Wie Solidarität das Leben erleichtert 

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Achtung! Jetzt wird gekitzelt! Neun Ellenberger Mütter haben sich schulen lassen und testen nun bei Bedarf fünf Mal pro Woche abends im Pfarrhaus Grundschul- und Kindergartenkinder – und ersparen damit anderen Eltern eine Menge Fahrerei, Zeit und Sp
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Warum im Pfarrhaus abends gekitzelt wird, wie eine beeindruckende Idee aus der Not heraus entstand und Ellenbergs Mamas in der Pandemie zusammenhalten.

Ellenberg

Eine beispielhafte Situation: Sonntagabend meldet die Kindi-App, dass ein Kind in der Gruppe von Lara (Name geändert) positiv ist. Das bedeutet für Lara und sämtliche Spielkameraden ihrer Gruppe: Morgen früh geht’s nur in den Kindi, wenn sie einen offiziellen Negativtest vorweisen kann. Und für Laras Eltern: Wo können wir heute am Sonntagabend oder morgen früh noch vor der Arbeit Lara testen lassen, um rechtzeitig im Kindi und im Büro zu sein?

„Die Landesregierung beschließt oft sehr kurzfristig irgendwelche Regelungen, die uns Eltern im Coronaalltag vor Herausforderungen stellen“, sagt eine Ellenberger Mutter. Und damit sich da nicht jede Familie alleine durchkämpfen muss, haben neun Mamas von Kindi- und Grundschulkindern beschlossen: Wir halten zusammen. Wir unternehmen etwas. Wir schauen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und einander durch diese belastende Phase helfen.

Wie das geht? Wenn tägliche Tests der Kinder nötig, aber umständlich sind mit ständigen Fahrten nach Ellwangen oder Dinkelsbühl, dann ist die logische Konsequenz: „Wir testen selbst. Ganz offiziell.“ Das war sie, die Idee. Schnell war eine Gruppe beieinander, die sagte: Das ist eine gute Sache, das hilft uns allen. Da machen wir mit.

Der Ellwanger Hausarzt Franz Josef Grill schulte die Mamas nach Feierabend, Pfarrer Jens Kimmerle stellte den Frauen das Pfarrhaus als abendliche Teststation zur Verfügung, Hauptamtsleiterin Anna-Lisa Bohn half durch den Bürokratiedschungel: Wie werden Zertifikate ausgestellt, wie die Meldungen ans Gesundheitsamt erledigt? Das Rathaus bestellte eine Ladung Testsets, später dann die Kirchengemeinde. Im November ging es los. Anders als bei den üblichen Teststationen verdient in Ellenberg keiner etwas damit. Der Einsatz der jungen Frauen ist ehrenamtlich und auf Kindergarten- und Grundschulkinder beschränkt. Das wollte das Landratsamt so und ebenso die Mütter. Die gesamte Gemeinde zu testen, wäre nicht machbar neben Beruf und Familie.

„Das Initiative ist aus der Not heraus entstanden“, sagt eine der Mütter, selbst Lehrerin. „Mancher hat nur ein Auto, das dann der Partner für die Arbeit braucht, oder hat keines und muss mit den Kindern dann mit dem Bus erst mal nach Ellwangen zum Testen. Das ist ein Unding. Wir arbeiten alle, müssen pünktlich bei der Arbeit erscheinen.“ So früh habe keine Teststation geöffnet. Arbeitgebern falle das Verständnis inzwischen auch immer schwerer. „Die brauchen uns ja auch bei der Arbeit und können nicht ständig Ausnahmen machen, weil wir erst mit unseren Kindern zum Testen müssen.“ Und selbst wenn man am Vorabend zum Testen fährt, koste es Zeit, Nerven, Geld. „Bei den aktuellen Spritpreisen erst recht.“ Das seien die Fahrten umwelttechnisch bescheiden.

So richtig in die Öffentlichkeit, mit Namen in der Zeitung stehen, das lehnen die Frauen ab. Ihnen geht es darum „einfach im Dorf zu helfen“. Zusammenhalten. Zeigen „dass Ellenberg ein Ort der Solidarität ist“. „Indem wir das machen, merkt man, was man für die Gemeinde bewirken kann“, begründet eine der Ehrenamtlichen ihre Motivation.

Jeden Abend kommen 15 bis 25 Kinder. Zwei Mütter bilden ein Team. Eine nimmt den Abstrich, die andere erledigt den Papierkram. Sind mehrere Kindergartengruppen betroffen, wird in Schichten getestet, damit es dort keine Kontakte und kein Ansteckungsrisiko gibt. Zum Test selbst darf immer nur ein Kind mit Elternteil ins Gebäude. Nach 15 Minuten gibt’s das Ergebnis in Papierform.

„Ich bedanke mich auf das Herzlichste für diese hervorragende Unterstützung der Eltern unser Grundschul- und Kindergartenkinder“, lobt Bürgermeister Rainer Knecht das Engagement.

Enorm dankbar sind auch die Ellenberger Eltern, die draußen beim Bänkle neben dem Pfarrhaus aufs Ergebnis warten. Hier die Anerkennung exemplarisch von drei Eltern: „Das ist so eine große Hilfe.“ „Super. Das ist eine Erleichterung für alle. Auch für die Kinder. Viele tun sich doch schwer mit der Testerei. Da hilft es, wenn es vertraute Gesichter sind.“ „Ich würde die Krise kriegen, wenn wir jeden Tag in die Stadt fahren müssten.“

Wir testen selbst. Ganz offiziell.“

Eine Mutter, und ehrenamtliche Testerin

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