Drogenhändler am Scheideweg: Letzte Chance für 27-jährigen Crailsheimer

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Landgericht Ellwangen.

In einem Prozess gegen einen 27-jährigen Crailsheimer, der unter anderem mit 17 Kilogramm Marihuana gehandelt hat und dem Verbindungen zur den Crailsheimer Osmanen nachgesagt werden, ist jetzt das Urteil gefallen.

Ellwangen. Die Therapie ist wohl seine allerletzte Chance: Ein vorbestrafter 27-jähriger Crailsheimer hat im Sommer des vergangenen Jahres mit 17 Kilogramm Marihuana gehandelt. Darüber hinaus fanden Polizisten bei Durchsuchungen im Dezember 2021 knapp 500 Gramm Marihuana und einen Schlagring.

Aufgrund dieser Vergehen wurde der Mann von Jochen Fleischer, Vorsitzender Richter, wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in fünf Fällen, davon in einem in Tateinheit mit unerlaubtem Besitz eines verbotenen Gegenstands, zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung des Crailsheimers in einer Entziehungsanstalt an sowie die Einziehung eines Geldbetrags in Höhe von 93 500 Euro.

Der Angeklagte sei nun an einem entscheidenden Punkt in seinem Leben angelangt – so formulierte es Dr. Dietrich Kölsch, der am dritten und letzten Verhandlungstag am Landgericht als psychiatrischer Gutachter aussagte. Zuvor hatte er kurz den Werdegang des 27-Jährigen skizziert: Bereits mit 14 oder 15 Jahren habe der Crailsheimer mit dem Konsum von Cannabis begonnen. Diesen habe er immer weiter gesteigert, bis er kurz vor seiner Festnahme etwa sieben bis zehn Gramm pro Woche konsumierte.

Ähnlich habe es sich bei Kokain verhalten: Das habe er an seinem 18. Geburtstag zum ersten Mal zu sich genommen, später waren zwei bis drei Gramm pro Woche. Er habe in seinem Leben schon einige falsche Entscheidungen getroffen, habe der Angeklagte laut Gutachter erklärt. Nun müsse er sich entscheiden, ob er den Drogen und der Kriminalität entsage oder ob er noch weiter auf die schiefe Bahn gerate, sagte Dietrich. Unter dem Strich spreche nichts gegen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Staatsanwalt: Mit erheblichen Mengen Drogen gehandelt Dieser Ansicht schlossen sich Staatsanwalt, Verteidiger und Richter an: Staatsanwalt Maximilian Adis plädierte darüber hinaus unter anderem auf eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Zugunsten des Angeklagten sprechen das Geständnis, dass er die Drogen zumindest teilweise verkaufte, um seine Sucht zu finanzieren und dass er noch keine Haftstrafe verbüßt habe. Trotzdem sei der 27-Jährige bereits wegen vorsätzlicher und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vorbestraft, er habe im Raum Crailsheim mit erheblichen Mengen gehandelt und sei zu den Tatzeiten noch auf Bewährung gewesen. Zusätzlich werden ihm Verbindungen zum Crailsheimer Ableger der verbotenen Gruppierung „Osmanen Germania“ nachgesagt.

Rechtsanwalt Markus Schwab erklärte, sein Mandant habe sich unabhängig von Zeugen dazu entschlossen, reinen Tisch zu machen. Außerdem habe er bereits Kontakt zu einer Drogenberatungsstelle aufgenommen und wolle, so sinngemäß, das alles hinter sich lassen. Er sprach sich für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren aus.

Richter: Entziehungsanstalt eine riesige Chance Richter Jochen Fleischer hielt dem Angeklagten in der Urteilsbegründung zugute, dass dieser sich hätte auch anders verteidigen können – also nicht gestehen. Stattdessen habe der 27-Jährige aber Verantwortung übernommen, was bei der Strafzumessung erheblich ins Gewicht gefallen sei.

Die Entziehungsanstalt werde nun eine riesige Anstrengung für den Crailsheimer sein, aber auch eine riesige Chance, so Fleischer. Diese müsse er nun aber auch ergreifen. Er bringe die Voraussetzungen mit, das zu schaffen. Luca Schmidt

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