Die Kirchturmbläser von Tannhausen

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Die Tannhäuser Turmbläser, von links: Markus Schäble, Tobias Spegel, Ulrich Sachs, Jessica Kurz, Lukas Huber und Darius Baisch. Es fehlt: Marcel Bosch.
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Seit über fünf Jahrzehnten tritt jedes Jahr nach der Christmette eine Abordnung des Musikvereins Tannhausen zum Turmblasen an.

Tannhausen. Als es in Deutschland noch den Beruf des Türmers gab, gehörte das Turmblasen für die Menschen zum Alltag. Neben dem Spielen von bestimmten Hornsignalen hatte so ein Türmer oder Stadtpfeifer auch die Aufgabe, regelmäßige musikalische Darbietungen vom Kirch- oder Rathausturm aus zu gestalten. Mit der Abschaffung des Türmerberufs sollte sich im vergangenen Jahrhundert das Turmblasen als kirchlicher Volksbrauch etablieren. Laienmusiker treten seither vielerorts zu den christlichen Feiertagen an und lassen die alte Tradition wieder aufleben. So auch in Tannhausen.

Verantwortlich dafür ist eine Abordnung des Musikvereins Tannhausen. Marcel Bosch gehört der Gruppe seit vielen Jahren an und hat die Geschichte der Tannhäuser Turmbläser recherchiert, die vor 55 Jahren, im Jahr 1967/68,  aus der Taufe gehoben worden sind - und zwar von Franz Mulzet senior, dem ersten Dirigenten der Schwabenlandkapelle Tannhausen.  "Damals traten die Kirchturmbläser aber noch nicht zu Weihnachten auf, sondern an Silvester",  berichtet Bosch. Mit bekannten Kirchenliedern, wie "Lobet den Herrn", wurde damals das neue Jahr in Tannhausen eingeleitet.

Mitte der 70-er-Jahre übernahmen dann die Musiker Richard Raaf, Alois Raaf, Alois Weißenburger, Josef Hügele, Karl Spegel, Manfred Spegel und Helmut Fischer das Turmbläser-Zepter und verlegten das Turmblasen von Silvester auf Weihnachten. Seither wird immer nach der Christmette an Heiligabend vom Turm der Pfarrkirche geblasen. Wie Richard Raaf betont, wurde von den Bläsern auch tatsächlich "immer" gespielt. Egal, wie mies das Wetter an Weihnachten war. "Das Kirchturmblasen wurde in Tannhausen noch nie abgesagt",  unterstreicht Raaf.

Anfang der 2000-er-Jahre gehörten der Gruppe bis zu 14 Bläser an, die in immer unterschiedlicher Besetzung spielten. Aktuell gibt es nur noch einen festen Kern von acht Musikern (vier Trompeten, eine Tuba und drei Hörner), der nach der Christmette auftritt. Gespielt werden von den Musikern mittlerweile klassische Weihnachtslieder. Die reiche Palette reicht von "Alle Jahre wieder" bis hin zur "Stillen Nacht" - das Stück wird stets zuletzt intoniert und ist an dem Abend "ein Muss", wie Marcel Bosch mit Nachdruck betont.  Ein Lied, das beim Tannhäuser Turmblasen ebenfalls  zum Pflichtprogramm gehört und nur vom Turm aus gespielt werden darf, ist zudem der "Andachtsjodler". "Das ist noch eine Vorgabe der Gründungsmitglieder", erklärt Bosch, für den Weihnachten ohne die Tradition des Turmblasens einfach undenkbar ist: "Ohne Kirchturmblasen, kein Weihnachten. Erst nachdem wir auf dem Kirchturm gespielt haben, fängt für mich die besinnliche Weihnachtszeit an."

Und das geht offenbar nicht nur Bosch und seinen musikalischen Mitstreitern so. Das Kirchturmblasen lockt mittlerweile viele Besucher an. Auch aus den umliegenden Gemeinden. Die Menschen treffen sich dazu auf dem Dorfplatz, wo die Jugendhütten Glühwein ausschenken, der örtliche Bäcker selbst gebackene Plätzchen anbietet und man sich gemeinsam zur Musik der Kirchturmbläser auf Weihnachten einstimmt.

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