Damit Raketen wieder landen können: Ellwanger Johann Scherer forscht mit Studenten

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Das von Studenten entwickelte Triebwerk der "Cryosphere"-Raktete wurde am Zentrum für Luft- und Raumfahrt getestet.
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Johann Scherer bereitet mit einer Gruppe von Studenten der Technischen Universität München ein Fallexperiment vor, das die Landung einer Raketenstufe simuliert.

Ellwangen/München. Irgendwann in den nächsten Wochen wird südlich von München ein 85 Kilogramm schweres Stahlgewicht mit viel Messelektronik von einem Hubschrauber abgeworfen. Es wird an einem Fallschirm hängen und hoffentlich ganz weich landen. Denn das Experiment simuliert die Landung einer Rakete aus vielleicht  33 000 Metern Höhe.

Vorbereitet hat das Experiment Johann Scherer aus Ellwangen zusammen mit Komilitonen der Forschungsgruppe WARRe.V.. Die Abkürzung steht für Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt, eine Studentengruppe der Technischen Universität München. In Projekten erarbeiten die jungen Studierenden Praxiswissen aus der Raumfahrttechnik.

In Scherers Gruppe geht es um Raketentechnik, konkret um den Bau von Höhenraketen. Das Triebwerk haben Studenten seit 2015 entwickelt und technisch immer weiter verfeinert. Mittels flüssigen Sauerstoffs und festem Hydroxyl-Terminiertem Polybutadien wird die 5,5 Meter lange "Cryospere"-Rakete in die Atmosphäre geschossen,  das Triebwerk wurde beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen getestet.

Im Projekt "Nixus" soll eine Rakete beim European Rocketry Challange (EUROC) Wettbewerb und dem Spaceport America Cup in der Kategorie „30k Student Research and Developed (SRAD)“ Wettbewerb antreten. Neben mehreren Kategorien ist das Hauptziel, eine Zielhöhe von 30 000 Fuß (9144 Meter) so genau wie möglich zu erreichen und danach soft zu landen.

Scherer ist zuversichtlich dass dies auch gelingt. Der Ellwanger arbeitet im "Team Lead", an der "weichen Landung". Dazu haben sich die Studenten einen Fallschirm gekauft, an dem die ausgebrannte Rakete zu Boden schweben soll. Zuvor müssen sie testen, wie sich der Schirm verhält, wenn die Last einer "Cryosphere" darunter baumelt.

"Wir wollen wissen, wie die Rakete pendelt, wie sich das auf den Rückflug auswirkt, wenn die Last an 45 Meter langen Seilen hängt, welche Kräfte wirken, wie die Belastung für den Fallschirm ist. Es sollte eben nichts reißen oder brechen", erklärt er.

Als Last haben die Studenten eine Stahlkonstruktion von der Aalener Firma Arnold bekommen, die so beschaffen ist, dass daran zusätzliche Betongewichte und die Messelektronik befestigt werden können. Aufwändig ist vor allem die Vorbereitung des Experiments, weil dazu verschiedenste Sicherheitsbehörden einbezogen werden müssen. "Wir haben in Absprache mit dem Luftamt ein Sicherheitsprotokoll aufgestellt, das penibel einzuhalten ist, damit nichts passieren kann. Das Abwurfareal wird weiträumig gesperrt sein. Und natürlich wäre es blöd, wenn der Schirm nicht öffnet oder die Seile reißen", sagt Scherer. Und wenn es so weit ist, dann heißt es: "Daumen drücken, dass alles glatt geht."

Mehr Informationen zu der studentischen Forschungsgruppe WARR e.V. finden Sie unter

https://warr.de/projects/rocketry/

Das von Studenten entwickelte Triebwerk der "Cryosphere"-Raktete wurde am Zentrum für Luft- und Raumfahrt getestet.

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