Eingereist, um zu stehlen

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Vor dem Ellwanger Amtsgericht mussten sich am Donnerstag zwei Männer aus Georgien verantworten. Sie hatten gleich nach ihrer Einreise diverse Diebstähle und Betrugsdelikte begangen.
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Für zwei Seriendiebe aus Georgien setzte es vor dem Ellwanger Amtsgericht jetzt Haftstrafen. Die Männer hatten unter anderem in ihrer Unterkunft in der LEA Diebesgut gehortet.

Ellwangen. Am Donnerstag mussten sich zwei Asylbewerber aus Georgien vor dem Ellwanger Amtsgericht verantworten. Und das wegen einer Vielzahl von Straftaten. Die beiden Männer - die beide erst im März dieses Jahres - über Polen nach Deutschland eingereist waren und danach in der LEA in Ellwangen eine Unterkunft bezogen hatten, waren unmittelbar nach ihrer Ankunft im gesamten süddeutschen Raum auf Raubzug gegangen.

Die bevorzugte Beute der beiden 31 und 43 Jahre alten Männer war dabei eher ungewöhnlich. Sie hatten es vor allem auf Zahnbürstenersatzköpfe der Marke Oral B abgesehen. Paketweise wurden die aus Drogerie- und Einkaufsmärkten mitgenommen -  ohne zu bezahlen. Auch andere Waren ließ man mitgehen. Tabak, Werkzeuge, Kleidung, Kosmetika. In der LEA-Unterkunft und den Autos, die den Angeklagten zur Verfügung standen und von denen man eines übrigens in Polen geschenkt bekommen haben will, wurden von der Polizei "säckeweise" Gegenstände sichergestellt, die mutmaßlich alle zuvor gestohlen worden sind. Einiges, aber nicht mehr alles konnte die Polizei noch zuordnen.

Da die Langfinger für ihre Raubzüge weite Strecken mit den Autos zurückgelegt haben - die Diebstähle ereigneten sich unter anderem in Schwäbisch Gmünd,  in Uhingen, Ludwigsburg, aber auch in Rodgau in Hessen - mussten die Fahrzeuge oft aufgetankt werden. Auch hier zogen es die Männer regelmäßig vor, nicht zu zahlen. Dazu hatten sie extra die Kennzeichen ihrer Wagen manipuliert. Und wäre das alles noch nicht schlimm genug, fielen sie in der kurzen Zeit, in der sie in Deutschland auf freiem Fuss waren, auch noch wiederholt als Temposünder auf. Im Besitz eines gültigen Führerscheins war man auch nicht. 

In der Verhandlung räumten die beiden Angeklagten, die aus der U-Haft vorgeführt wurden und im Prozess eine Dolmetscherin benötigten, die Tatvorwürfe über ihre Anwälte mehr oder weniger voll umfänglich ein. Der 43-Jährige, nach eigenen Angaben ein studierter Arzt, der in seiner Heimat mit einem Immobilienhandel insolvent gegangen ist, bat das Gericht um eine letzte Chance. Er wolle in Deutschland bleiben, hier künftig arbeiten und Steuern zahlen und sich so für diese "verdammte Sache" entschuldigen. Auch sein 31-jähriger Kompagnon erklärte, dass er gerne bleiben und seine Familie nachholen wolle. Er baue dabei auf die Hilfe des deutschen Sozialstaats. 

Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Zunächst werden die beiden Männer auch die nächste Zeit in einem deutschen Gefängnis verbringen. Das hatte der Staatsanwalt gefordert, der davon ausgeht, dass die angezeigten Delikte wahrscheinlich nur die "Spitze eines Eisbergs" sind. Die Männer seien sehr wahrscheinlich im Auftrag losgezogen - und hätten in Deutschland gezielt gestohlen. "Ihr Ziel war es, hier dicke Beute zu machen und in kurzer Zeit möglichst viel abzuräumen."

Richter Norbert Strecker brauchte danach für seine Urteilsfindung keine Minute. Er setzte die Forderung des Staatsanwalts eins zu eins um und verhängte gegen die Männer Haftstrafen von einem Jahr und drei Monaten beziehungsweise einem Jahr und neun Monaten. Und fand in diesem Zuge außerdem  deutliche Worte für die Delinquenten auf der Anklagebank, denen die beiden Verteidiger zuvor noch unisono eine "positive Sozialprognose" attestiert hatten. "Wie Sie darauf kommen, ist mir schleierhaft", erklärte der Richter in Richtung der Anwälte. Die beiden Angeklagten hätten in den ersten drei Monaten ihres Deutschlandaufenthalts eine Vielzahl von Straftaten begangen - am 10. März in Deutschland angekommen, wurden sie am 15. März zum ersten Mal bei einem Ladendiebstahl erwischt.  "Sie sind nach Deutschland gekommen, um hier zu stehlen. Das war der einzige Zweck", fasste Strecker den gesamten Vorgang in zwei Sätzen zusammen. Angesichts der hohen kriminellen Energie käme "selbstverständlich" keine Bewährung mehr in Betracht - "beileibe nicht", unterstrich der Richter mit Nachdruck.  

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