Düstere Aussichten: Landrat Bläse wagt bei seinem Besuch in Ellenberg einen Blick in die Zukunft

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Die Corona-Pandemie bleibt, so Landrat Bläse, weiterhin ein Problem.
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Energiewende, Flüchtlinge, Pandemie – der Landrat verbreitet bei seinem Ausblick in die Zukunft alles andere als Zuversicht.

Ellenberg. Bei seinem Gemeindebesuch in Ellenberg hat sich Landrat Joachim Bläse auch noch in aller Kürze mit den Gemeinderäten ausgetauscht. Dabei wagte Bläse einen Blick in die gar nicht allzu ferne Zukunft – und verbreitete dabei alles andere als Zuversicht.  Unter anderem ging der Kreischef auf das Thema Energiewende ein. Das sei alles „nett gewesen“ – so lange Deutschland Gas aus Russland und Atomstrom aus Frankreich bezogen hat. Jetzt sei alles andere. Das Land, vor allem der Süden Deutschlands, laufe mittlerweile Gefahr abgehängt zu werden. Bläse prognostizierte in diesem Zuge eine Verdoppelung des Strompreises und womöglich eine Verfünffachung des Gaspreises, wobei niemand sicher sagen könne, ob es am Ende des Jahres überhaupt noch ausreichend Gas für alle geben wird. Das Land befinde sich aber nicht nur deshalb in „spannenden Zeiten, die wir alle so bislang noch nicht erlebt haben“.

Auch das Thema Flüchtlinge bleibe aktuell, prophezeite Bläse. „Die Menschen werden weiter zu uns kommen, unterdessen  wird der Wohnraum immer knapper.“ Er rechne damit, dass die Aufnahmebereitschaft und auch die Begeisterung für die Zuwanderung spürbar sinkt, wenn die Belastungen für die eigene Bevölkerung größer und größer werden.   

Ein weiteres Problem sei und bleibe die Pandemie. „Corona wird im Herbst nicht weg sein. Wir können nur hoffen, dass wir dann besser vorbereitet sein werden“, sagte Bläse, der sich abschließend auch noch zur Zukunft der Kliniken äußerte. Am kommenden Montag werde im Kreistag verkündet, dass die Kliniken  ein Defizit von 23,6 Millionen Euro geschrieben haben. Trotzdem gehe es bei diesem Thema „nicht in erster Linie ums Geld“, erklärte der Landrat. „Dieses Argument zählt bei der Bevölkerung sowieso nicht. Wir geben für so vieles Geld aus. Da wird von den Menschen erwartet, dass wir das auch für unsere Krankenhäuser tun.“ Laut Bläse würden zwei andere Faktoren eine viel größere Rolle spielen: das Erfüllen von Mindestanforderungen und der Mangel an Fachpersonal. Aktuell fehlten an den drei Kliniken rund 30 Ärzte und 100 Pflegekräfte, weshalb viele Betten in den Kliniken nicht mehr belegt werden können. „Und dieses Problem nimmt noch weiter an Fahrt auf“, sagte der Landrat voraus, der sich in diesem Zusammenhang für eine sachbezogene Debatte stark machte. Es gehe nicht allein um die  Klinikstandorte, sondern um eine vernünftige „Gesundheitsversorgungsstruktur“ im Landkreis. Wie sich die Diskussion zuletzt entwickelt habe, sei „grenzwertig“, mahnte der Landrat. rim

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