„Der Tisch für den Wolf ist gedeckt“

  • Weitere
    schließen
+
Heulender Wolf Mond Nacht
  • schließen

Noch ist vollkommen unklar, ob wirklich ein Wolf die Schafe bei Neuler-Ebnat verletzt hat. Doch Landwirte, Schäfer und andere Tierhalter sind in Sorge.

Ellwangen/Neuler

Sie sind die Ruhe an sich, die Schafe von Reinhold Stock, die bei Haisterhofen geschützt im Stall sind. Anders als ihr Besitzer kennen sie nämlich die Berichte in den Medien nicht, wonach ein Wolf zwei ihrer Artgenossen bei Neuler verletzt haben soll.

Der Berufsschäfer dagegen verfolgt die Neuigkeiten aufmerksam: „Nächste Woche kommt meine Herde wieder auf die Weide, eingezäunt mit Elektrozaun“, erzählt er. Bei Nacht Wolfswachen aufzustellen sei für den Familienbetrieb nicht möglich. Und Hütehunde, die auf Wolfattacken ausgebildet sind, will er nicht: „Dann braucht ein Hundebesitzer nicht mehr an der Herde vorbeispazieren und für Radfahrer wird es auch schwierig.“ Wolfsschutz mit Hunden sei in einer so dicht besiedelten Gegend wie dem Ostalbkreis praktisch nicht machbar, sagt Stock.

Es sind nicht nur die Schäfer, die den Wolf fürchten, die Tierhalter insgesamt sind in Sorge. Hubert Kucher, Vorsitzender des Bauernverbands Heidenheim/Ostalb, meint trocken: „Der Tisch für den Wolf ist gedeckt“. Weidehaltung in der Landwirtschaft ist aus Tierwohlgründen von der Gesellschaft gewünscht, Mutterkuhherden grasen für die Landschaftspflege.

Der Bauernverband hat eine klare Position zur Wolfthematik: „Der Wolf muss in das Jagdrecht aufgenommen werden, ebenso wie der Biber. Dann haben wir die rechtliche Möglichkeit etwas zu unternehmen, wenn es nötig ist“, sagt Kucher, der fest davon überzeugt ist, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wieder ein Rudel auf der Ostalb heimisch wird, wenn der Schutz so bleibt wie er momentan gilt.

„Wollen wir wirklich so viel Natur haben, dass es uns Menschen wieder gefährlich wird“, fragt der Landwirt. Die Haustiere seien nicht in der Lage, mit einem wildlebenden Raubtier umzugehen „...und die Menschen hierzulande auch nicht“, ist Hubert Kucher überzeugt.

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt, die Art war seit Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet, bis im Jahr 2000 in der Lausitz erstmals wieder wildlebende Wölfe auf deutschem Boden geboren wurden.

Aktuell (Stand: Oktober 2020) gibt es bundesweit Nachweise für 128 Rudel, 35 Paare und 10 territoriale Einzeltiere. Im Süden sind die Sichtungen vergleichsweise dünn. Rudel gibt es nur im Nationalpark Bayerischer Wald. In Baden-Württemberg sind laut Umweltministerium drei Einzeltiere sesshaft, zwei im Schwarzwald und eines im Odenwald.

Im Ostalbkreis gab es bislang nur zwei Nachweise eines durchziehenden Wolfes: am 23. April 2019 bei Bartholomä. Es war ein Bild auf einer Wildkamera und dazu konnte man einen genetischen Nachweis an einem gerissenen Wildtier führen. Vermutlich stammen beide Spuren von ein und demselben Tier, das einen Tag zuvor in Steinheim und einen Tag später bei Göppingen aufgefallen war.

Bislang gab es nur eine Sichtung in Bartholomä

Zum aktuellen Fall bei Neuler gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Die Proben hat der behandelnde Tierarzt an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg geschickt, die sie zur genetischen Untersuchung an das Senckenberg Institut weiterleitet. „Wir haben keinen starken Verdacht, dass es sich in Neuler tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat, können es aber auch nicht ganz ausschließen“, sagt Hannah Weber Vom FVA-Wildtierinstitut.

Der Revierförster in Neuler, Tilman Pfeifle, hat sich den „Tatort“, ein abgelegenes Grundstück mit Obstbäumen und eingehegter Schafweide bei Ebnat in Richtung Kochertal, genauer angesehen. Er glaubt nicht, dass hier ein Wolf war: „Für mich sieht das nach einem wildernden Hund aus. Ein Wolf hätte getötet und nicht nur verletzt“, meint der Förster.

Wölfe heulen in der Nacht: schön gruselig, aber bislang keine Realität auf der Ostalb. Foto: pixabay

Ein Wolf hätte getötet und nicht nur verletzt.“

Tilman Pfeifle,, Revierförster

Wie das Umweltministerium beim Wolf vorgeht

Seit 2015 gibt es Spuren von Wölfen in Baden-Württemberg. Das Umweltministerium des Landes sammelt alle Beobachtungen und informiert darüber detailliert im Internet. Dabei arbeiten die Fachleute von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) mit den Nachbarländern zusammen. Für Nutztierhalter werden Beratung und in besonders betroffenen Gebieten auch finanzielle Hilfen angeboten. Der Ostalbkreis liegt bislang außerhalb der beiden Fördergebiete „Wolfsprävention Schwarzwald“ und „Wolfsprävention Odenwald“. Dort bezahlt das Land bereits für die Anschaffung und den Unterhalt von Weidezäunen und Herdenschutzhunden. gek

Zurück zur Übersicht: Ellwangen

WEITERE ARTIKEL