Eine Intensivtäterin erhält die allerletzte Chance

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Am Mittwoch musste sich eine 21-jährige Intensivtäterin aus Crailsheim vor dem vor dem Jugendschöffengericht in Ellwangen verantworten.
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Die mehrfach vorbestrafte 21-Jährige aus Crailsheim hatte ihre letzten beiden Straftaten - Diebstahl und Sachbeschädigung - nur kurze Zeit nach ihrer Haftentlassung begangen. Trotzdem darf sie auf freiem Fuß bleiben.

Ellwangen. Sie ist beim Ellwanger Amtsgericht eine alte Bekannte: die 21-jährige Intensivtäterin aus Crailsheim. Die junge Frau, ohne Ausbildung und ohne Job, musste sich hier in den vergangenen sieben Jahren schon mehrfach auf die Anklagebank setzen. Zuletzt im Januar des vergangenen Jahres, nachdem sie während eines Gefängnisfreigangs Rettungssanitäter im Einsatz angegriffen und wüst beschimpft hatte. Das Gericht verlängerte ihre Haftzeit damals um weitere vier Monate. Nun saß die Crailsheimerin schon wieder vor einem Ellwanger Jugendrichter.

Dieses Mal wogen die Vorwürfe allerdings nicht ganz so schwer. Die 21-Jährige, die einiges auf dem Kerbholz hat - unter anderem hatte sie 2019 einer Bekannten zwei Zähne ausgeschlagen und im Stile eines Mike Tyson einen Teil der Ohrmuschel abgebissen -  musste sich dieses Mal lediglich wegen des nächtlichen Diebstahls von Keksen im Wert von 3,50 Euro aus einem Hofladen in Roßfeld verantworten. Darüber hinaus hatte man die junge Frau dabei gefilmt, wie sie in einer Tiefgarage am Crailsheimer Marktplatz gemeinsam mit einem Kumpel einen Feuerwehrschrank grundlos aufstemmte und so einen Sachschaden von rund 200 Euro verursachte. Beide Taten hatten sich im März dieses Jahres - nur wenige Monate nach ihrer Entlassung aus der JVA - ereignet. 

In der Verhandlung konnte sich die junge Frau, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammt, nur sehr selten zur Schule gegangen ist und trotzdem noch einen Einser-Hauptschulabschluss geschafft hatte, laut eigenen Angaben an nichts mehr erinnern.  "Ich hatte an diesen beiden Tagen wieder viel getrunken und Medikamente genommen. Wenn es dieses Video nicht gebe, würde ich sagen, dass mir da jemand was in die Schuhe schieben will", erklärte sie am Mittwoch dem Gericht.  Sie räumte anschließend aber auch unumwunden ein, dass sie es sei, die man da auf den Bildern der Überwachungskamera sehen kann. "Da gibt es nichts zu bestreiten. Das bin ich." Und auch beim Keksdiebstahl war die Sache schnell klar. Die 21-Jährige hatte laut Aussage einer Freundin, die an dem Abend dabei gewesen war, offenbar Hunger gehabt und dann einfach zugegriffen. 

Und so drohte der 21-Jährigen als chronischer Wiederholungstäterin nun erneut eine Strafe - womöglich sogar wieder ohne Bewährung. Doch es sollte anders kommen. Denn anders als in den vorangegangenen Verhandlungen stand der Angeklagten dieses Mal nicht nur der eigene Anwalt als Fürsprecher zu Seite. Die Jugendgerichtshilfe, die der jungen Frau vor einem Jahr noch ein verheerndes Zeugnis ausgestellt hatte ("keine Schuldeinsicht, kein Bedauern und weder durch erzieherische Disziplinarmaßnahmen noch durch Haft zu beeindrucken"), überraschte das Gericht nun mit einer positiven Prognose. Die 21-Jährige habe sich in den vergangenen Monaten "komplett gewandelt". Der Grund dafür sei ihre Schwangerschaft. Seit die 21-Jährige Anfang Juli erfahren hat, dass sie ein Kind erwartet, würde sie nachweislich keine Drogen mehr konsumieren, lasse von Alkohol und Zigaretten konsequent die Finger und nehme mittlerweile auch jede therapeutische und beratende Hilfe an, die man ihr bietet. Das bestätigte dem Gericht auch der zuständige Bewährungshelfer. "Bei ihr hat eine äußerst positive Entwicklung stattgefunden.  Sie ist jetzt bereit, Verantwortung für sich und ihr Kind zu übernehmen." Sie habe sich dafür von ihrem alten Freundeskreis losgesagt und sei seither auch nicht mehr straffällig geworden.

Nach diesen Ausführungen waren sich Staatsanwalt Armin Burger, Rechtsanwalt Frank Gangl und am Ende auch Richter Michael Schwaiger einig: Die junge Frau soll nochmals eine Chance bekommen. Es wurde, wie von Burger gefordert,  eine Jugendstrafe von sechs Monaten verhängt,  die zur Bewährung ausgesetzt wurde.  Dazu wurden der jungen Frau unter anderem regelmäßige Drogenscreenings auferlegt. Außerdem muss sie - als Wiedergutmachung für den demolierten Feuerwehrschrank  - 150 Euro an die Stadt Crailsheim zahlen sowie 150 Euro an den Ellwanger Verein zur Förderung der Bewährungshilfe. Wie Richter Schwaiger in seiner Urteilsbegründung ausführte, hoffe das Gericht inständig, dass es bei der 21-Jährigen jetzt endlich "Klick" gemacht hat. "Wir sehen Ihren positiven Wandel, auch wenn er derzeit noch auf  gläsernen Füßen steht. Nur aus diesem Grund bekommen Sie jetzt auch noch einmal diese eine Chance."

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