Virngrundtunnel wird früher fertig

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Die Fahrbahn hat eine "gegrindete" Oberfläche erhalten, die für Autoreifen griffig sein soll. Anton Rettenmaier (r.) und Marc Rühle zeichnen ein, wo die Kontaktschleife eingebaut wird.
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Warum die Sanierung des Bauwerks und die Erneuerung der A7-Fahrbahn in diesem Bereich nun schon am 20. September abgeschlossen werden können und was noch zu tun ist.

Ellwangen-Ellenberg

Diese Nachricht dürfte für vielfachen Jubel sorgen: Rund sechs Wochen früher als geplant wird die A-7-Baustelle am Virngrundtunnel fertig. Terminiert sei die Eröffnung nun für den 20. September, gibt das Regierungspräsidium bekannt. An einem Sonntag also darf der Verkehr dann an dieser Stelle wieder ungehindert über die A 7 rauschen. Und die stündlichen Verkehrsnachrichten, die derzeit selten ohne Staumeldung vom Virngrundtunnel verlesen werden, bekommen einen anderen Schwerpunkt.

Dass es jetzt doch schneller gegangen ist mit der Mega-Baumaßnahme, sei weder Zufall noch Glück, sondern das Ergebnis einer intensiven Suche der Bauleiter des Regierungspräsidiums Stuttgart und der ausführenden Firmen nach Möglichkeiten, den Bauablauf zu optimieren und zu beschleunigen. "Wir konnten von den Erfahrungen der ersten Röhre profitieren", sagt Projektleiter Marc Rühle. Man habe mehr Leute eingesetzt, die Arbeitsgänge verbessert und zeitlich enger verzahnt.

Zum Beispiel im Unterbau der Fahrbahn der jetzt fast fertigen Weströhre: Hier sei nun über der hydraulisch gebundenen Schotter-Tragschicht eine doppelte Bitumenschicht eingebaut. Das mache von der Haltbarkeit keinen Unterschied zur Oströhre, in der auf die Tragschicht eine zweite Schotterschicht und dann Bitumen eingebaut wurde. "Aber wir konnten auf den doppelten Bitumen schneller wieder drauf und weiterarbeiten", sagt Anton Rettenmaier, der bei diesem Großprojekt die Bauaufsicht innehat.

Geradezu begeistert sind die beiden Experten von dem Spezialverfahren, mit dem die neue Fahrbahnoberfläche hergestellt wurde. Die Tatsache, dass diese Arbeiten gleich mitgemacht werden sollten, hatte die Gesamtbaumaßnahme zunächst von 15 auf 17 Monate verlängert – für die Autofahrer ärgerlich aber immer noch das kleinere Übel zu einer etwa sechsmonatigen, erneuten Sperrung, die fällig gewesen wäre, wenn man die Fahrbahn separat saniert hätte.

Was nun aber entstanden ist, davon schwärmen Marc Rühle und Anton Rettenmaier gleichermaßen: Eine "gegrindete" Oberfläche, deren Längsrillen für Autoreifen extrem griffig seien, das Wasser gut ableiten könnten und dabei so eben seien, dass "bei der Kontrollplanografie maximal drei Millimeter Abweichung feststellbar sind", sagt der Baukontrolleur. Das sei anders gar nicht hinzubekommen. Die Spezialmaschine, die dafür eingesetzt wurde, hat über 600 PS. Mithilfe von Sägeblättern trage sie 0,5 Zentimeter von der Betonoberfläche der Fahrbahn ab. Dadurch können die Unebenheiten aus dem Einbau ausgeglichen werden. Zudem sorge dieses Verfahren dafür, dass der Verkehr weniger Lärm mache.

Bauseits, sagen die Akteure, sei man so gut wie fertig am Virngrundtunnel. Was jetzt noch läuft? Leitplanken werden gesetzt, die Schächte im Tunnel fertiggestellt, die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht. Außerdem werden Kameras, Notrufsäulen, Hinweisschilder – kurz: die ganze Betriebstechnik auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Da werde zum Beispiel ein Feuerlöscher aus der Halterung genommen, um zu kontrollieren, ob das auf dem Überwachungsschaltbild korrekt angezeigt wird, erklärt Marc Rühle. Auch der Kontakt zum Verkehrsrechner in Stuttgart steht da auf dem Prüfstand. Zum Beispiel, ob die Kontaktschleife funktioniert, die in diesen Tagen an der Tunnelausfahrt in die Fahrbahn gelegt wird und später den Verkehr zählen soll.

Schließlich sei im September, kurz vor der Inbetriebnahme, auch noch eine Feuerwehrübung angesetzt, sagt Marc Rühle. Und direkt vor dem 20. September eine Vollsperrung von Freitag, 21 Uhr, bis Sonntag, 9 Uhr, damit auch die Baustelleneinrichtung wieder abgebaut werden kann. Die Arbeiten an den Außenanlagen des Tunnels sollen dann ausgeführt werden, wenn der Verkehr wieder fließt.

Regierungspräsident Wolfgang Reimer freut sich, dass nach der Oströhre im März nun auch die Weströhre des Virngrundtunnels fertig wird – und zwar schneller als geplant. Er würdigt die Leistung der Planer, Bauleiter und Firmen bei dieser bau- und betriebstechnisch komplexen Großmaßnahme, die ein sehr hohes Maß an Abstimmung und Koordinierung erfordert habe. Der Bund hat als Bauträger in die Sanierung des Tunnels und die Erneuerung der Fahrbahn 28 Millionen Euro investiert.

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