein Schweigerecht auf und fragte, ob er Angaben zur Person oder zur Sache machen wolle.

Der Russlanddeutsche verneint, zum jetzigen Zeitpunkt wolle er nichts sagen. Fritsch rät ihm, sich mit seinem Verteidiger zu beraten.

So ist der erste Prozesstag schnell zu Ende. Fortsetzung ist am 21. Oktober um 9.30 Uhr. Fritsch bestellt für diesen Tag Zeugen und einen Simultandolmetscher, der aus dem Russischen ins Deutsche übersetzen kann.  

Obwohl am ersten Prozesstag wenig verhandelt wurde, hofft Fritsch, dass am 21. Oktober die Beweisaufnahme abgeschlossen werden kann und forderte den Anwalt auf, schon einmal sein Plädoyer vorzubereiten. 

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