Einen Biberdamm entfernen, ist kein Kavaliersdelikt

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Biberdamm am Kirnbach, unweit vom Rabenhof: Von Unbekannten in einer Nacht- und Nebel-Aktion zerstört.
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Arbeitsbereich Umwelt und Gewerbe der Polizei ermittelt wegen einer Umweltstraftat am Kirnbach.

Ellwangen. Der Biber ist eine streng geschützte Tierart und breitet sich derzeit aus in den Zuflüssen der Jagst. Offensichtlich gefällt das nicht jedem. Am Kirnbach beim Rabenhof wurde am 20. April ein Damm entfernt, mit dem der Biber das Wasser aufstaute, um seine Burg zu schützen. Die Polizei vermutet, dass der oder die Täter mit einem Traktor zugange waren.

„Es gibt durchaus Möglichkeiten, um landwirtschaftlich genutzte Flächen zu schützen, wenn eine Überflutung durch den Biber droht“, sagt Kreisökologe Stephan Frei. Die Naturschutzbehörde hat Handlungsspielraum und auch finanzielle Mittel. Aber das Vorgehen muss mit ihnen abgestimmt werden.“

An verschiedenen Biberquartieren hat der Kreisökologe bereits erfolgreich zwischen Belangen des Artenschutzes und der Landwirtschaft vermittelt. Beispielsweise kann ein Aufstau durch Einbau eines Rohres wieder abgesenkt werden. Auch eine teilweise Öffnung des Biberdamms ist möglich.

Wer auch immer am Kirnbach Hand an das Biberbauwerk gelegt hat, er wollte keine Kompromisse eingehen. Denn mit der Naturschutzbehörde war das Vorgehen nicht abgestimmt.

Deshalb ermittelt jetzt die Polizei und sucht Zeugen, die den Eingriff beobachtet haben. Spätestens dann dürfte es eng werden für den oder die Täter.

„Das ist keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat“, sagt Frei. Laut Bundesnaturschutzgesetz Paragraf 44,1 sind bei Verstößen Geldstrafen bis zu 50 000 Euro möglich.

Der Biber lebt am Kirnbach schon einige Jahre, wie Anlieger berichten, die der Redaktion Fotos vom Biberdamm vor der Zerstörung schickten. Der Aufstau habe Wildgänse, Enten und Amphibien angelockt. In dem entstandenen Teich sei Froschlaich gewesen. „Das ist alles so schrecklich, selbstsüchtig und kaltherzig“, schreiben sie. gek

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