Azubi lässt sich im Internet als Geldwäscher anwerben

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Ein 23-jähriger Ivorer musste sich am Montag vor dem Amtsgericht Ellwangen wegen vorsätzlicher Geldwäsche verantworten.
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Der 23-jähriger Ivorer hat gemeinsam mit unbekannten Hintermännern aus Afrika 169 Menschen um ihr Geld gebracht. Insgesamt entstand ein Schaden von rund 62 000 Euro. 

Ellwangen. Ein 23-jähriger Ivorer musste sich am Montag vor dem Amtsgericht Ellwangen wegen vorsätzlicher Geldwäsche verantworten. Der junge Mann, der 2016 illegal nach Deutschland eingereist war und seither in Ellwangen lebt, hatte sich hier zwischen November 2019 und April 2020 als  Handlager einer Betrügerbande aus Afrika betätigt. 169 Menschen wurden geschädigt, sie verloren insgesamt rund 62 000 Euro. Trotz des enormen Schadens, der entstanden ist, kam der 23-Jährige vor Gericht  glimpflich davon.

Staatsanwalt Dr. Jürgen Hermann brauchte am Montag rekordverdächtige 40 Minuten allein zur Verlesung der Anklageschrift. Darin waren fein säuberlich alle 169 betrügerischen Transaktionen aufgelistet, an denen sich der 23-Jährige aktiv beteiligt hatte. Demnach hatte sich der junge Mann  von einer afrikanischen Bande als Geldwäscher rekrutieren lassen. Die Hintermänner, die bis heute nicht ermittelt werden konnten, hatten deutschen Bankkunden mit schlechter Schufa im Internet Kredite in Aussicht gestellt - das allerdings gegen Vorauszahlung. Viele Menschen fielen auf den Trick herein, zahlten Gebühren - zumeist in dreistelliger Höhe -  erhielten aber nie ein Darlehen. Verbucht wurden die Zahlungen der finanzschwachen Opfer auf Konten, die der 23-Jährige extra dafür eröffnet hatte - bei der Kreissparkasse Ostalb, der VR Bank Ellwangen und der Commerzbank. Von hier wurde das Geld dann von dem Angeklagten in regelmäßigen Abständen abgehoben und anschließend über den Finanzdienstleister Western Union weiter transferiert an Empfänger in Burkina Faso,  Benin und der Elfenbeinküste. Dieses Spiel ging ein knappes halbes Jahr. Dann häuften sich bei den drei betroffenen Banken Überweisungsrückrufe der Betrugsopfer. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Polizei schalteten sich ein und bereiteten dem Spuk ein Ende. 

Vor Gericht erklärte der 23-Jährige, der derzeit in Ellwangen eine Ausbildung zum Elektriker absolviert,  dass er von den Machenschaften nichts gewusst haben will. Er habe lediglich auf Anweisung gehandelt und habe die Vorgänge auch nicht hinterfragt. Man habe ihm für seine Dienste 30 000 Euro in Aussicht gestellt, bekommen habe er aber nur 600 Euro - dann habe auch schon die Polizei vor seiner Tür gestanden.  Der Kontakt zu der Bande in Afrika soll laut dem 23-Jährigen übrigens zufällig zustande gekommen sein - auf Facebook habe ihn kein Geringerer als der ehemalige Fußballstar und Rekordtorschütze der kamerunischen Nationalmannschaft, Samuel Eto'o, für diesen Job angeworben. Als Beweis legten der 23-Jährige und dessen Verteidiger Felix Vögele Kopien von entsprechenden Chatverläufen vor.

Jugendgerichtshelfer Thomas Kröhl erklärte dem Gericht danach, dass der Ivorer - nach eigenen Angaben - eine schwere Kindheit in Afrika erlebt habe. Seine Entwicklung sei "insgesamt schwierig verlaufen". Auch nach seiner Ankunft in Deutschland, wo er als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nur mit viel Unterstützung einen mittelmäßigen Hauptschulabschluss schaffte. "Man muss von Retardierungen ausgehen. Zumindest im psychisch-sozialen Bereich gibt es bei ihm Defizite." Aus diesem Grund sprach sich Kröhl auch für die Anwendung von Jugendstrafrecht aus.

Dieser Einschätzung schloss sich auch Staatsanwalt Hermann an. Der 23-Jährige habe sich als "Finanzagent" missbrauchen lassen. Er habe bei diesen Betrügereien das komplette Risiko getragen, während die Haupttäter in Afrika den großen Reibach machten. Trotzdem forderte Hermann für den Angeklagten als Strafe unter anderem die Einziehung der Tatbeträge in volle Höhe von 62 000 Euro. Der Auszubildende habe das erschlichene Geld zwar nicht für sich behalten und verfüge derzeit auch nur über ein kleines Lehrlingsgehalt - aber die  Vollstreckung der Einziehung verjähre ja auch erst in 30 Jahren, betonte Hermann. Und: "Bevor die Opfer auf den Schulden sitzen bleiben, muss der Geldwäscher zur Verantwortung gezogen werden."

Richter Michael Schwaiger schloss sich in seinem Urteil dieser Forderung nur in Teilen an.  Er brummte dem Ivorer 100 Stunden gemeinnützige Stunden Arbeit auf sowie die Pflicht, eine Ausbildung abzuschließen und sich danach einen Job zu suchen. Außerdem verfügte Schwaiger eine Einziehung von Tatbeträgen in Höhe von rund 9000 Euro. Wie der Richter in diesem Zuge erklärte, müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Außerdem dürfe man den 23-Jährigen nicht überfordern. Schließlich gelte im Jugendstrafrecht auch noch der "Erziehungsgedanke".  

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