Ehefrau im Auto angezündet: Lebenslange Freiheitsstrafe

Im Gerabronner Mordprozess hat das Landgericht Ellwangen den 48-jährigen Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Crailsheim

Dass der Busfahrer aus Gerabronn seine Frau heimtückisch ermordet hat, daran hatte die Schwurgerichtskammer keinen Zweifel. Aus der Beweisaufnahme habe sich der Ablauf der Tat nahezu lückenlos ergeben, sagte Vorsitzender Gerhard Ilg in der Urteilsbegründung. "Die Kammer konnte sich in das Tatgeschehen wie in einen Film hineinversetzen, dessen Regisseur der Angeklagte war", sagte Ilg.

Der Tatablauf

Bei diesem Tatablauf folgte das Gericht der Schilderung, mit der Oberstaatsanwalt Peter Humburger in seinem Plädoyer das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammengefasst hatte: Der Angeklagte hatte seine Frau am Morgen des 14. November 2019 zwischen Binselberg und der Brettachhöhe abgepasst und ihr den Weg versperrt, die Scheibe ihrer Fahrertür mit einem Hammer eingeschlagen, die Frau geschlagen und mit Benzin übergossen und sie wenig später nach weiteren massiven Misshandlungen angezündet.

Besonders betroffen habe das Gericht die Möglichkeit gemacht, dass das Opfer noch bei Bewusstsein war, als der Mann das Auto in Brand setzte. Der Angeklagte sei zu seinem Auto gegangen, um etwas zu holen. Er sei dann in aller Ruhe dagestanden, als ob er sich eine Zigarette anzünde, und habe die Szene im Auto betrachtet. "Wir hoffen inständig, dass das Opfer diesen Moment nicht hat erleben müssen", sagte Ilg. Die Position der Leiche im Auto spreche dafür, dass die Frau im letzten Moment einen Fluchtversuch in Richtung Beifahrertür unternommen habe. "Wenn Sie ihr diese Todesangst angetan haben, müssen Sie damit leben. Wir können es nicht feststellen", sagt Ilg zum Angeklagten, der das Urteil regungslos hinnahm.

Der Busfahrer habe mit "absolutem Vernichtungswillen" und heimtückisch gehandelt. Damit widersprach der Vorsitzende den beiden Verteidigern Anna Göbel und Matthias Sigmund. Sie hatten argumentiert, die Tat sei ein mehrteiliger Vorgang gewesen, bei dem die für das Mordmerkmal Heimtücke erforderliche Arglosigkeit des Opfers nicht durchgehend gegeben gewesen sei. Die beiden Rechtsanwälte beantragten, den Angeklagten wegen Totschlags zu einer zeitlich bestimmten Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Oberstaatsanwalt Humburger hatte auf heimtückisch begangenen Mord aus niedrigen Beweggründen plädiert und nicht nur eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt, sondern – vergeblich – auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Unterstützung fand er bei diesem Antrag beim Vertreter der Nebenklage, dem Stuttgarter Rechtsanwalt Daniel Heuser, der die drei Söhne des Mordopfers und des Angeklagten vertrat.

Hätte das Gericht, wie gefordert, die besondere Schwere der Schuld festgestellt, hätte dies bedeutet, dass es keine Möglichkeit der Entlassung nach 15 Jahren Haft gegeben hätte.

Das Gericht schloss aus, dass der Angeklagte im Affekt gehandelt habe, wie es die Verteidiger für möglich hielten. "Es gibt keine Tat, die weiter weg ist vom Affekt als diese hier", sagte der Vorsitzende. Dafür sprächen die Vorbereitungshandlungen wie das Befüllen des Benzinkanisters mit Benzin. Dies habe der Angeklagte nicht getan, um den Sprit für den Rasenmäher zu verwenden, wie Verteidiger in den Raum gestellt hatten.

Das Motiv des Angeklagten sah das Gericht in den Auseinandersetzungen der Eheleute im Zusammenhang mit ihrer Scheidung. Der Angeklagte habe den bescheidenen Wohlstand, den die Familie erreicht habe, bedroht gesehen. "Seine Wertvorstellung ist übersteigert materiell", sagte Ilg. Dass sich der Angeklagte von Äußerungen seiner Frau, sie habe für die Familie auf eine eigene Berufskarriere verzichtet, zu Recht gekränkt gefühlt habe, wies der Vorsitzende zurück. "Jeden Tag zur Arbeit gehen, das kann jeder, aber drei Kinder großziehen – machen Sie das mal", sagte Ilg. Das Scheidungsverfahren habe für den Angeklagten nur einen glimpflichen Verlauf genommen.

Auslöser BMW

Der entscheidende Auslöser der Tat sei jedoch der Umstand gewesen, dass der Angeklagte gezwungen war, seinen BMW X5 Pick-up zu verkaufen, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Mann habe es nicht verkraftet, den 245 PS starken, allradgetriebenen Wagen weggeben zu müssen. "Dabei hätte er nur einen Gang zurückschalten müssen. Man kann auch mit einem Polo fahren", betonte Ilg.

Erwin Zoll

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