Das Kaltduschen bringt richtig was

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Nur noch kalt duschen in Ellwanger Hallen.
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Der Energieberater der Stadt Ellwangen, Olaf Butz, beziffert den Einspareffekt durch Kaltduschen in den städtischen Hallen.

Ellwangen. Als die Stadtverwaltung kürzlich bekanntgab, dass die Duschen in den  Turnhallen aufgrund der Energiekrise kalt bleiben sollen, sorgte das für Gesprächsstoff unter Sportlerinnen und Sportlern: Vorwürfe wurden laut, diese Maßnahme sei nicht geeignet, Gas beziehungsweise Energie einzusparen, sondern verlagere lediglich die Kosten vom öffentlichen in den privaten Bereich.

Ist das wirklich so? Spart die Anordnung nur der Stadtkasse Geld und bringt insgesamt weder Einsparung von Energie noch von Klimagasausstoß, weil zuhause ja doch geduscht werden muss, wenn man aus dem Sport kommt?

Wir stellten diese Fragen dem städtischen Energieberater Olaf Butz. Der erklärte zunächst einmal, wie es zu der Anordnung kam. Zum Beginn des neuen Schuljahres, im September 2022, hat der Bürgermeistersprengel für die dortigen Kommunen festgelegt, dass in Hallen eine Raumtemperatur von 15 °C eingestellt und die Warmwasserbereitung abgestellt werden sollte. Gleichzeitig habe das Kultusministerium für Schulen und Schulsport einen Erlass herausgegeben dass Hallen mit 19°C im Betrieb beheizt werden sollen und Warmwasser vollumfänglich bereit stehen muss. Die Stadt Ellwangen hat daraufhin mit den Schulleitern gesprochen, um zu ermitteln, welche Schulen für den Schulsport Warmwasser benötigen. Das Ergebnis: alle 13 Schulen waren bereit im Rahmen der Energiekrise auf Warmwasser in den Hallen zu verzichten.

Daraufhin wurde für den Schulsport entschieden, dass in den Ellwanger Schulräumen und Hallen die Raumtemperaturen ohne Einschränkung gemäß der seit 2006 geltenden DA Energie eingestellt werden sollen, wie schon in den vergangenen 16 Jahren: bis 17° C bei Trainingsbeginn beheizt (was eine Temperatur im Betrieb von 19-20° bedeutet), Warmwasser ist (nach der Umfrage) nicht erforderlich.

Für den Vereinssport hat die Stadt am 4. November die Vertreter der Vereine eingeladen, um auch mit diesen die Warmwasserbereitstellung abzuklären. Auch hier waren die Vereine flächendeckend (bis auf eine Ortschaft) bereit, über die Wintermonate auf Warmduschen in den Hallen zu verzichten. Wichtig war den Vereinen, dass die geplanten Veranstaltungen ohne Einschränkung durchgeführt werden können und dass Warmwasser für die Küchenbetriebe bereit steht. Was nun den Einspareffekt betrifft, macht Butz eine klare Rechnung auf:

Die neun mit Gas beheizten Hallen verbrauchen bei normaler Bereitstellung von Warmwasser  61 000 kWh im Monat. Beim aktuellen Gaspreis für Neukunden (28,3 ct/kWh) spart die Stadt rund 17 000 Euro pro Monat.

Diese Einsparung werde auch nicht einfach in den privaten Bereich verlagert, denn im Gegensatz zu einem privaten Haushalt muss die Stadt in den Hallen große Speichermengen (vielerorts mehrere Tausend Liter) vorhalten, egal ob jemand tatsächlich duscht oder nicht. Ausgangstemperatur im Kessel muss zur Vermeidung von Keimen im Wasser mindestens 65°C und der Zirkulationsrücklauf mindestens 55°C. sein. Dazu müssen die Wassernetze alle 72 Stunden umfangreich gespült werden, um die Betriebsbereitschaft aufrecht zu erhalten und Stagnationswasser mit Keimbildung in den Wassernetzen zu vermeiden. Dies bedeutet einen üppigen Verbrauch, selbst wenn tageweise niemand die Dusche aufdreht.

Zum Vergleich rechnet Butz vor: Wenn im selben Monat 100 Sportler jede Woche nach dem Training für 10 Minuten zuhause duschen (im Durchschnitt 2,5 kWh pro Duschgang) verbrauchen sie statt 61 000 kWh nur 1000, nämlich rund 10 kWh pro Person. 

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