Ein Böllerwurf mit Folgen

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Vor dem Amtsgericht Ellwangen mussten sich jetzt drei 19-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Am Ende kamen alle Drei glimpflich davon.
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Vor dem Amtsgericht Ellwangen mussten sich drei Jugendliche wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Ellwangen. Vor dem Amtsgericht Ellwangen mussten sich jetzt drei 19-Jährige wegen Hausfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie hatten einen Bekannten nach einem Böllerwurf zur Rechenschaft ziehen wollen. Der Streit eskalierte. Am Ende landete das heute 20-jährige Opfer im Krankenhaus und die drei Freunde vor Gericht.

Die Tat hatte sich bereits am 1. April 2021 in Ellwangen zugetragen. Das Opfer, ein 20-jähriger Rettungssanitäter, soll an dem Tag grundlos einen Böller in das Wohnhaus eines 19-jährigen Angeklagten geworfen haben.  Die Folge war zunächst nur ein kleines Brandloch in einer Fußmatte. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Nachdem sich der Böllerwerfer vom Acker gemacht hatte, folgte direkt danach auf Instagram zwischen den Parteien noch ein Austausch an Unfreundlichkeiten und Provokationen. Der 20-Jährige "lud" seine Gegner in diesem Zuge ein, doch bei ihm zuhause vorbeizuschauen. Was die drei Freunde auch tatsächlich und umgehend taten. Auf dem Grundstück des 20-Jährigen eskalierte die Situation dann vollends. Einer der Angeklagten, ein 19-jähriger Mechatronik-Student,  geriet mit dem 20-Jährigen sofort in eine handfeste Rangelei. Dabei habe er zweimal mit der Faust zugeschlagen, räumte der Student ein. Allerdings bestritt er vehement, dass er bei diesem Handgemenge auch noch mit einem Holzbrett oder einer Taschenlampe zugeschlagen hat. Beide Gegenstände hatte die Polizei am Tatort sichergestellt. An beiden Gegenständen klebte das Blut des 20-Jährigen. 

Gestützt wurde die Aussagen des Studenten durch seine beiden Freunde auf der Anklagebank, die dem Gericht mit Nachdruck versicherten, dass man es an dem Abend eigentlich überhaupt nicht auf eine Schlägerei abgesehen hatte. "Wir wollten die Angelegenheit nur klären. Aber dann ist es gleich losgegangen. Ich war total überfordert in der Situation und wusste nicht, was ich tun sollte", schilderte einer der beiden Mitangeklagten den Vorfall. Der Dritte im Bunde ließ sich ähnlich ein. Er habe damit nicht gerechnet und habe nur insofern in das Geschehen eingegriffen, als das er die Freundin des 20-Jährigen davon abhielt, in das Handgemenge aktiv einzugreifen. Die hatte mit einem Besen dazwischen gehen wollen. "Den habe ich ihr abgenommen, damit sie da nicht hineingezogen und am Ende auch noch verletzt wird", erklärte der junge Delinquent, der - leichenblaß und sichtlich aufgeregt -  im Verfahren mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte.

Das Opfer schilderte die Ereignisse danach ganz anders. Der 20-Jährige sprach von einem "Überfall" und von Tritten sowie massiven Schlägen mit einem harten Gegenstand -  vor allem gegen seinen Kopf.  Gute zehn Minuten sei auf ihn eingeprügelt worden. Eine Schilderung, die sowohl nach Auffassung der drei Verteidiger als auch von Richter Michael Schwaiger nicht zu den Verletzungen des 20-Jährigen passte, dem im Krankenhaus lediglich zwei Platzwunden an Kinn und Lippe genäht werden mussten. Bereits einen Tag nach dem Vorfall konnte er das Krankenhaus wieder verlassen. "Wäre der Geschädigte tatsächlich mit einem Brett oder einer Lampe geschlagen worden, und das über einen so langen Zeitraum, hätten wir es sehr wahrscheinlich mit deutlich schweren Verletzungen zu tun", befand Richter Schwaiger.

Die Freundin und der 16-jährige Bruder des Geschädigten, die an dem Abend Zeugen der Schlägerei wurden, konnten im Prozess wenig Licht ins Dunkel bringen. Die Aussagen waren teils widersprüchlich und deckten sich nicht mit den Angaben, die man bei der ersten polizeilichen Vernehmung gemacht hatte. "Da wurde von den Beamten wohl was verdreht", erklärte der Bruder im Zeugenstand hörbar genervt.   

Und so blieb am Ende nach einer äußerst zähen Beweisaufnahme von der Anklage nicht mehr viel übrig. Der Vorwurf des Hausfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung wurde gegen alle drei jungen Männer fallengelassen.  Das Verfahren gegen den 19-jährigen Hauptangeklagten - nur noch wegen vorsätzlicher Körperverletzung -  wurde gegen Zahlung einer Geldauflage von 1200 Euro, zu überweisen an das Opfer, vorläufig eingestellt. Die beiden anderen Jugendlichen wurden von jeder Schuld freigesprochen. Richter Michael Schwaiger gab ihnen abschließend noch einen guten Rat mit auf den Weg. "In so einer Situation kann sehr viel mehr passieren. Machen Sie sich künftig rechtzeitig Gedanken darüber, wie sich so etwas vermeiden lässt."

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