Ein schwieriges Kartoffeljahr

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Kartoffelanbau am Versuchsfeld von Anton Wagner
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Nässe und kühles Frühjahr machen die Krautfäule zum Problem. Die Folgen können sich im Lager und im kommenden Jahr fortsetzen sagt der Experte Mark beim Kartoffeltag in Neunstadt.

Ellwangen-Neunstadt Wie kommen die Kartoffelbauern mit den schwierigen Wetterbedingungen in diesem Jahr zurecht? Die Antwort gibt Mark Mitschke, Experte für Kartoffelanbau, auf dem Feld von Anton Wagner bei Neunstadt. Knapp 30 Landwirte haben sich um den Fachmann aus Niedersachsen versammelt, der das Ergebnis des diesjährigen Sortenversuchs präsentiert. Sauber ausgebreitet liegt vor ihm die Ernte 2021, schön aufgegliedert nach 22 Sorten. Von jeder wurden alle Knollen von fünf Stauden, einem Quadratmeter, geerntet und nach Größe sortiert ausgebreitet. Das Ergebnis ist durchaus verschieden, und das nicht nur bezogen auf den mengenmäßigen Ertrag. Im Kartoffelanbau kommt es auch auf die Größe und das äußere Erscheinungsbild der Knollen an, die Widerstandskraft gegen Fäulnisbakterien und Pilze und was auf dem Feld ausgegraben wird, hat der Landwirt noch lange nicht sicher. Denn die Knollen können auch im Lager noch verderben, eine Gefahr, die in diesem Jahr besonders groß ist, wie Mark Mitschke erläutert. Sorte für Sorte geht er mit den Landwirten durch, erklärt Vorteile und Nachteile und spricht einzelnen Sorten sogar die Zukunftsfähigkeit ab.

"Welche Sorte kommt mit dem Klimawandel klar", ist die alles entscheidende Frage. Und die ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn man weiß nicht recht, was der Klimawandel tatsächlich bedeutet. Nach mehreren extrem trockenen Jahren ist 2021 extrem feucht. Waren die Bauern voriges Jahr noch auf der Suche nach Sorten, die mit trockenem Klima klar kommen und wenig Bewässerung brauchen, sind es in diesem Jahr die Sorten, die anhaltende Feuchtigkeit aushalten und besonders widerstandsfähig gegen "Phytophthora" sind. Der feuchtigkeitsliebende Pilz löst die Kraut- und Knollenfäule aus und kann ganze Ernten zerstören.

Ohne Pflanzenschutz würde in diesem Jahr nahezu Totalausfall drohen, sagt Markus Scharpf von der Europlant Pflanzenzucht GmbH und berichtet von Feldern im Bioanbau, wo die Knollen so klein blieben, dass es sich kaum zu ernten lohnt, weil der größte Teil durch die Siebe der Erntemaschinen fällt. Im konventionellen Anbau haben die Landwirte in diesem Jahr bis zu zehn Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt, um ihre Ernte zu retten. Gegen die Ackerschnecke, den Drahtwurm, die Blattlaus sowie verschiedene Pilze wurde behandelt. Und nur mit Pflanzenschutz war das vorliegende Ergebnis möglich, stellt Mitschke fest: "Wenn die Landwirtschaft das Volk ernähren soll, brauchen wir Pflanzenschutz. Punkt."

Wer seine Kartoffeln verkaufen will muss die Größen haben, die der Lebensmitteleinzelhandel verlangt. Er muss tadellose Knollen ohne Fraßspuren von Drahtwurm und Ackerschnecke liefern. Er kann sich nicht leisten 20 Prozent seiner Ernte und mehr als unverkäuflich auszusortieren. Und er braucht Kartoffeln, die lagerfähig sind, damit sie sich auch noch im April nächsten Jahres verkaufen lassen. Mitschke: "Wir wollen nachhaltige Produktion, also möglichst viele Knollen, die sich auch verkaufen lassen und nicht in der Biogasanlage landen."

Bei den mehligkochenden Speisekartoffeln ist "Afra" sehr beliebt und hat in Baden-Württemberg einen Marktanteil von 10 Prozent. Sie ist ertragreich und mit ihrer rauhen Schale ist sie robust beim Ernten, während Sorten mit glatter Schale leicht blaue Flecken bekommen und aussortiert werden müssen. Nachteil: im Kaufhausregal sehen die glattschaligen Sorten feiner und sauberer aus und werden besser gekauft.

Bei den Salatkartoffeln ist "Belana" auch mit dem feuchten Jahr gut zurecht gekommen. Die Knollen sind länglich, was der Verbraucher wünscht, um möglichst viele "Rädle" für den Kartoffelsalat schneiden zu können. Das Fleisch muss gelb sein

Eine gute Zukunft sieht Mitschke für "Otolia", eine neue Sorte, die resistent ist gegen Krautfäule und wenig empfindlich für Beschädigungen beim Ernten. Der "Allians" gibt er wenig Chancen, die sei "nicht einfach zu führen und dürfte wegfallen." Mitschkes Kommentare sind wertvolle Auswahlhilfen für die Landwirte, die sich aber auch anhand der auf dem Boden liegenden Knollen orientieren. Weil Anbaubedingungen bezüglich Boden und regionalem Klima von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sind, gibt es die "sichere Wahl" jedoch nicht. Zumal es auch auf die Verfügbarkeit des Saatguts ankommt. "Ich wollte ja diese Sorte, aber ich habe im Frühjahr keine mehr bekommen", sagt ein Landwirt.

Später im Lager von Anton Wagner geht es bei Schweinebraten und Kartoffelsalat um die Marktentwicklung. Markus Scharpf spricht von relativ guten Erträgen im konventionellen Anbau aber extremen Ausfällen im Biobereich. Entsprechend dürfte der Preis für Biokartoffeln stark steigen, während das Kilo aus konventioneller Produktion wie bislang bei 1,5 bis 2,5 Euro bleiben dürfte. Umso wichtiger sei es für die Landwirte, dass sie auch die komplette Ernte vermarkten können. Die Gefahr drohe im Lager: "Ohne Kühlung und Lüftung geht es nicht", sagte er. Im Zweifel wäre es klüger eine von Phytophthora betroffene Stelle im Boden zu lassen als mit befallenen Knollen zu riskieren, das ganze Lager anzustecken. "Sonst kann es passieren, dass ihnen unten das Wasser rausläuft", sagte er.

Gerhard Königer

"Wenn die Landwirtschaft das Volk ernähren soll, brauchen wir Pflanzenschutz. Punkt."

Mark Mitschke, Beratungsdienst Kartoffelanbau
  • Gefahr für den Anbau im kommenden Jahr
  • Trotz Nässe und feuchtem Boden hält sich der Ernteverlust durch Krautfäule in diesem Jahr noch in Grenzen. Der Grund: nach mehreren trockenen Jahren hat sich der Pilz noch nicht extrem verbreitet. Folgt jedoch 2022 erneut ein nasses Jahr, werde der Druck durch den Pilz Phytophthora enorm werden. Die Sporen sind jetzt massenhaft im Boden und verbreiten sich dann durch den Wind.
Kartoffelanbau am Versuchsfeld von Anton Wagner

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