Das Schloss heizt jetzt mit Gas

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Die millionenschwere Sanierung des Ellwanger Schlosses wird noch Jahre in Anspruch nehmen - bis voraussichtlich 2029. Aber immerhin: Das Gerüst im Innenhof soll Ende September dieses Monats abgebaut werden.
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Das Ellwanger Schloss wird  in den kommenden Jahren umfangreich saniert. Als eine der ersten Maßnahmen wurde hier die alte Ölheizung ausgetauscht.

Ellwangen. Im vergangenen Jahr ist die umfangreiche, millionenschwere Sanierung des Schlosses ob Ellwangen angelaufen. Gleich zu Beginn der Arbeiten wurde die alte Ölheizung rausgeworfen. Seitdem wird das Monument mit Gas beheizt. Beim Amt für Vermögen und Bau ärgert man sich.

Die Heizung ist nur ein Mosaik bei der Sanierung des Ellwanger Schlosses, die sich noch bis 2029 hinziehen wird. Aber es ist durchaus ein gewichtiges. Rund 90 000 Euro wurden für den Einbau der neuen, modernen Gasbrennwerttherme vom Land in die Hand genommen. „Aus heutiger Sicht war das natürlich ein Fehler. Aber man hätte ja Prophet sein müssen, um diese Lage vorhersehen zu können“, sagt Dr. Stefan Horrer, Leiter des Landesbetriebs Vermögen und Bau in Schwäbisch Gmünd.

Als man sich 2020, und damit zwei Jahre vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine, für den Einbau einer Gasheizung entschieden habe, sei das "definitiv" noch die richtige Wahl gewesen, unterstreicht Horrer. Die alte störanfällige Ölheizung musste zwingend ersetzt werden und Gas sei damals günstig gewesen und stand überdies in Hülle und Fülle zur Verfügung. "Nun müssen wir schauen, dass wir auch auf dem Schloss irgendwie durch den Winter kommen.“

Man werde sich „selbstverständlich“ Gedanken machen, wie man das Schloss künftig zuverlässig und so günstig wie möglich mit Wärme versorgen kann. Wobei Horrer unterstreicht, dass die neue Gasheizung bis auf weiteres im Schloss verbleiben wird. Man könne die neue Anlage jetzt nicht einfach wieder rausbauen lassen. Das wäre „blanker Aktionismus“ und der Bevölkerung auch „nicht vermittelbar“, sagt Horrer. Davon ganz abgesehen, sei es auch gar nicht so leicht, für das Schloss eine vernünftige Alternativlösung in Sachen Heizung zu finden. Für eine Pelletheizung bräuchte man entsprechend große Lagerflächen, mit Hackschnitzelheizungen habe das Amt für Vermögen und Bau bei anderen Gebäuden bereits viel Ärger gehabt. Die seien ebenfalls störanfällig und müssten erfahrungsgemäß von Personal überwacht werden, das auf dem Schloss nicht zur Verfügung steht. „Da haben wir ja nur den Musemsleiter Matthias Steuer. Schwer vorstellbar, dass er sich auch noch um diese Aufgabe kümmern möchte.“ Ob man auf eine Wärmepumpenheizung umsteigen kann, müsse man sehen. Elektrische Flächenheizkörper seien eher schwierig, weil sie als „denkmalschädigend“ gelten. „Aber wir werden eine Lösung finden. Es wird nur nicht schnell gehen und es wird nicht einfach werden“, sagt Horrer.

Wobei den Amtsleiter derzeit nicht nur die Heizung umtreibt. Auch in Sachen Baukosten sieht’s wenig erfreulich aus. Für die Schlosssanierung waren ursprünglich 18,5 Millionen Euro veranschlagt. „Diese Summe werden wir nicht einhalten können“, erklärt Horrer. Durch den Krieg und die gestörten Lieferketten habe sich ein „enormer Kostenschub“ ergeben. Das habe sich bereits beim ersten Bauabschnitt ausgewirkt. Prognostiziert waren dafür 6,5 Millionen Euro; tatsächlich sind aber rund sieben Millionen Euro verbaut worden.

Deutlich Besser sieht es dagegen im Bezug auf den Bauzeitenplan aus. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten planmäßig verlaufen und die Maßnahme 2029 tatsächlich abgeschlossen werden kann“, sagt Horrer. Im Moment sehe es diesbezüglich auf jeden Fall "gut" aus. Im ersten Bauabschnitt wurden neben dem Heizungsaustausch unter anderem das Residenzgebäude auf Vordermann gebracht sowie neue Leitungen für Wasser und Strom verlegt, der Abwasserkanal erneuert und die  Brandmeldezentrale auf den neuesten Stand gebracht. Auch die öffentlichen Wcs wurden saniert, hier fehlt es aktuell nur noch an der neuen Elektrik. Der Austausch der Fenster im Bereich des Innenhofs und des Kellers läuft ebenfalls nochg. Ebenso die Sanierung des ersten Obergeschoss Ost und des Dachs. Erfreulich: Das Baugerüst im Innenhof soll bis Ende dieses Monats aber verschwunden sein. 

Der zweite Bauabschnitt wird  voraussichtlich Ende 2023 starten. Unter anderem soll dann der Südflügel mit dem Thronsaal saniert werden sowie das Haupttreppenhaus. Die Kosten hierfür belaufen sich – nach der ursprünglichen Kostenberechnung - auf rund 4,7, Millionen Euro. Die Arbeiten sollen bis spätestens 2026 abgeschlossen sein – rechtzeitig zum Start der Landesgartenschau. Ob die Heimattage in dieser Zeit wieder auf dem Schloss stattfinden können, lässt Horrer offen. Das könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Grundsätzlich sei es aber vom Land erwünscht, dass die Monumente wie das Ellwanger Schloss von den Bürgern genutzt werden. „Dazu sind sie da. Dazu werden sie von uns unterhalten.“

Nach Abschluss der Landesgartenschau und damit Ende 2026 wird dann der dritte Bauabschnitt in Angriff genommen. Dann sollen unter anderem Räume  im zweiten und dritten Obergeschoss saniert werden sowie die Verglasung der  Arkadengänge im Innenhof. Doch damit sei das Ganze dann nicht abgeschlossen, sagt Horrer. Am frisch renovierten Residenzgebäude bröckele es bereits wieder an der Fassade. „Da müssen wir wieder ran.“

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