Dankbar für die Hilfe aus Schrezheim

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Dankbar für die Hilfe aus Schrezheim: Rheinbachs Stadtbrandinspektor Laurenz Kreuser (r.) zeigte sich dankbar über die Sachspenden und brachte vor allem die Werkzeuge direkt zu den Betroffenen in Umlauf.
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Mit fünf Sattelzügen schaffen Tanja Gorus und Jürgen Lang mit ihren Helfern Sachspenden ins Katastrophengebiet. Was sie von der 20-Stunden-Reise berichten.

Ellwangen-Schrezheim/Rheinbach

Um 4 Uhr am frühen Samstagmorgen setzte sich von Schrezheim aus ein Konvoi mit fünf Sattelschleppern und drei Kleinbussen mit 25 Helfern in Bewegung. Das Ziel: Rheinbach, Nordrhein-Westfalen, mitten in der von der Flutkatastrophe betroffenen Region. „Fünf Kilometer vor dem Ziel begann das Verkehrschaos, weil die Autobahn teilweise als Müllhalde für die Aufräumarbeiten genutzt wird“, erzählt Jürgen Lang, der im Wechsel mit Markus Gorus einen der Sattelzüge fuhr.

„Wir wurden dann von der Feuerwehr eskortiert und gelotst, durften sogar Kreuzungen bei roter Ampel passieren und wurden direkt zum Munitionsdepot in Rheinbach geleitet. Für die letzten fünf Kilometer haben wir trotzdem eine Stunde gebraucht“, schildert Lang, denn viele Brücken und Wegeverbindungen sind nach den Fluten nicht mehr vorhanden oder unpassierbar. „Das Ausmaß der Zerstörung kann man sich nicht vorstellen.“

Das Ausmaß der Zerstörung kann man sich nicht vorstellen.“

Jürgen Lang, Mitorganisator der Hilfsaktion

Die Bilder vor Ort seien nur schwer zu vermitteln, sagt Tanja Gorus, die mit ihrem Mann Markus die Spendenaktion ins Leben gerufen hat. Die dramatischen Schicksale einiger Betroffener und die Folgen der Flut schilderten Oberst Norbert Schmid, Stadtbrandinspektor Laurenz Kreuser und Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken in einer Ansprache, was zu bedrückender Ruhe im Tross von der Ostalb führte. Geschichten, wie die einer Mutter, deren spielende Kinder im Garten von der Flut weggespült wurden, oder eines 18-Jährigen, der beim Einschalten einer Pumpe im Keller in der Flut ertrank, dazu zwei Feuerwehrkameraden, die im Zuge des Einsatzes umkamen: Die Rheinbacher haben in vielen schmerzlichen Momenten die Ausnahmesituation erlebt und müssen noch lange alle Kräfte aufbringen, das Chaos und die menschlichen Dramen aufzuarbeiten. Bei den Helfern der Ostalb habe große Demut geherrscht, noch zu haben, was man zu Hause im Alltag selbstverständlich versteht.

Umso erfreulicher war es für Gorus und Lang zu sehen, dass ihre Hilfe ankam. Einige Paletten – vor allem das Werkzeug - wurden direkt auf die Anhänger der Helfenden umgeladen, schildern die beiden. Dank der guten Logistik und der Vorsortierung sollen auch Nahrungsmittel, Medikamente, Kleidung, Spielzeug, Decken und mehr schnell bei denen ankommen, die durch die Flut alles verloren haben. Denn im Umkreis von 50 Kilometern gebe es keinen Lebensmittelhändler mehr, der in ausreichender Form Grundnahrungsmittel oder Hygieneartikel habe. Der Nachschub könne aufgrund der zerstörten Verkehrswege nicht fließen. Mit einigen Flutopfern kamen die Schrezheimer persönlich in Kontakt, überall sei die Dankbarkeit riesig gewesen. „Aller Stress, aller Muskelkater der vergangenen Woche sind sofort vergessen gewesen und es herrschte ein überwältigendes Gefühl der Zufriedenheit.“

Gegen 19 Uhr brachen die Helfer nach einer Dusche und Verpflegung bei der Bundeswehr wieder in Richtung Heimat auf, wo man kurz vor Mitternacht ankam. Nach einem gut 20-stündigen Einsatz waren alle geschafft, aber glücklich, „dass wir irgendwie helfen konnten“, sagt Jürgen Lang.

„Wir würden es jederzeit wieder machen. Diese Erfahrung hat im Positiven allen Beteiligten mehr gegeben, als das, was sie gespendet oder an freiwilliger Arbeit geleistet haben“, sagen Tanja Gorus und Jürgen Lang. „Unser großer Dank gilt allen Sponsoren und Unterstützern unserer Aktion.“

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