Ellenberg tritt neuer Arzt-Genossenschaft bei

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Dem Raum Ellwangen/Virngrund gehen langsam die Ärzte aus. In den kommenden fünf Jahren drohen weitere drei Praxisschließungen.
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Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für einen Beitritt gestimmt.

Ellenberg. Die Gemeinde Ellenberg wird der geplanten Arzt-Genossenschaft für den Raum Ellwangen/Virngrund beitreten. Der Gemeinderat gab dafür in seiner jüngsten Sitzung am Montag einstimmig grünes Licht.

Vor dieser Entscheidung hatten die beiden Mitarbeiterinnen des Landratsamts (Geschäftsbereich Gesundheit), Diana Kiemel und Leonie Schönsee, dem Gremium erläutert, warum eine solche Genossenschaft - als Träger der hausärztlichen Versorgung -  für den Raum Ellwangen/Virngrund nicht nur Sinn macht, sondern im Prinzip alternativlos ist.

Laut den beiden Referenten sei die hausärztliche Versorgung derzeit zwar noch einigermaßen gewährleistet, allerdings planten bereits in den kommenden fünf Jahre weitere drei Ärzte die Praxisaufgabe. Und Nachfolger seien auch hier nicht in Sicht. Wie Kiemel in diesem Zug unmissverständlich klar machte, werde sich diese Lage noch weiter zuspitzen, da ein Großteil der praktizierenden Ärzte bereits über 60 Jahre alt ist.  "In spätestens fünf Jahren wird es besorgniserregend, wenn wir nicht gegensteuern", unterstrich Kiemlel. 

Wer junge Ärzte gewinnen wolle, der müsse darauf reagieren, dass für  Nachwuchsmediziner eine eigene Praxis nicht mehr so erstrebenswert ist.  Wesentlich bedeutsamer sei für die jungen Medziner demnach die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit.  Work-Life-Balance sei auch hier das Zauberwort. Die meisten Ärzte zögen heute eine Festanstellung einer eigenen Praxis vor. Die jungen Menschen wünschten sich geregelte Arbeitszeiten, wollen gerne im Team arbeiten und sich nicht mit administrativen Aufgaben herumschlagen. Hier könne die Gründung einer Genossenschaft sowie die Einrichtung von medizinischen Versorgungszentren die Lösung sein.

Laut Schönsee können sowohl Ärzte als auch Kommunen Mitglied der geplanten Genossenschaft werden - das finanzielle Risiko für die Mitglieder sei dabei gering. Es beschränkt sich auf die Höhe der geleisteten Einlage, die zwischen 1000 und 2000 Euro liegen wird. Wie Schönsee in diesem Zuge noch aufzeigte, würden für die Gründung mindestens drei Mitglieder benötigt; die maximale Anzahl liege bei 20 Mitgliedern.

Laut Schönsee sei das Interesse an der Genossenschaft ausgesprochen groß. Sowohl bei den Ärzten als auch bei den Kommunen.  Selbst die angrenzenden Gemeinden Bühlerzell und Bühlertann hätten bereits Interesse an einem Beitritt bekundet. Man gehe deshalb auch davon aus, dass die Gründungsversammlung noch in diesem Jahr stattfinden kann.

Nach diesen Ausführungen brauchte der Ellenberger Gemeinderat nicht lange für seine Entscheidung. Geschlossen wurde für einen Beitritt votiert. Wobei Hubert Fuchs zumindest noch einen leisen Zweifel anmeldete, ob eine Genossenschaft den Arztmangel tatsächlich beseitigen könne: "Das ändert ja eigentlich nichts an der Tatsache, dass es zu wenig ausgebildete Ärzte im Land gibt", konstatierte Fuchs. Schönsee stimmte dem zu. Der Ärztemangel sei ein unumstößlicher Fakt. Die Politik habe hier ein Stück weit versagt. Jetzt müsse es darum gehen, möglichst attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, damit junge Mediziner den Weg nach Ellwangen und in den Virngrund finden.

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