Diebstahl, Belästigung, Tierschutzvergehen: Ein Tag im Ellwanger Amtsgericht 

+
Symbolfoto
  • schließen

Ein Tag im Ellwanger Amtsgericht zeigt, wie vielseitig die Themen sind, mit denen sich Richter, Schöffen und Staatsanwälte befassen müssen. Von Robine Rebmann

Ellwangen. Richter, Schöffen und Staatsanwälte müssen sich mit Themen unterschiedlichster Art auseinandersetzen – was sich beispielhaft an einem Tag im Ellwanger Amtsgericht zeigt. 

Erste Strafsache an diesem Tag: Einem 27-Jährigen wird der gemeinschaftliche räuberische Diebstahl vorgeworfen. Mittlerweile sitzt der Mann seit drei Monaten in Untersuchungshaft – wegen einer Schachtel Zigaretten. Laut Oberstaatsanwalt Oliver Knoop soll er gemeinsam mit einem Freund in einer Ellwanger Discounter-Filiale versucht haben, die Packung im Wert von 14 Euro zu klauen. 

Ein Aussenstehender habe den Diebstahl bemerkt und versucht, die Männer aufzuhalten. Die setzten sich zur Wehr und verletzten den Mann bei einer Rangelei. In der Zwischenzeit habe der Filialleiter die Türe schließen können, um die Diebe bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Seine Widersacher soll der Asylbewerber aus Algerien als „Nazis“ bezeichnet haben. 

In seinem Schlusswort entschuldigt sich der Mann für seine Tat. Letztendlich entscheidet sich das Gericht dafür, ihn nur zu Diebstahl in Tateinheit mit Körperverletzung zu verurteilen – und zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird. „Wir geben ihm eine ungünstige Kriminalprognose“, begründet Richter Norbert Strecker sein Urteil. Der Mann habe keine festen Bindungen in der Region, zudem halte er sich nicht an die Auflage, den Ostalbkreis nicht zu verlassen. Der Angeklagte akzeptiert das Urteil. 

Weiter geht es mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung: Ein 47-Jähriger legt Einspruch gegen seinen Strafbefehl ein. Weil er einer Freundin zwei Mal in den Po gekniffen haben soll, wurde eine Geldstrafe gegen ihn verhängt. „Aber das fand so nicht statt“, betont der Angeklagte. Viel mehr hätten sich der Mann und die verheiratete Frau freundschaftlich zum Backen getroffen. „Und dabei haben wir uns öfter umarmt.“ Anschließend sei es zum „Clinch“ gekommen, als der Ehemann des Opfers nach Hause gekommen sei und negative Bemerkungen zu dem Treffen gemacht habe. 

Andere Angaben macht das Opfer, das an diesem Vormittag als Zeugin geladen ist. Zwar sei sie über Jahre hinweg mit dem Beschuldigten befreundet gewesen. „Aber ich habe ihm immer wieder klar gemacht, dass da nicht mehr sein wird.“ Berührungen zu einem gewissen Grad habe sie geduldet, „mit so etwas aber nie gerechnet.“ Auf eine Anzeige habe sie eigentlich verzichten wollen. „Aber ich will, dass er aus seinen Fehlern lernt.“ 

Der Oberstaatsanwalt sieht in dem Vergehen eine klare Grenzüberschreitung, der Richter verhängt eine Geldstrafe – 50 Tagessätze zu je 20 Euro muss der 47-Jährige bezahlen. Es spreche sehr viel für den Beschuldigten, so Strecker: „Sie haben keine Voreintragungen, sind sozial gefestigt und haben eine Arbeit." Deshalb bewege sich das Urteil am unteren Rand des Strafmaßes. Der Angeklagte nimmt das Urteil mit Kopfschütteln entgegen. 

Seinen Strafbefehl annehmen möchte auch ein Landwirt nicht, um den es in der letzten Verhandlung Streckers an diesem Tag geht. Auch der 58-Jährige soll eine Geldstrafe zahlen – vorgeworfen werden ihm sechs Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Bei einer Kontrolle im April 2020 haben demnach zwei Tierärztinnen des Veterinäramts katastrophale Zustände auf seinem Hof festgestellt. 

Der Vorwurf: Obwohl mehrere Tiere krank waren, habe der Mann, der seinen Hof allein bewirtschaftet, keinen Tierarzt gerufen. „Ich habe ihn einfach nicht erreicht“, rechtfertigt sich der Beschuldigte, der sich immer wieder in Ausreden flüchtet. Er habe zudem die Vermutung, dass seinen Tieren Gift unter das Futter gemischt wurde. 

Katastrophale Zustände

Die Tierärztin, die als Zeugin aussagt, sieht andere Gründe dafür, dass das Vieh verendet ist oder eingeschläfert werden musste. „Die Tränken waren mit Kot und Mist bedeckt, alle Kühe waren bedenklich abgemagert“, erzählt sie. Ein Experte habe zudem festgestellt, dass dem Futter keine Giftstoffe beigemischt wurden. 

Mit seinem Einspruch hat der Landwirt, der bis zum Ende der Verhandlung keine Reue zeigte, keinen Erfolg: Eine Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 20 Euro wird verhängt. „Sie haben versucht alles zu erklären und zu beschönigen“, begründet der Richter die Strafe. „Das waren sehr große Missstände.“ Doch immerhin: Wie die Tierärztin berichtete, habe sich die Lage des Hofes im Rahmen engmaschiger Kontrollen erheblich verbessert.

Zurück zur Übersicht: Ellwangen

Kommentare