Der Mann mit dem Akkordeon

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Hans Bolsinger ist Musiker durch und durch. Seit beinahe einem halben Jahrhundert ist er Chorleiter des Liederkranzes.
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Wie Johannes „Hans“ Bolsinger seit 48 Jahren und noch länger Ellenberg zum Klingen bringt und was es mit der Ortstafel auf sich hat.

Ellenberg

Dass Ellenberg singt und klingt. Vielstimmig. Dass der Liederkranz bald seinen Hundertsten feiern kann. Und die neue Bürgermeisterin mit einem selbst geschriebenen Lied begrüßt wird, das ist sein Verdienst: Johannes Bolsinger. Seine Schüler haben den ehemaligen Lehrer „Bobo“ genannt, tun es heute noch. Doch in Ellenberg ist er bekannt als „Hans“, der Mann mit dem Akkordeon.

Seit 48 Jahren leitet Hans Bolsinger den Männerchor, seit zwölf auch den Schülerchor. Und dabei hatte er zu Beginn doch so gar nichts mit Chorgesang am Hut gehabt. „Ich kam eigentlich mehr aus der Rock-Ecke. Mit den „Twens“, unserer Band, waren wir im Ostalbkreis und drüber hinaus bekannt.“ Dann, 1974, hatte ihn der Vorsitzende des Gesangvereins, Josef Röhrle, angesprochen. Ob er sich nicht vorstellen könne, den Chor zu übernehmen. „Um Gotteswillen. Das kann ich doch nicht. Das ist doch eine ganz andere Art von Musik, die ich mache.“ Aber der Liederkranz war in Bedrängnis und so machte Bolsinger beim Schwäbischen Sängerbund die Fortbildung zum Chorleiter und sagte: Okay, ich probier's. „Aus dem Probieren sind 48 Jahre geworden“ - fast ein halbes Jahrhundert, grinst der 74-Jährige. Konzerte unter ein Leitthema zu stellen und auch zeitgemäße Stücke wie von den „Toten Hosen“ einzubauen, das gefällt ihm. Und er ist überzeugt, dass die Begleitung durch E-Piano und Gitarre ein Gewinn für alle ist. „Mit rhythmischer Begleitung lässt sich manches besser transportieren“, weiß er. Dafür schnallt sich der gebürtige Ellenberger auch gern mal sein Akkordeon um. Mit Links beim Akkordeon die Knöpfe bedienen und mit Rechts dirigieren: für den Vollblut-Musikus kein Problem.

Das Akkordeon ist sein Begleiter

Das Akkordeon wurde schon in früher Kindheit sein Begleiter, mit 16/17 stieg er bei den „Twens“ ein, Klavier und Keyboard hat er sich selbst beigebracht, in der Jazzband auch Banjo, Gitarre und Bass gespielt. Im „Hirsch“ in Ellenberg, in der Elchhalle oder auch in den Tanzcafés in Dinkelsbühl oder Ansbach gab's also Tanzmusik mit Hans und seiner Band. Bolsinger erinnert sich noch gut, wie lustig das damals aussah, in Ansbach, in der Bar der meist dunkelhäutigen Amis, wenn nur noch das Blaulicht - das ja nur weiße Dinge sichtbar macht – an war. „Dann sah man nur die Zähne der Leute und halt die BHs der Frauen.“ Und weil's keine Nebelmaschine gab, es bei Elvis' „Love me tender“ aber schon schön romantisch sein sollte, haben sich die Bandmitglieder ihre Pfeife geschnappt und ihren Spezialnebel produziert.

Mit den „Ellenberger Stubenrockern“ hat Bolsinger 2003 bis 2012 musiziert, Stücke von Eric Clapton oder CCR gespielt, eine CD aufgenommen, „Livehaftigen Krach aus dem Henderstüble“. Mit seiner Unterschneidheimer Schülerband hat er ebenfalls eine CD produziert, war mit ihr beim europäischen Festival der Jugendbands in Frankreich zusammen mit jungen Musikern aus ganz Europa. Zehn Jahre lang war er Bezirkschorleiter im Bezirk Ellwangen des Eugen-Jackle-Chorverbands und hat unter anderem den Bezirksmännerchor mit rund 100 Sängern geleitet.

Als Mathe- und Physiklehrer an der Karl-Kessler-Realschule Wasseralfingen und ab 1995 in Unterschneidheim unterrichtete er fachfremd Musik, übernahm Chor und Schülerband. „Die Musik zieht sich halt durch mein Leben.“ Und das ist auch gut so. Für ihn. Und die, denen er es dadurch, dass er die Verantwortung und die leitende Position übernimmt, ermöglicht, ihrem Hobby nachzugehen. Durch die Auftritte mit seinen Chören – in Stimpfach dirigiert er ebenfalls - sorgt er auch beim Publikum für Freude.

Das nächste Ziel steht fest: Der Liederkranz wird in zwei Jahren 100. Das soll vernünftig und in ordentlicher Besetzung gefeiert werden. Derzeit sind es 22 aktive Sänger. Das ist nicht schlecht. Aber Bolsinger würde gerne noch aufstocken, überlegt, eventuell zu diesem Zweck, zum Neugierig-Machen einen Projektchor zu gründen.

Sein Schülerchor läuft prima. „Die bleiben auch gerne noch, wenn sie schon in der weiterführenden Schule und gar nicht mehr hier in der Grundschule sind.“ Am Samstag steht ein großer Auftritt auf der Kapfenburg beim Kinder- und Jugendchorfestival an.

Wie das mit Hans Bolsinger und dem Sport ist, das ist eine extra Geschichte. Oder wo auf der Welt er schon überall war. Und welchen Künsten er sich sonst noch so widmet. Beispielsweise hat er die Ellenberger Ortstafeln gestaltet und das Titelbild des Gemeindeblättles.

Bekannter Kopf

Ihn kennt jeder. Alfons Weiß. 28 Jahre lang – bis zum 23. April - war er Vorsitzender des VfB Ellenberg, 35 Jahre ehrenamtlich tätig, hat viel bewegt, ist noch immer im Ausschuss. Unter seinem Vorsitz sind die Sportanlagen und das Vereinsheim gebaut worden – mit einer Menge Eigenleistung. Seinen Nachfolgern hat er einen schuldenfreien Verein übergeben und auch beim großen Faschingsumzug und dem Fasching aller Vereine viel in die Hand genommen.

Instagram-Fotomotiv

So manches schöne Fleckchen lässt sich in Ellenberg finden. In einem der ausgedehnten Wälder, auf den Höhen oder Tälern der abwechslungsreichen Landschaft, die sich auf dem Grünen Pfad durchwandern lässt. Oder eben an einem der Seen. Hier am „Häsle“ befinden sich zwei Campingplätze, nur ein kleines Stückchen weiter beim Haselbach Stausee genauso. Rund 650 Stellplätze gibt es für Urlauber, die wissen, wie schön es im Virngrund ist.

Schon gewusst?

In Ellenberg. Da steht sie. Die längste Sitzbank der Welt – aus einem Stück gebaut. Und zwar aus dem Stamm einer 130 Meter großen Douglasie. Die Säge angesetzt hatten 1997 Auszubildende des Forstamts Ellwangen. Seitdem lässt sich auf der 30 Meter und 22 Zentimeter langen Sitzgelegenheit, die es ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft hat, ein schönes Päuschen einlegen, wenn man auf dem Waldentdeckerpfad im Südosten des Hauptorts unterwegs ist.

Alfons Weiß
Stausee Häsle
Die längste Bank der Welt, die aus einem Stück gefertigt ist, steht seit 1997 in Ellenberg.

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