Der Kult-Biergarten ist zurück

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Giannis Perkas und seine Lebensgefährtin Ioanna Kostakopoulou haben den Schritt nach Deutschland gewagt. Gemeinsam betreiben sie die Schillerhöhe in Ellwangen. Das Geschäft brummt.
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Seit Anfang Mai hat die Schillerhöhe in Ellwangen wieder geöffnet. Es ist einer der ältesten Biergärten der Stadt.

Ellwangen. Die Geschichte der Schillerhöhe reicht über 300 Jahre zurück. In Ellwangen hat das Lokal Kultstatus. Umso schmerzlich war für die Stadt die Schließung der Gaststätte vor einigen Jahren. Jetzt ist die Zeit des Darbens vorbei. Die Schillerhöhe hat seit Mai dieses Jahres wieder auf. Und sie ist wie gehabt fest in griechischer Hand. Den Ellwanger gefällt’s. Das Restaurant ist nahezu immer ausgebucht – ohne Reservierung geht in der Schillerhöhe nichts. 

Der 28-jährige Giannis Perkas hat den Schritt nach Deutschland gewagt und mit der Schillerhöhe seine erste eigene Gaststätte eröffnet. Auf Facebook hatte er das Ellwanger Lokal entdeckt, dass er seit dem 5. Mai zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ioanna Kostakopoulou und seiner Mutter Foteini Koletsa betreibt. Wie ihm die Stadt und sein neues Lokal gefällt? Giannis Perkas lächelt breit: „Sehr gut“, erklärt er auf Deutsch, auch wenn es mit der Sprache des neuen Heimatlandes derzeit noch ein bisschen hapert.  Wobei Ioanna Kostakopoulou augenzwinkernd anmerkt, dass die deutsche Sprache ja schon schwierig zu erlernen sei. „Aber schwäbisch…that’s so special“, seufzt sie.  Das sei für Griechen schon eine echte Herausforderung. 

Mal abgesehen von den Tücken des Dialekts – die Betreiber der Schillerhöhe fühlen sich wohl in Ellwangen. Sie mögen die Stadt und ihre Menschen. Man habe sie hier freundlich aufgenommen, erklärt Ioanna Kostakopoulou. Und das Beste: Ihr Lokal in der Gartenstraße 20 läuft seit der Eröffnung wie am Schnürchen. Die Menschen rennen der Familie sprichwörtlich die Bude ein. Ohne vorherige telefonische Reservierung läuft nichts. Der Andrang ist einfach zu groß. Giannis Perkas und Ioanna Kostakopoulou sind sich sicher, dass das an ihrer traditionellen griechischen Küche liegt. „Unser Essen schmeckt anders, als es die Deutschen von griechischen Restaurants in Deutschland gewohnt sind“, betonen die Beiden. Giannis Perkas, der in Griechenland auf einem Bauernhof samt Gasthof groß geworden ist, setzt auf gutes Fleisch aus der Region, sein Hackfleisch macht er selbst und natürlich arbeiten er und seine Mutter mit vielen Gewürzen der griechischen Küche. Die Gäste wissen das zu schätzen. Auf der Karte finden sich neben Klassikern wie Gyros mit Tzatsiki und gefüllten Bifteki auch einige außergewöhnliche Gerichte wie zum Beispiel Xaloumi – ein traditionell zypriotischer Käse vom Grill oder  Baby-Kalamari mit gebackenen Kartoffeln sowie als Dessert Galaktoburiko, ein Blätterteig mit Vanillecreme serviert mit Eis.

Das Essen kommt so gut, dass die neuen Betreiber eigentlich noch weit mehr Gäste in ihrem Lokal, das im Innen- und Außenbereich rund 110 Plätze umfasst, bewirten könnten.  Aber: Es fehlt an Personal. Drei Mitarbeiter, zwei für den Service, einen für die Bar, würden Giannis Perkas und seine Lebensgefährtin gerne noch einstellen. Doch sie finden niemanden. „Wo sind bloß die Leute hin?“, rätselt Ioanna Kostakopoulou, die sich gemeinsam mit ihrem Partner und dessen Mutter im August eine kleine Auszeit in der alten Heimat gönnen wird.um danach wieder mit voller Kraft in Ellwangen durchzustarten.

Worüber sich auch die Eigentümer des Hauses freuen. Für Markus und Daniela Wieser sind die neuen Pächter aus Griechenland „ein echter Glücksgriff“. Sie freuen sich, dass es wieder so gut läuft in der Schillerhöhe. Gemeinsam mit Familie, Freunden und der Unterstützung einiger Ellwanger Firmen hatte das Ehepaar Wieser die Gaststätte zwischen 2020 und 2021 umfassend saniert. „Für mich war es ganz wichtig, dass das Haus auch weiterhin eine Gaststätte bleibt“, sagt Markus Wieser. Das Gebäude in ein reines Wohnhaus zu verwandeln sei für ihn zu keinem Zeitpunkt eine Option gewesen. Corona hin, Corona her. Damit die Schillerhöhe ihren alten Charme behält, haben die Wiesers auch Wert drauf gelegt, nachhaltig zu sanieren. Demnächst soll noch das Tüpfelchen auf dem I folgen. Dann werden die alten, mittlerweile restaurierten Stühle der Schillerhöhe ihr Comeback im Biergarten feiern – sie stammen noch aus dem Jahr 1957. Dem Jahr, in dem der Großvater von Markus Wieser die Schillerhöhe gekauft hatte.

Gut zu wissen:

Das Schmankerl: Das gibt es in der Schillerhöhe einiges. Der Chef des Hauses empfiehlt unter anderem Auberginen und Zucchini im Teigmantel mit Tsatsiki für 6,20 Euro oder den mit Feta und Tomaten gefüllten Kalamari, serviert mit Kartoffeln vom Grill, Tarama und Salat.

Das teuerste Gericht: Lammkottelet vom Grill serviert mit Pommes, Reis und Salat für 19,50 Euro

Das günstigste Gericht: Gemischter Salat oder Krautsalat für jeweils vier Euro.

Plätze: jeweils 55 im Innen- und Außenbereich.

Öffnungszeiten: Freitag von 11.30 bis 14 Uhr; Samstag und Sonntag jeweils von 11.30 bis 14 Uhr sowie 17.30 bis 23.30 Uhr; Montag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 23 Uhr, Dienstag ist Ruhetag.

Wichtig zu wissen: Das Bier kommt selbstverständlich aus Ellwangen – von der Rotochsenbrauerei.

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