Die Sojabohne und das Knöllchenbakterium

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Sojasortenversuch bei Joachim Köhler in Rosenberg-Zollhof: Unterschiede in der Abreifezeit wirken sich stark auf den Ertrag aus.
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Beim Soja-Sortenversuch in Rosenberg-Zollhof ist die richtige Impfung des Saatgutes mit den Knöllchenbakterien ein großes Thema.

Rosenberg-Zollhof

Eiweißpflanzen sind im Ackerbau groß im Kommen. Lupinen, Erbsen, Ackerbohnen, Soja: immer mehr Landwirte versuchen mit Leguminosen oder Hülsenfrüchten vom eigenen Acker den Eiweißbedarf ihrer Viehhaltung zu decken. Grund ist zum Einen der stark gestiegene Weltmarktpreis für Soja aus Nord- und Südamerika. Leguminosen können auf Greening-Flächen angebaut werden. Zum anderen bringt der Düngeeffekt der Leguminosen Vorteile in der Fruchtfolge. Hülsenfrüchte bilden an den Wurzeln eine Symbiose mit ganz bestimmten Bakterien, gemeinsam können Pflanze und Bakterien molekularen Stickstoff aus der Luft binden, in Ammoniak umwandeln und so biologisch nutzbar machen. Hülsenfrüchte brauchen viel weniger Dünger als andere Ackerpflanzen und von dem in den Wurzelknöllchen angereicherten Stickstoff profitieren auch noch die Kulturen, die man im Folgejahr anbaut.

Joachim Köhler, der in Rosenberg-Zollhof eine Landwirtschaft mit 33 Kühen bewirtschaftet, baut bereits seit 12 Jahren Sojabohnen an. Jedes Jahr pflanzt er für verschiedene Saatgutzüchter neue Sorten. "Die haben mittlerweile beachtliche Zuchtfortschritte gemacht", sagt er beim Sojatag vor einer ganzen Reihe interessierter Landwirte. Aussaat war am 20. Mai, aufgrund anhaltender Nässe deutlich später als in den Vorjahren. Die Erträge seien im Großen und Ganzen wohl eher unterdurchschnittlich, weil Wärme und Sonne fehlten. Immerhin haben die warmen Septembertage den größten Teil der rund drei Hektar Sojapflanzen abreifen lassen.

Wenn man die Pflanze schüttelt und die Bohnen in den Hülsen klappern, dann ist die Pflanze reif. Die Züchter empfehlen für das eher rauhe Klima der Ostalb eine frühreife Sorte. Dadurch sind nicht die ganz großen Erträge möglich, die man im südlichen Donauraum erzielt. "Trotzdem: Skilift und Soja, das geht", sagt Matthias Volzer von der Saatgutfirma Lidea. Wichtig beim Sojaanbau ist das "Impfen" des Saatguts mit den Knöllchenbakterien. Das Pflanzenwachstum und der Ertrag sind ganz wesentlich davon abhängig, dass im Boden diese Bakterien vorhanden sind. Joachim Köhler, der stets zwei Jahre hintereinander den Soja auf dem selben Acker anbaut, hat die Erfahrung gemacht, dass er im zweiten Jahr deutlich mehr erntet, weil die Bakterien bereits im Boden sind.

"Der Preis geht aktuell durch die Decke", macht Gerhard Banzer vom Züchterhaus RAGT Werbung für den Sojaanbau. "Die Rallye geht los, im nächsten Jahr wird das Saatgut knapp", sagt er voraus und verweist auf Ernten von 50 Dezitonnen pro Hektar und mehr im Rheinland. "Da macht Soja Spaß." Auf der Ostalb ist mit solchen Erträgen nicht zu rechnen, die frühreifen Sorten bringen weniger. "Aber 40 Dezitonnen habe ich auch schon gedroschen", sagt Köhler.

Damit der Ertrag stimmt, muss die für den Standort passende Sorte gewählt werden. Zu beachten sei auch, dass man sorgsam mit dem Saatgut umgeht, sagt Martin Diemer, Pflanzenbauberater vom Landratsamt Ostalbkreis. Die Sojabohne verliert die Keimfähigkeit, wenn sie aus mehr als 0,5 Meter Höhe auf harten Grund fällt. Außerdem reagiert die Pflanze sehr empfindlich auf chemischen Pflanzenschutz, wahrscheinlich weil dadurch das Mikrobiom im Boden gestört wird.

Eine ganz neue Produktreihe stellte beim Sojatag die Firma UPL vor. Das Unternehmen liefert Präparate zum "Impfen" der Sojabohnen und experimentiert auch mit anderen Biostimulanzien. Zum Beispiel bietet das Unternehmen Präparate aus Algen an, die sich stärkend auf die Pflanzengesundheit auswirken sollen. Spurenelemente wie Bor sollen eine bessere Entwicklung des Wurzelwerks bewirken. Noch fehlen bei vielen Kulturen Exaktversuche. Bei Zuckerrüben habe man jedoch eine Ertragssteigerung von mindestens vier Prozent, bei Mais von fünf bis sieben Prozent festgestellt, sagt der UPL-Vertreter.

Noch gibt es erheblichen Forschungsbedarf bei den Biostimulanzien, doch die Bedeutung eines gesunden und ausgewogenen Mikrobioms im Ackerboden haben nicht nur die Biobauern entdeckt. Die Sojapflanze zeigt, dass man gut beraten ist, auch im konventionellen Landbau auf Wechselwirkungen und Symbiosen mit Bodenbakterien zu achten, wenn man gesunde Pflanzen haben und gute Ernten einfahren will. Gerhard Königer

Sojasortenversuch bei Joachim Köhler in Rosenberg-Zollhof: Unterschiede in der Abreifezeit wirken sich stark auf den Ertrag aus.
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